Bayern 2


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Der Schriftsteller und der Komponist Michael Ende und Wilfried Hiller - Porträt einer Künstlerfreundschaft

Michael Ende, der Verfasser von "Jim Knopf" und der "Unendlichen Geschichte", arbeitete ab 1978 mit dem Komponisten Wilfried Hiller zusammen. Schon bald entstand dabei zwischen den Künstlern eine außergewöhnliche Freundschaft.

Von: Ulrike Voswinckel

Stand: 26.12.2019 | Archiv

Im Jahr 1978 lernte Michael Ende, der Verfasser von "Jim Knopf", "Momo" und der "Unendlichen Geschichte", in Rom den jungen Komponisten Wilfried Hiller kennen. Bereits am zweiten Tag sagte Ende: "Wir werden bis zu meinem Lebensende zusammenarbeiten." Und genau so kam es.

"Wer das Spiel mit dem Zufall ernst nimmt, kann daraus Kunst gewinnen"

Die erste Begegnung war der Beginn einer sehr produktiven Zusammenarbeit und einer Freundschaft, die sich aus denselben Vorlieben und Sensibilitäten nährte. Die Welt als Zeichensystem, in der Zufälle ernst genommen werden, Telepathie existiert und Zahlen ein geheimnisvolles Eigenleben führen. Wie hätte es auch anders sein können bei einem wie Michael Ende, dessen Kreativität geprägt war von einem magischen Weltbild und Lebensgefühl, und dessen Motto lautete: 'Wer das Spiel mit dem Zufall ernst nimmt, kann daraus Kunst gewinnen'.

Der Goggolori

Bis zum Tod des Schriftstellers am 28. August 1995 schufen die Künstler gemeinsam eine Reihe von Musiktheaterstücken, darunter die bayerische Märchenoper "Der Goggolori" und "Der Rattenfänger. Ein Hamelner Totentanz".

"Tu was du willst, aber tu es mit Liebe"

Wenn die Aufmerksamkeit für Zufälle und Zahlen so bestimmend für den Schaffensprozeß ist, so gibt das auch einen Einblick in das Geheimnis des Schöpferischen und in die Werkstatt des Komponisten. Nach Michael Endes Tod hörten die geheimnisvollen Korrespondenzen zwischen ihm und Wilfried Hiller nicht auf, so schien es dem Komponisten zumindest bei der Vorarbeit zu seiner Kirchenoper 'Augustinus', die 2005 uraufgeführt wurde:

Der Komponist Wilfried Hiller (2001)

"Bei den Studien bin ich dann drauf gekommen, daß Augustinus in der gleichen Nacht geboren ist wie Michael Ende, also vom 12. zum 13. November und gestorben ist er am 28. August (wie Michael) und das ist schon eine merkwürdige Zusammenfügung. Ich weiß nicht, ob er's gewußt hat, aber der zentrale Satz von Augustinus heißt ja: 'Tu was du willst, aber tu es mit Liebe'. Und der zentrale Satz bei Michael in der 'Unendlichen Geschichte' heißt auch: 'Tu was du willst, aber mit Liebe' - das wird bei ihm vorausgesetzt. Ich weiß nicht, ob so was ganz zufällig sein kann. Es liegen ja doch 1.500 Jahre dazwischen. Das sind ganz bestimmte Verbindungen, die mich natürlich interessieren.

Wie ich zum ersten Mal in Griechenland war, war ich so fasziniert von dem Sternenhimmel, der einem geradezu auf den Kopf fällt, es war einfach grandios, und dann hab ich mich ganz intensiv mit den Sternbildern beschäftigt, und da bin ich drauf gekommen, dass es 88 Sternbilder gibt und dass das Klavier ja 88 Tasten hat, und da hab ich gesagt, da machst du was draus, und begann dann einen Zyklus zu schreiben. Da bin ich jetzt so im letzten Viertel.

88 Stücke für ein, zwei, drei oder vier Klaviere, wo jedem Sternbild ein ganz besonderer Ton zugeordnet ist, und dem Einhorn ist eben der Ton 'e' für Michael Ende zugeordnet."

(Wilfried Hiller)


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