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Definition und Diagnose Was ist MS und wie stellt man es fest?

Multiple Sklerose ist eine entzündliche Erkrankung, die nicht mittels eines einzigen Tests oder einer singulären Symptomatik festgestellt werden kann.

Von: Holger Kiesel

Stand: 08.05.2019

Aufnahme eines lädierten Gehirns aus einem Kernspintomographen | Bild: picture-alliance/dpa

"Das Bild, aus dem sich letztlich die Diagnose der MS ergibt, setzt sich aus verschiedensten Mosaiksteinen zusammen."

Prof. Reinhard Hohlfeld

Was ist MS eigentlich?

Es handelt bei Multipler Sklerose (MS) um eine entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems (ZNS): Gehirn und Rückenmark sind von der Entzündung betroffen. Die peripheren Nerven, etwa in Armen und Beinen, sind jedoch ausgespart.

In Schüben

MS verläuft in der Regel - zumindest am Beginn der Erkrankung - schubweise. Die durchschnittliche Häufigkeit liegt bei etwa einem Schub pro Jahr. Die Betroffenen zeigen bei einem Schub innerhalb von Stunden oder Tagen neurologische Symptome:

  • motorische Ausfallerscheinungen
  • sensorische Probleme
  • Sehstörungen
  • Schwindel

Im fortgeschrittenen Stadium kommen häufige Müdigkeit, Blasenfunktionsstörugen und Konzentrationsprobleme dazu. Ausfallerscheinungen bauen sich meistens über ein paar Stunden oder Tage auf.

Die Symptome verschwinden anfangs oft wieder

Am Anfang einer MS treten oft Sehstörungen auf.

Meist halten die Symptome eines Schubes über einige Wochen an und verschwinden danach - jedenfalls im Anfangsstadium - oft allmählich wieder. Manchmal bleiben von einem Schub aber auch Einschränkungen zurück oder die dadurch entstandenen Beschwerden bleiben komplett erhalten. Ein Charakteristikum für Multiple Sklerose ist, dass (im Unterschied zu anderen neurologischen Erkrankungen) Entzündungsherde an verschiedenen ("multiplen") Stellen des Zentralen Nervensystems auftreten.

Unterstützende Diagnostik

Zur zuverlässigen Diagnose von MS können verschiedene Tests herangezogen werden:

  • Unter anderen kann eine Untersuchung des Nervenwassers (Lumbalpunktion) Aufschluss geben. In der Flüssigkeit finden sich Hinweise auf entzündliche Veränderungen.
  • Ein anderes wichtiges Verfahren zur Sicherung der Diagnose ist die Magnetresonanztomographie (MRT). Im Kernspin können vorhandene Entzündungsherde sichtbar gemacht werden.

Diagnose absichern

Theoretisch könnte die für MS charakteristische Symptomatik auch auf verschiedenste andere neurologische Krankheitsbilder hinweisen. Deshalb sollten mögliche alternative Ursachen für die Beschwerden in der Diagnostik frühzeitig ausgeschlossen werden.

"Im Prinzip wären 50 bis 100 verschiedene Differentialdiagnosen denkbar. Meist ist die Symptomkonstellation, die zu sehen ist, allerdings doch so typisch für MS, dass die Diagnose recht frühzeitig richtig gestellt wird."

Prof. Reinhard Hohlfeld, Neuroimmunologe am Klinikum Großhadern

Formen von Multipler Sklerose

MS tritt hauptsächlich in drei Formen auf:

  • Schubförmige MS
  • Sekundär-progrediente MS (schleichender Verlauf statt Schübe, schubförmige MS geht oft später in diese Form über)
  • Primär-progrediente MS (verläuft von Anfang an schleichend-fortschreitend)

Die Mehrzahl der Betroffenen erkrankt im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. MS kann aber gelegentlich auch deutlich früher (sogar schon im Kindesalter) oder später auftreten. Unter den Betroffenen sind etwa dreimal mehr Frauen als Männer. Die Gründe dafür sind unklar.


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