Bayern 2


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Jugendkultur der 60er Jahre Mit den Pee Wees im Tanzkeller – wie Rosenheim von der Beat-Welle erfasst wurde

Ab in den Pee-Wee-Keller! Abtanzen am Sonntagnachmittag. So war das damals in den 1960er Jahren. Die Musik der Bee Gees war angekommen in Rosenheim, live gespielt von den lokalen Coverbands. Katrin Stadler reist zurück in die Swinging Sixties.

Von: Katrin Stadler

Stand: 21.05.2020 | Archiv

Livemusik im Pee-Wee-Keller, zum Tanzen am Sonntagnachmittag. Kaum mehr vorstellbar, wie in das damals war - aber so war es eben, seinerzeit in den 1960er Jahren.

"Natürlich sind die Schlange gestanden, das war viel Betrieb damals. Das war in der Zeit, wo Beatles und Rolling Stones und andere Beat-Kapellen bekannt wurden. Und wir haben die Musik so ein bisschen versucht nachzuspielen. Und deswegen war da auch viel Betrieb. Es war ein richtiger Hype!"

(Walter Louys, Sänger und Gitarrist der 'Pee Wees')

"Da kamen die Fans mit dem Mofa aus Bad Reichenhall, Garmisch, auch im Winter - Wahnsinn! Das war also absoluter Treffpunkt der Jugend."

(Sepp Weinhuber, Bassist der 'Pee Wees')

Während der Dreharbeiten zu "irgendwie und Sowieso".

"Was ich über die Jugend in den 60er Jahren weiß, weiß ich da her: aus der Fernsehserie 'Irgendwie und Sowieso' mit Sir Quickly, Effendi, Sepp und dem Musiker Tango. Und: Ich weiß es aus den Erzählungen meiner Eltern. Die waren schließlich als Jugendliche dabei. Mitte der 60er Jahre in der oberbayerischen Provinz, in Rosenheim. Und was in der Fernsehserie Tango mit seinen Thunderbirds war, waren in Rosenheim die Pee Wees. – Legendäre Zeiten!"

(Katrin Stadler, Autorin)

Beat-Keller galten als verrufene Orte

Beat-Club in den 60er Jahren

Die Musik der Bee Gees war angekommen in Rosenheim, live gecovert von den "Pee Wees" und anderen Bands der Region.

Und so ging es mitten in der braven kleinen Stadt auf einmal so richtig ab - im dunklen, engen Beatkeller. Einem derartig verruchten Ort, dass viele der Eltern gar nicht erfahren durften, dass auch ihr Nachwuchs zu denen gehörte, die hier ihre Zeit verbrachten.

Um 22 Uhr dann war per Durchsage Schluss, zumindest für alle unter 18: der Herr vom Jugendamt übernahm oft persönlich die Kontrolle.

"Alloa des Gfühl, wenn ma da nei gangen ist, dann war da eine Geräuschkulisse. I woaß no, wie des im Magen und im Bauch richtig gewummert hat. Das war ein völlig neues Gefühl, umwerfend, aufregend!"

(Marianne Stadler, ehem. Besucherin des Beatclubs)

"Im Pee-Wee-Keller waren alle Bevölkerungsschichten, alle Arten von Ausbildungen. Alles, was du dir vorstellen kannst. Da hats koan Standesdünkel geben, da haben wir Leut ghabt, die, wie sich herausgestellt hat, stinkreich waren, aus allerbestem Hause. Da hat's keinen Unterschied geben. Die sind bei uns mitgelaufen wie jeder andere. Da war einfach alles, was laufen hat können. Das war erschwinglich und da hast du halt alles getroffen, was du gerne treffen wolltest."

(Bernd 'Schnulli' Wensauer, Bandmanager)

Zeitreise zurück in die Sixties

Katrin Stadler reist zurück in jene Zeit, als ihre Eltern im Pee-Wee-Keller tanzten und der grüne Eintrittsstempel des Kultkellers den Zugang ins Paradies bedeutete.


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