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Primamuslima Merve Kayikci bloggt gegen Klischees

Unter dem Namen "Primamuslima" will Merve Kayikci mit bestehenden Klischees über Muslime aufräumen. Jetzt hat sie einen Podcast-Wettbewerb gewonnen. Im Interview erzählt sie, worum es in ihrem Podcast gehen wird und warum sie momentan ganz froh ist, nicht in Deutschland zu wohnen.

Von: Elena Merschhemke

Stand: 14.05.2019

Merve Kayikci | Bild: Lisa Wazulin

Mit Texten über den Umgang mit dem Islam oder zu Gewalt gegen Frauen füllt Merve Kayikci ihren Blog "Primamuslima". Das Logo ist eine Zitrone. Der Grund: "Zitronen sind frisch, spritzig, sauer, exotisch & gehören trotzdem hier her!", sagt die 23-Jährige aus Stuttgart. Merve Kayikci möchte nicht darauf reduziert werden, eine Muslima zu sein, gleichzeitig ist der Islam aber ein wichtiger Teil ihres Lebens.

"Ich möchte, dass die Leute mich auch damit akzeptieren und nicht sagen ‚Wir mögen dich trotzdem', sondern ‚Wir mögen dich so wie du bist'."

Merve Kayikci im Tagesticket

Nicht nur auf ihrem Blog, sondern auch auf Twitter hält die "Primamuslima“ ihre fast 5000 Follower mit kurzen politischen Statements auf dem Laufenden. Ihr Ziel: weniger Schubladendenken. "So lange ich meinen Mund nicht aufmache, bin ich für viele Menschen, die mich in der Straßenbahn oder beim Einkaufen sehen immer noch eine potentielle Putzfrau, wahrscheinlich Mutter von vier Kindern, die kein Deutsch spricht, lecker kochen kann, von ihrem Mann geschlagen wird, Angst vor Hunden hat und Antisemitismus und Erdogan super findet." Das sagte Merve Kayikci in einem Online-Interview. Immer noch spüre sie, als muslimische Frau mit Kopftuch, einen alltäglichen Rassismus in Deutschland.

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Mervy Kay 16.01.2017 | 08:19 Uhr S-Bahn ist ausgefallen, dann kommt noch ne Frau und beschimpft mich als Bombenlegerin. Sieben fremde Leute stehen auf und verteidigen mich!

Ein Podcast, der neue Fragen stellen will

Merve Kayikci erhält den Podcast-Preis „Originals gesucht” auf der re:publica

"Hör mal Muslimen zu", so beschreibt Merve Kayikci ihre neue Podcast-Idee. Bei dem Wettbewerb "Originals gesucht" von Deezer und der re:publica Berlin hat sie mit ihrem Projekt "Maschallah" den ersten Platz erreicht. In ihrem Podcast möchte Merve Kayikci, zusammen mit einer Kollegin, die Sicht über Muslime ändern. Dabei ist es ihr wichtig, dass die Gäste wirklich über das sprechen können, was sie interessiert. "Wenn ich mit jemandem rede, der Kopftuch trägt, will ich mit ihr nicht übers Kopftuch reden, sondern würde mit ihr darüber reden, ob sie es zum Beispiel okay findet, als Muslim schwul zu sein." Merve Kayikci will neue Fragen stellen und "zeigen, dass die Menschen außerhalb von den Klischees, in die sie gesteckt werden, einfach auch noch ganze Menschen sind und dass da einfach noch viel, viel mehr dahintersteckt."

Momentan macht Merve Kayikci ein Erasmus-Semester in Dänemark. Auf ihre Heimat blickt sie mit gemischten Gefühlen.

"Mir ist aufgefallen, dass es mir total viel bringt, nicht in Deutschland zu wohnen. In Deutschland ist das so, dass ich im Internet, im Beruf von meinen Kollegen, von Leuten, die mich einladen, total toll behandelt werde, wie ein ganz besonderer Mensch. Auf der Straße, wo keiner weiß, wer ich bin, da gibt es trotzdem Leute, die mich in der S-Bahn oder in der Bäckerei komisch angucken oder komische Sachen sagen, mich nicht bedienen wollen."

Merve Kayici im Tagesticket

In Dänemark ist ihr so etwas noch nie passiert. In anderen Ländern, wird sie als "richtige Ausländerin" anders behandelt. Dort wird Merve Kayikci als Deutsche vorgestellt und dabei hat sie ein gutes Gefühl. Hier ist sie immer noch diese "quasi-irgendwie-komische Migrationshintergrund-Ausländerin in Deutschland, was ich einfach nicht bin."

Das ganze Interview mit Merve Kayikci können Sie hier anhören:


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