Bayern 2


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Königliche Wanderung Von Lindau ins Hintersteiner Tal

Land und Leute kennenzulernen – das war das Ziel von König Max II., und so unternahm er 1858, also vor 160 Jahren, eine sechswöchige Fußreise vom Bodensee bis zum Königssee. Heute ist diese historische Route als "Maximiliansweg" bekannt.

Stand: 23.06.2018

Unterwegs hat der König mit seinen acht Begleitern viel Kurioses erlebt: vom Weidefrevel im Bregenzer Wald über eine Weinprobe am Grünten und eine Hoftafel im Kuhstall am Plumsjoch bis zum Champagnerfrühstück auf dem Wendelstein. Mit König Max II. saß ein Mann auf dem bayerischen Königsthron, der lieber Gelehrter als Monarch geworden wäre, ein Bücherwurm und Bohemién, der auch gern ins einfache Volksleben eintauchen wollte. Weil das beim Wandern am besten geht, marschierte er mit acht Gefolgsleuten am 24. Juni 1858 in Lindau los. Die ersten Etappen führen den königlichen Wandertross vom Bodensee durch den Bregenzerwald bis ins Oberallgäu.

"Wandern heißt auf eigenen Füßen gehen, um mit eigenen Augen zu sehen, mit eigenen Ohren zu hören."

Wilhelm Heinrich von Riehl, Begründer der deutschen Volkskunde

Von Lindau setzt er mit seinen Begleitern nach Bregenz über. Dann geht es mit 14 alpintauglichen Norwegerpferden auf den 1100 Meter hohen Lorena-Pass, den Übergang in den Bregenzerwald und zugleich ein großartiger Aussichtspunkt auf Winterstaude, Niedere und Kanisfluh sowie im Osten bis zum Hochvogel in den Allgäuer Alpen und im Westen bis zum Säntis.

Geschindelte Häuser im Wälderbarock

Vom Lorena-Pass führt heute ein gut markierter Wanderweg hinab nach Schwarzenberg. Damals riss man die Weidezäune nieder, um sich einen reit- und wanderbaren Weg zu bahnen - und dieser Alpfrevel kam den König teuer zu stehen. Übernachtet wurde in Schwarzenberg, einem idyllischen Dörfchen mit bunten Bauerngärten und geschindelten Häusern im Wälderbarock. König Max interessiert sich auch für die Bregenzerwäldertracht mit ihren prachtvollen Kopfbedeckungen aus Otterfell, die damals so viel gekostet haben wie eine Kuh und heute im Schwarzenberger Heimatmuseum zu bewundern sind.

Imposante Gottesackerwände

Über Sibratsgfäll, vorbei an den imposanten Gottesackerwänden und durch das Balderschwanger Tal führt die Wanderung nach Oberstdorf bis zu den Adlerhorsten im Oytal und zurück nach Sonthofen. Das Wetter ist ganz und gar nicht königlich. Sintflutartige Regenfälle durchnässen den Tross. Dennoch besteigt König Max den „Wächter des Allgäus“, den über 1700 Meter hohen Grünten. Zuvor wird ihm der Grüntenwein kredenzt, ein Silvaner, der am Südabhang des Grünten auf dem Burgberger Weinberg angebaut wurde und wohl eher eine Sauertraube war als ein Hochgenuss.

Grüntenhaus

Obwohl ihm der „Burgberger Silvaner“ ordentlich zu Kopf steigt, erreicht der König aus eigener Kraft das Grüntenhaus – damals ein brandneues Berghotel, das von Carl Hirnbein erbaut worden war, dem „Notwender des Allgäus“, dem der Übergang vom Flachsanbau zur Milchwirtschaft zu verdanken ist. Hirnbein hatte sogar extra Maulesel aus Savoyen gekauft, damit die „Freunde einer erhebenden Alpennatur“ bequemer zum Grüntenhaus gelangen konnten..

Jagdhaus von Prinz Luitpold

Am nächsten Tag geht König Max auf Jagd im wildromantischen Ostrachtal, und er ist die Attraktion für die Menschen in Hinterstein. Stützpunkt für den königlichen Wandertross ist das nagelneue Jagdhaus von Prinz Luitpold „auf dem Buck“, wie der Platz heißt. Noch heute ist der lauschige Platz mit Wasserfällen ein beliebtes Wanderziel, und Unerschrockene können im eiskalten „Prinzengumpen“ ein Bad nehmen.


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