Bayern 2


7

Mary Quant zum 85. Geburtstag Der Minirock - ein Rock wie ein Auto

Ordentlich, adrett, sittsam - so sollten sich Frauen früher kleiden. Dann kam in den Sechzigern der Minirock, erfunden von Mary Quant, und sorgte für Furore. Die Modehistorikerin Elisabeth Hackspiel-Mikosch erklärt, warum der Rock heißt, wie er heißt.

Von: Stefan Kreutzer

Stand: 11.02.2019

Wer an die Swinging Sixties denkt, der hat ziemlich schnell einen Beatles-Song im Ohr und vielleicht auch Frauen in Miniröcken vor Augen. Erfunden hat den kurzen Rock Mary Quant. Die englische Designerin feiert am 11. Februar 2019 ihren 85. Geburtstag.

Wofür stand der Minirock am Anfang? Nur für Provokation?

Elisabeth Hackspiel-Mikosch, Professorin für Modetheorie, Hochschule Fresenius: Ich weiß gar nicht, ob Mary Quant selbst das als provokant empfunden hat. Sie richtete sich einfach nach ihren Kundinnen. Sie sagte sogar, dass ihre Kundinnen wünschten, dass die Röcke immer kürzer würden. Sie hatte die ersten kurzen Kleider schon 1959/60 auf den Laufsteg gebracht. Es war ein jugendliches Gefühl, was dahintersteckte, denn man darf nicht vergessen: Wir hatten ja einen demografischen Wandel in den 60er Jahren. Ein Beispiel: 1967 haben die 15- bis 19-jährigen 60 Prozent der Modeartikel gekauft. Mary Quandt wollte dieses jugendliche Lebensgefühl zum Ausdruck bringen. Sie hat den Minirock Minirock genannt, weil sie fand, dass der Mini, also das Auto, genauso optimistisch, ausgelassen, sexy und jugendlich ist wie ihre Mode.

Wenn die Erfinderin selbst den Minirock nicht als provokant empfunden hat, so haben es doch viele Menschen damals als provokant empfunden.

Elisabeth Hackspiel-Mikosch: Ja, das stimmt. Gesellschaftlich war das schon ein Thema. Interessant ist zum Beispiel, dass das von der Kirche bis zuletzt sehr kritisiert wurde. Ich erinnere mich an eine Freundin, die auf ein erzbischöfliches Mädchengymnasium ging. Als wir alle Miniröcke trugen, durfte sie das nicht. Sie durfte keine Hosen, keine Miniröcke und keine T-Shirts tragen und zog sich dann nach der Schule auf der Toilette um. Der Minirock war schon ein provokantes Modeteil, weil es eben so offen sexy war. In der Vergangenheit sollten Frauen sich ja ordentlich, adrett kleiden und sittsam - was der Minirock zum Ausdruck brachte, war natürlich ein ganz anderes Lebensgefühl.

Hatten Frauen damals einen schlechten Ruf weg, wenn sie diesen Minirock trugen?

Elisabeth Hackspiel-Mikosch: Ja, es wurde hinter ihnen her gepfiffen, sie wurden als leichte Mädchen angesehen. Aber es war eben auch ein neues Lebensgefühl. Man muss bedenken, 1961 kam ja die Pille auf den deutschen Markt. Auf einmal konnten Frauen selber über ihren Körper bestimmen und entscheiden, ob sie schwanger werden oder nicht. Und das hatte eine gewisse Befreiung bei den jungen Frauen hervorgerufen. Damals wollten Frauen eben anders als die ältere Generation gekleidet sein und das mit ihrer Kleidung auch zeigen.

Würden Sie denn sagen, dass die Gesellschaft da mittlerweile toleranter geworden ist, indem Frauen tragen dürfen, was sie wollen?

Elisabeth Hackspiel-Mikosch: Ja, ich glaube, diesen Generationskonflikt, der damals in den 60er Jahren war, diese Abgrenzung der Jungen von den Alten, gibt es heute nicht mehr so stark. Wenn man sich die Modebranche anschaut: Kleider für die ältere Generation, die anders sind als die der jungen Generation - das löst sich allmählich auf.

Was provoziert heute in Ihren Augen?

Elisabeth Hackspiel-Mikosch: Heute provoziert tatsächlich die Verschleierung der Frau am meisten. Ich glaube, dass das viele Menschen herausfordert, und Frauen, die eben verschleiert auf der Straße unterwegs sind, berichten immer wieder darüber, wie sehr sie angegriffen werden.


7