Bayern 2


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MusikFavorit Moritz Krämer: "Ich hab' einen Vertrag unterschrieben 1&2"

Auch bei seinem Bandprojekt “Die Höchste Eisenbahn” steht Moritz Krämer neben Francesco Wilking oft am Mikrofon. Dort war er in letzter Zeit sogar aktiver als solo. Mit der “Höchsten Eisenbahn” hat er zwei Alben seit seinem letzten Solowerk von 2011 herausgebracht. Nun ist ein Doppelalbum erschienen: unser Musikfavorit in dieser Woche. Christoph Leibold im Gespräch mit Bayern 2-Musikredakteur Claus Kruesken.

Von: Claus Kruesken

Stand: 05.02.2019

CD Cover: Moritz Krämer "Ich hab einen Vertrag unterschrieben 1 & 2"  | Bild: Label Tapete, Montage BR

Das Album heißt „Ich hab’ einen Vertrag unterschrieben 1&2”, aber die 16 Songs passen ohne weiteres auf eine CD. Thematisch aber schließt er zwei Bögen, die jeweils einen Anfang, beziehungsweise Neuanfang haben. Und zwei Enden. Titel 8 heißt “Das Ende”, Titel 16 “Zweites Ende”.

Worum drehen sich denn die beiden Hälften des Albums? Tatsächlich um Verträge?

Nun, da kommen schon einige Wörter aus dieser Begriffswelt vor. „Wenn ein Deal ein guter ist“ heißt ein Song, in einem anderen wird ein PDF für eine Unterzeichnung verschickt, unterschrieben wird sowieso auf dem Album. Aber, da kann man vieles einfach aufs Zwischenmenschliche, auf die Liebe übertragen. Auf Verpflichtungen, die man in einer Beziehung eingeht, auf Enttäuschungen, Missverständnisse, Trennung. Gleichzeitig hat das Album aber auch noch eine andere Ebene, da geht’s ums Songschreiben, um Erwartungen von Plattenfirmen, um Selbstzweifel, ob man das überhaupt rausbringen möchte, was man da zusammenkomponiert hat. Moritz Krämer überlässt uns da die Deutungshoheit, ob wir seine Texte so nehmen, wie sie sind, oder ob wir da ganz andere Ebenen entdecken möchten. Ein Kritiker hört aus diesem Album Unlust heraus, die daher rührt, dass Krämer als Musiker Verträge mit der Musikindustrie erfüllen muss, obwohl er vielleicht lieber ganz etwas anderes machen möchte. Sollte dem so sein: So schön hat Unlust noch nie geklungen wie auf diesem Album!

Auch Krämers Gesang hat ja so ein bisschen was „Unlustiges“…

Ja, das melancholisch Vernuschelte ist sein Markenzeichen, das so schön im Gegensatz steht zu elegischen Streicherpassagen, feinem Klavierspiel, gelegentlichem Synthi-Geblubbere wie aus Zeiten der Neuen Deutschen Welle – und immer wieder einfach großartigen Melodien.

Moritz Krämer live

Das kann man dann auch live erleben bei zwei Terminen im März in Bayern: Am 11.3. im Münchner Ampere, am 14.3. in Nürnberg.


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