Bayern 2


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Max Zillibiller Ein roter Rebell wird schwarz

Der CSU-Landtagsabgeordnete Max Zillibiller (1896-1970), Vorsitzender des Bayerischen Rundfunkrates, war in seiner Jugend ein echter Rebell. Er saß wegen kommunistischer Umtriebe in Festungshaft und lebte später in einer Landkommune.

Von: Justina Schreiber

Stand: 01.05.2019

In München ist Revolution! Eine Gruppe kommunistisch gesinnter Studenten will die Universität vom Muff befreien - allen voran der 22-jährige Max Zillibiller. Der Sohn eines wohlhabenden Kommerzienrates fordert, die Hochschule auch für "befähigte Proletarier und Bauern" zu öffnen und den Studierenden mehr Mitspracherecht zu geben.

"Zilli" – wie ihn seine Freunde nennen – ist damals gerade aus Jena zurückgekehrt.

"Beim Einmarsch nach München war ich bitter enttäuscht, nicht einmal auf eine Postierung der Roten Armee zu stoßen!"

(Max Zillibiller)

Max Zillibiller (1920er Jahre)

Zilli kommt vom ersten Kongress sozialistischer Studentengruppen Deutschlands und Österreichs. Dort hatte er viel Applaus erhalten. Denn Zilli gehört zu der Gruppe revolutionärer Studenten, die am 7. April 1919 die Münchner Uni besetzt haben. Die Berichte der anderen Delegationen zeigten ihm ...

"Dass keine Gruppe nur annähernd so tüchtig war wie unsere Münchner."

(Max Zillibiller)

Zillibiller gründet in den 20er Jahren eine Landkommune in Rachertsfelden

Die Landkommune Rachertsfelden ca. 1920. (2.v.l.) Max Zillibiller, (1.v.l.) Olli Riedel, seine zukünftige Frau

Nach der Niederschlagung der Räterepublik landen die jungen Revoluzzer im Gefängnis. Später gründet Max Zillibiller eine höchst innovative Land-WG im oberbayerischen Rachertsfelden. Doch auch dieses zukunftsweisende Projekt scheitert.

Zillibillers Sohn Karl ist sich sicher, das sein Vater damals in Rachertsfelden im Landkreis Traunstein, zwischen Misthaufen und Strohbett einen Gesinnungswandel durchmachte. Die Landkommune war wohl doch nicht ganz seine Welt.

Erst als Max Zillibiller in Hindelang die Käsefabrik des Vaters übernimmt, kommt sein Leben in ruhigere Bahnen.

Zilli und Olli heiraten 1924 und ziehen nach Hindelang. Hier sorgt der Alleinerbe des väterlichen Käsebetriebes 20 Jahre lang bürgerlich-brav für seine Familie mit den fünf Kindern.

Doch als sich dann in den 1940er Jahren einheimische Nazigegner zusammentaten, war der alte Zilli wieder zur Stelle. Selbstverständlich konnte die Gruppe in seinem Herrenzimmer zusammenkommen, um Feindsender zu hören und Sabotageakte an der Jochpass-Straße zu planen.

Vom Kommunarden zum CSU-Abgeordneten

Es dauert eine Weile, bis sich Zillibiller wieder politisch engagiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als dann die französischen Besatzer für das Bürgermeisteramt in Hindelang einen politisch unbelasteten Mann suchten, war schnell klar: der Mann hieß Max Zillibiller. Später wird er sogar Landtagsabgeordneter. Aber nun steht er nicht mehr links außen, sondern ist ein hoch angesehenes Mitglied der neugegründeten CSU.


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