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MusikFavorit Joe Jackson mit seinem neuen Album "Fool"

Der Mann ist schon eine Pop-Ewigkeit im Geschäft: Joe Jackson. Warum sein am Freitag erschienenes Album “Fool” unser Musikfavorit ist, bespricht Christoph Leibold mit Bayern 2-Musikredakteur Claus Kruesken.

Von: Claus Kruesken

Stand: 22.01.2019

CD-Cover "Fool" von Joe Jackson | Bild: Earmusic (Edel); Montage: BR

Christoph Leibold: Ist „Fool“ ein würdiges Jubiläumsalbum, Claus?

Claus Kruesken: Ja. Einerseits ist es einfach typisch Joe Jackson, und gleichzeitig zeigt es ihn fokussierter als je zuvor. Er hat viel geschrieben, viele ganze und halbe Songs sind unterwegs auf der Strecke geblieben, wie er sagt, und dann hat er die besten acht Stücke ausgesucht, die den Joe Jackson von heute widerspiegeln.

Das klingt aber nach einem kurzen Album. Nur acht Titel?

Dafür gleich einige mit mehr als fünf oder sechs Minuten. Aber es ist wirklich keines dieser modernen Pop-Alben mit 14, 15 Songs – lieber alles draufgepackt, was man so hat. Nein. Joe Jackson ist ein Musiker der alten Schule. Er denkt noch in A- und B-Seiten, die sich ergänzen, und so ist auch "Fool" angelegt. Vinyl ist ja wieder in, und das kommt Joe Jackson sehr entgegen:

"Das Album-Format hat etwas sehr Befriedigendes. Egal, was alle sagen. Egal, ob es für tot erklärt wurde oder nicht. Aber zwanzig Minuten auf einer und zwanzig Minuten auf der anderen Seite stellen mich zufrieden. Ich glaube, dass viele Menschen das für ein gutes Medium halten. Aus dem gleichen Grund sind Filme meistens zwei Stunden lang sind und Bücher um die 300 Seiten haben. Manche Dinge funktionieren einfach."

Joe Jackson

Gibt es auch ein Konzept, das sich durch die beiden Seiten der Schallplatte zieht, bei dem dann der Titel "Fool" Sinn ergibt?

Interessanterweise hatte Joe Jackson erst mal gar kein Konzept, als er sich ans Schreiben gemacht hatte. Das ergab sich erst im Prozess. Man kann es mit Tragödie und Komödie umschreiben. Da gibt es Songs, die von Angst, Wut, Entfremdung und Verlust handeln, andere von Freundschaft, Lachen, Musik. Der "Fool", auch der Titel eines Songs, ist sein persönlicher Superheld: "Seine besondere Kraft ist es, uns zum Lachen zu bringen.
Er ist unsterblich und unverletzbar", sagt Jackson über ihn.
Im Kampf von Komödie und Tragödie ist er der Gute; Humor ist letztlich nicht totzukriegen. Songs, die er übrigens vor 40 Jahren noch nicht hätte schreiben können, wie er sagt. Denn für diese Geschichten braucht man Lebenserfahrung.

"Damals habe ich nicht viel gewusst! Komische rweise werde ich immer weniger zynisch, je älter ich werde. Die Leute denken, dass es genau andersherum sein müsste. Häufig sind junge Menschen sehr zynisch, weil sie denken, dass es besonders clever und erwachsen wirkt. Wenn man aber älter wird, erkennt man, dass es einen absolut nicht weiterbringt."

Joe Jackson

Also ist es auch unter diesem Aspekt ein würdiges Jubiläumsalbum. Und er feiert damit auch seine Musiker, mit denen er zum Teil auch schon seit Jahrzehnten tourt. Auch von Ihnen hat er viel Inspiration für das neue Album bezogen. Man hört das. Es ist ein Band-Album, nicht das Album eines Sängers mit Begleitmusikern.

Einer der Songs auf dem Album heißt "Dave"...

... und den stellt uns Joe Jackson persönlich vor:

"Ich bin in Portsmouth aufgewachsen an der Südküste Englands. Dort gibt es so viele Menschen, die Dave heißen. Das ist lustig, die meisten sind in meinem Alter. Das Lied handelt zum Teil von einem Typen, den ich vor Jahren in einem Pub in Portsmouth getroffen habe. Er erzählte davon, dass er ein Jobangebot in Deutschland hatte. In dem Song habe ich es dann in Spanien umgewandelt, das passte besser zum Text. Er wollte auszuwandern, aber er hatte schon Heimweh, bevor er überhaupt weg war. Der ist nie gegangen. Einer meiner Freunde meinte dann: 'Oh, der Typ! Der ist in seinem ganzen Leben nicht aus Portsmouth rausgekommen.' Das war die Inspiration für diesen Song. Ich glaube, es gibt viele solche Leute: Niemand nimmt sie wahr, niemand hört je von ihnen, sie gehen nie irgendwo hin. Aber vielleicht sind sie so einfach glücklich. Auf eine bestimmte Art und Weise beneide ich diesen Typ."

Joe Jackson


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