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Mobbing bei Übergewicht Fast jede(r) wird gehänselt

Erfahrungen mit Hänseleien, aber auch mit handfestem Mobbing, machen fast alle Kinder mit Übergewicht. Sie werden fast doppelt so oft Opfer von Mobbing wie andere Kinder.

Von: Holger Kiesel

Stand: 08.04.2018

Nicht gemobbt, weil unter sich: Kinder mit Übergewicht beim Herumtollen. | Bild: picture-alliance/dpa

Die Bandbreite reicht dabei von massiven Verbalattacken ('Du dicke Sau!'), über herabwürdigende Vergleiche und die Ausgrenzung beim Spielen oder anderen Gruppenaktivitäten bis hin zum Ausgelachtwerden und Erniedrigungen, etwa im Sportunterricht.

Mobbing passiert überall

Interessanterweise legen Beobachtungen nahe, dass Mobbing bei Kindern mit Übergewicht immer ein Thema ist – egal in welchem Alter, welches Geschlecht oder in welcher Gesellschaftsschicht. Was sich ändert, ist lediglich die Form des Mobbings.

Folgen des Mobbings

Welche Gefühle Mobbing bei Kindern mit Übergewicht auslöst, hängt sehr stark vom Typ des Betroffenen ab. Viele reagieren auf solche Erfahrungen sehr traurig und verletzt, andere werden eher aggressiv und gehen manchmal sogar auf ihre Mobber los. Derartige Reaktionen haben dann oft den Nachteil, dass sich die Täter erst recht bestärkt fühlen und eine Art Teufelskreis des Mobbings entsteht.

Richtig mit Mobbing umgehen

Die Frage, was denn nun die 'richtige' Reaktion auf Mobbing ist, ist schwer zu beantworten. Der scheinbar einfachste Weg, aus der Opferrolle herauszukommen, wäre abzunehmen. Aber zum einen nimmt man nicht 'einfach' ab, zum anderen kann bei betroffenen Kindern leicht das Gefühl entstehen: Ich bin selber schuld, wenn ich gemobbt werde! Dieser Eindruck sollte in jedem Fall vermieden werden!

Über Mobbing reden

Deshalb ist es besonders wichtig, dass Kinder mit Übergewicht, die gemobbt werden, sich öffnen und darüber sprechen.

"Da das den Kindern aber oft sehr schwer fällt, ist auch die Aufmerksamkeit und Sensibilität der Erwachsenen gefordert. Man sollte dem Kind immer das Gefühl geben: Ich habe ein Ohr für Dich, Du kannst mit mir reden und ich bin für Dich da!"

Anita Fiebrich, Diplom-Psychologin im CJD Berchtesgaden.

Nicht an die Täter rangehen

Wenn es zu Mobbing kommt, ist es wichtig, nicht direkt an die Täter und ihre Familien heranzutreten. Stattdessen sollte man Hilfe bei den Institutionen suchen, in deren Umfeld das Mobbing passiert ist (z.B. Schule).

Die Rolle der Schule

Es ist wichtig, dass Institutionen wie Schulen eine sehr klare Haltung beim Thema Mobbing einnehmen. Sie sollten sich dem Problem stellen, offensiv in Gespräche gehen und unmissverständlich klar machen, dass solche Anfeindungen unerwünscht sind und auf gar keinen Fall toleriert werden. Der nächste Schritt wäre dann, entsprechende Präventionsprogramme anzubieten.


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