Bayern 2


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Nicht nur Jubel in Matera Europas Kulturhauptstadt 2019 in Süditalien

Matera, la Città dei Sassi, "Stadt der Felsen" wird sie in Italien genannt. Wenig bekannt, in Süditalien, in der Basilikata gelegen, aber: UNESCO Welterbe und 2019 Europäische Kulturhauptstadt. Ein Ort, den heute schon rund eine halbe Million Menschen besuchen, im nächsten Jahr sollen es doppelt so viele werden. Dabei wurde Matera vor etwa 70 Jahren als die nationale Schande Italiens bezeichnet.

Von: Johannes Marchl

Stand: 05.07.2018

Der Grund: In den Felsen, den Sassi, lebten 15.000 Menschen in Höhlenwohnungen. Allerdings in grauenhaften hygienischen Verhältnissen, ohne fließendes Wasser und oft mit Ziege und Esel in einem Raum.

Im Gespräch mit Paolo Verri, Chef der Kulturhauptstadt-Bewerbung

Der Schriftsteller Carlo Levi hatte die arme Bergregion 1945 in seinem autobiografischen Bericht "Christus kam nur bis Eboli" eindrücklich beschrieben. In den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts beschloss der italienische Staat diese Menschen umzusiedeln, erst Jahrzehnte später wurden die Sassi wiederentdeckt und zum Weltkulturerbe – und wegen ihrer archaischen Schönheit zum Besuchermagneten. Und jetzt europäische Kulturhauptstadt. Die Vertreter der Fondazione Matera Basilicata 2019 haben große Pläne:

"Wir nennen die Besucher 'Bürger auf Zeit'. Wir wollen sie einladen, länger bei uns zu bleiben, einen Dialog anzufangen mit den normalen Leuten in Matera. Wir glauben, es beginnt gerade eine neue Phase des Lebens in der Stadt."

Paolo Verri, Generaldirektor der Fondazione

Für den Ansturm von 800.000 Touristen gewappnet?

Doch wie geht das zusammen? Auf der einen Seite die Kulturhauptstadt-Leute, die mit ihrem modernen Kulturbegriff auch den Tourismus revolutionieren wollen, auf der anderen Seite die alteingesessenen Materaner, denen es um ihre ganz normalen Bedürfnisse geht sowie um ungelöste Probleme. Zum Beispiel, dass es jetzt schon zu wenig Parkplätze gibt in der von Schluchten durchzogenen malerischen Stadt. Johannes Marchl hat sich in dieses Spannungsfeld begeben für eine Momentaufnahme, sechs Monate vor dem Startschuss zum Kulturhauptstadtjahr.


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