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Diagnoseverfahren Minimalinvasive Verfahren

Es werden heute verschiedenste minimalinvasive Verfahren auf den unterschiedlichsten Gebieten der Chirurgie angewendet. Eines der ältesten: die Arthroskopie. Man kann allerdings nicht nur den operativen Eingriff selbst minimalinvasiv durchführen. Entsprechende Verfahren können im chirurgischen Bereich auch als diagnostische Hilfsmittel eingesetzt werden. Dies geschieht beispielsweise dann, wenn andere Verfahren (Computer- oder Kernspintomografie) die Diagnose nicht sichern, etwa bei einer 'Bauchwassersucht' unklaren Ursprungs.

Von: Holger Kiesel

Stand: 19.07.2018

Bei der Diagnose der Herzkrankheiten setzt der Kardiologe häufig erfolgreich den Herzkatheter ein, eine minimalinvasive medizinische Untersuchung über die Arm - oder Beinvenen. Die Aufnahme entstand im evangelischen Krankenhaus mit moderner digitaler Technik, hier über die Armvenen bei einer Patientin. | Bild: picture-alliance/dpa

Die verschiedenen minimalinvasiven Operationsverfahren werden im Deutschen mit dem Begriff 'Spiegelung' bezeichnet. Die medizinischen Fachwörter dazu enden in der Regel auf die Silbe '-skopie'. Vorneweg wird dann jeweils die Körperregion genannt, die 'gespiegelt' werden soll, so etwa ein Gelenk (Arthroskopie), der Magen- Darmbereich (Endoskopie), der Bauchraum (Laparoskopie) oder die Brusthöhle (Thorakoskopie).

Die Arthroskopie

Die Arthroskopie wird vor allem von Orthopäden und Unfallchirurgen durchgeführt. Sie ist eines der ältesten minimalinvasiven Verfahren. Seit etwa 40 Jahren verschafft man sich mit dieser Methode über drei kleine Schnitte Zugang etwa zum Knie, um beispielsweise Eingriffe am Meniskus oder dem Kreuzband durchzuführen. Mittlerweile werden jedoch ähnliche Verfahren auch bei etlichen weiteren Gelenken (Hüfte, Schulter, Ellenbogen) angewendet. Selbst an den sehr kleinen Gelenken im Handwurzelbereich kann mit Hilfe von Miniaturinstrumenten arthroskopisch gearbeitet werden.

Die Endoskopie

Die Endoskopie ist ein minimalinvasives Verfahren, um Hohlorgane von innen her zu beurteilen. Hier wird mit Hilfe eines Videoendoskops das Innere des Magens, des Dick- und Enddarms oder auch der Gallenwege genauer betrachtet, um krankhafte Veränderungen zu erkennen.

Laparoskopie und Thorakoskopie

Bei der Laparoskopie wird der Bauchraum 'gespiegelt'. Nach der Einführung des Videoendoskops wird bei diesem Verfahren der Bauchraum mit Kohlendioxid 'aufgeblasen', um Platz für weitere Operationsinstrumente zu schaffen und Übersicht für den Eingriff zu gewinnen. Die analoge Technik im Bereich der Brusthöhle ist die sogenannte Thorakoskopie.

Rücken- und Hüftoperationen

Auch im Rückenbereich kann heute vieles minimalinvasiv operiert werden. Besonders häufig sind minimalinvasive Bandscheiben-Operationen. Hier werden über Schnitte von nur noch zwei bis drei Zentimetern krankhaft veränderte Bandscheiben entfernt und gegebenenfalls auch ein Bandscheibenersatz eingebaut. Ähnliche Methoden werden auch im Bereich des Gelenkersatzes (z.B. Hüftgelenke) angewendet. Bei diesen Verfahren wird jedoch kein Videoendoskop verwendet. Wegen der im Vergleich zu früheren Techniken deutlich kleineren Schnitte mit überlegener Schonung der die Gelenke umgebenden Weichteile, Faszien und Muskeln gelten sie aber dennoch als minimalinvasiv.

Minimalinvasive Krebsoperationen

Ob sich ein Tumor für die Entfernung mit Hilfe eines minimalinvasiven Verfahrens eignet, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Die Ausdehnung des Geschwürs spielt eine entscheidende Rolle, aber auch seine Lage im Körper. Tumoren, die ihren Ursprung von der Leber, dem Magen oder Bauchspeicheldrüse nehmen, sollten, wenn überhaupt, nur von in der minimalinvasiven OP-Technik ausgesprochen erfahrenen Spezialisten operiert werden.

"Es gibt aber auch immer wieder mutige Pioniere unter den Kollegen, die vorhandene Grenzen überschreiten und sich an Eingriffe heranwagen, die man bis dahin als in minimalinvasiver Technik für nicht durchführbar hielt. Zum Beispiel galten bis vor einigen Jahren Krebsoperationen an der Speiseröhre, der Leber oder der Bauchspeicheldrüse in minimalinvasiver Technik als undurchführbar. Auch bei Tumoren im Enddarm, die sehr nah am Schließmuskel liegen, haben gerade wir hier in Augsburg mit der minimalinvasiven OP-Methode entscheidende Fortschritte gemacht."

Prof. Dr. med. Matthias Anthuber


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