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Reisegeschichten aus Skandinavien Wieso ein Bulli in Island für den richtigen Farbklecks sorgt

Mit seinem Bulli hat Peter Gebhard schon den Polarkreis erforscht, Portugal unsicher gemacht und begibt sich jetzt zum 34. Mal nach Island. Ein Interview über Pannen, Pläne und phantastische Menschen.

Stand: 27.09.2018

1984 war Peter Gebhard das erste Mal auf Island, seine Freunde haben ihn damals für bekloppt gehalten, vor allem weil das Wetter nicht immer so mitspielt. Mittlerweile war Gebhard 34 Mal auf der Insel und hat vier Bücher über seine anhaltende Liebe und Faszination mit Land und Menschen veröffentlicht. Inzwischen hat sich viel verändert: Island ist wesentlich populärer geworden, das merkt man in der Hauptstadt Reykjavík, aber auch auf der Ringstraße, die einzige, die einmal um die ganze Insel führt. Aber als Islandkenner weiß Gebhard: Die schönsten Orte verbergen sich oft nur einige hundert Meter neben den Touri-Highlights und wenn man offen bleibt und sich von seinen Begegnungen leiten lässt, passieren eh die größten Abenteuer.

Das besondere an dieser Reise: Peter Gebhard war mit einem rotweißen VW-Bus unterwegs, einem Original T1 Bulli, der in Filmen immer dann auftaucht wenn es hippiesk werden soll. Der Bulli und Island - für Peter Gebhard eine praktisch unwiderstehliche Kombination. Fünf Monate lang war er unterwegs, 10.000 Kilometer ist er mit ihm durch Island gerollt.

Den Bildband "Bulli - Abenteuer Island. Mit 44 PS über die Insel aus Feuer und Eis" von Peter Gebhard (Frederking & Thaler 2018) können Sie diese Woche in unserem radioReisen-Quiz gewinnen.

Bärbel Wossagk hat mit Peter Gebhard über sein Abenteuer Island gesprochen.

Der Bulli ist ein tolles Foto-Motiv und tolle Fotos sind natürlich das Ziel, wenn am Ende ein Bildband rauskommen soll. War das die Intension?

Ja, der rot-weiße Bulli war mein roter Faden. Island ist so abfotografiert, aber den Bus da so reinzusetzen schafft ein Gefühl der Erhabenheit, da sieht man erst, wie gigantisch das alles ist. Damit habe ich immer wieder gespielt und da war auch der Einsatz von Drohnen eine schöne Sache, um das aus neuen spektakulären Perspektiven zu dokumentieren. Aber der Bulli ist nicht nur ästhetisch toll, sondern immer wieder auch ein Türöffner für viele Begegnungen.

Was für Geschichten haben Sie mit dem Bulli diesmal erlebt?

So ein Bulli ist ja ein Oldtimer, d.h. es sind eine Reihe von Dingen passiert. Nach etwa zehn Tagen ist uns mitten in Westfjorde der Steuerknüppel abgebrochen. Gott sei Dank nicht während der Fahrt, sondern beim Anfahren. Da stehst Du da um 22 Uhr, es ist taghell, mitten in der Pampa. Da fiel mir mein isländischer Bauer ein, der kannte einen Schrauber in der Nähe, so 40 km entfernt und den hab ich dann angerufen. Das war der Pali, der hat sich gleich auf den Weg gemacht, um halb elf war er da, kriecht drunter, hat ein bisschen rumgeschraubt, den dritten Gang reingemacht und sagte wir fahren jetzt gemeinsam zurück, bis zu seiner Werkstatt. Die war natürlich zu, da haben wir erst mal hinter den Altreifen gezeltet. Am nächsten Morgen, pünktlich um acht Uhr, hat er das Tor aufgemacht und den Schaltknüppel wieder angeschweißt.

Kommen wir vom Auto auf die Menschen. Als normaler Tourist schafft man es meist nicht, abgelegene Höfe zu besuchen und dann soviel Zeit zu haben. Wen haben Sie denn schon am längsten gekannt, den Sie wieder besucht haben?

Ich glaube das war Sigur. Sigur lebt am Ende der Welt, oben in den Westfjorden, auf dem letzten bewohnten Gehöft. Vor 30 Jahren gab es da noch 100 Leute, heute lebt er dort mit seiner Familie, Mutter, Frau, zwei Kinder sowie 40 Pferde und etwa 500 Schafe. Darüber hinaus ist er Postbote und führt Reittouren durch. Vor etwa 15 Jahren hab ich mit ihm diese spektakuläre Tour gemacht, durch unbewohntes Land. Am letzten Tag über den Gletscher, mit 16 Pferden. Die haben wir dann nochmal begleitet, diesmal auch mit Drohne. Das war ganz toll. Ganz typisch, war auch wie wir uns getroffen haben: Ich wusste ja nicht, wann wir wo sind, das hängt immer vom Wetter ab und als wir schließlich um 23 Uhr 100 km entfernt waren, dachte ich, ich ruf mal Sigur an. Das macht man in Deutschland nicht. Und er sagte, kein Problem, komm vorbei. Eine Stunde später waren wir da und eine halbe Stunde darauf saßen wir gemeinsam in seinem neuen Pool, einem Naturpool. Das ist Island.

Jetzt sieht man auf den Bildern diese gigantischen Landschaften, ganz oft leer, vulkanschwarz, wenig Pflanzen und Tiere. Aber wenn dann mal ein Tier da ist, dann ist das gleich wahnsinnig wichtig, also diese Schafe zum Beispiel.

Die Schafe waren einmal überlebenswichtig, vor 30 Jahren gab es eine Million Schafe auf Island, inzwischen sind es weniger als die Hälfte. Aber es ist immer noch eine alte Tradition, die Schafe im Herbst von den Bergen hinunterzutreiben. Da helfen häufig die Verwandten und Freunde aus Reykjavík mit.

Und wir waren auch mit dabei. Das war spannend in den farbigen Rhyolithgesteinbergen von Landmannalaugar im Nebel die Schafe zu suchen. Peu à peu kamen immer mehr Schafe zusammen, am Schluss waren 5.000 am Rande des Hekla-Vulkans in einem Pferch versammelt. Das ist ein großes Ereignis Mitte September, immer wieder ganz spannend.

Es ist auch ein Hochzeitsbild in Ihrem Buch, aufgenommen vor dem Berg Kirkjufell.

Der "Kirchberg" war früher völlig unbekannt und ist dann durch die sozialen Netzwerke gegangen und plötzlich wollte da jeder hin. Mittlerweile ist der Berg eine Ikone und es ist schon schräg, dass da Chinesen hinfahren, um dort zu heiraten. Das war vor 10 Jahren unvorstellbar. Da trifft sich das global village, wo sich früher Fuchs und Hase gut Nacht gesagt haben.

Viele haben Island auf ihrer Reiseliste. Haben Sie noch einen Tipp für uns?

Ich bin nach wie vor ein Freund der Westfjorde, weil sie so einen eigenen Charakter hat. Man muss sich etwas mehr Zeit lassen, sie ist etwas ab von der Ringstraße, gerade auch die Region Strandir, das ist im Osten, wunderschöne Küste, treibholzübersät, da steht wirklich die Zeit still und man bekommt ein klassisches Island-Feeling.

Die Beiträge der Sendung

  • Zur Teatime in Stockholm. Wieso man mit der Zimtschnecke viel über die schwedischen Gesellschaft lernt. Von Leonie Thim
  • "So einen T1 gibt es auf Island nicht nochmal" Gespräch mit Peter Gebhard, Autor der Bulli-Abenteuer. Interview von Bärbel Wossagk
  • Vom Stuhl in die Seele. Mit Architekt Arne Jacobsen durch Kopenhagen. Von Felicia Englmann

Die Songs der Sendung

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Moderation: Bärbel Wossagk


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