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Marokko Im Land des Luxus-Öls: Wo die Arganbäume wachsen

Der Arganbaum - in Marokko schätzen sie ihn, weil sich aus seinen Früchten das wertvolle Arganöl gewinnen lässt. Die weltweite Nachfrage ist enorm. Arganöl wird als Speiseöl und für Kosmetik verwendet. Unter welchen Umständen wird es hergestellt? Ein Besuch.

Von: Marc Dugge, ARD-Studio Rabat

Stand: 25.07.2019

Arganbäume wachsen nur im Südwesten Marokkos. Mit Stacheln schützt der Baum seine Früchte. Sie sind nicht nur bei Ziegen begehrt, die mit Geschick auf die Bäume klettern, um sie zu essen. Auch Menschen schätzen die Früchte, um daraus das wertvolle Arganöl zu gewinnen.

Wenn Ulysses Müller anfängt, über den Arganbaum zu sprechen, beginnen seine Augen zu leuchten. Der knorrige, windschräge, stachelige Baum hat es ihm angetan.

"Den gab es bereits im Tertiär, also zu Dinosauriers Zeiten! Der Dinosaurier ist weggestorben, der Arganbaum hat überlebt. Das zeigt, wie unheimlich stark der Baum sein muss. Wer Arganöl herstellen will, muss nach Marokko kommen!"

Ulysses Müller, Arganölunternehmer in Marokko

Und genau das hat der Schweizer vor dreizehn Jahren gemacht. Vorher hatte er in einer Werbeagentur gearbeitet. Doch dann lernte er eine Marokkanerin kennen – und das berühmte Öl. Er fasste sich ein Herz und gründete das Arganölunternehmen Zit Sidi Yassine.

Vielfältige Arganbäume

Arganöl-Herstellung: die unbehandelten Früchte

Arganöl ist ein Modeprodukt – auch wenn die Menschen der Gegend es schon seit Jahrhunderten kennen. Sie nutzen die Mandeln fürs Öl, die Schalen und das Fruchtfleisch für das Vieh – und das Holz zum Heizen.

Doch Dürreperioden, Überweidung und Abholzung zehren an den Ressourcen. Dabei sind Arganbäume so wichtig für die Gegend. Sie sind ein wirksamer Erosionsschutz und verhindern, dass sich die Wüste ausbreitet. 

Auch deswegen gründete Marokko vor gut 20 Jahren ein Biosphärenreservat für die Bäume: Es gilt für Arganbäume auf eine Fläche von 2,5 Millionen Hektar.

Mustafa Naggar ist einer der Vorkämpfer für die Sache. Der Rentner arbeitete bis vor kurzem im marokkanischen Forstministerium.

"Man muss einen Ausgleich der Interessen finden. Sie müssen dafür sorgen, dass das Ökosystem langfristig geschützt wird. Ein Arganbaum kann bis zu 400 Jahren alt werden. Wenn Sie einen Baum heute pflanzen, wird er erst in 15, 20 Jahren zwei Meter groß sein. Sie brauchen also Zeit. Aber dann ist da auch die Bevölkerung, die ihre Bedürfnisse hat. Die müssen Sie mit den Interessen am Erhalt des Ökosystems in Einklang bringen."

Mustafa Naggar, Forstministerium

Besuch bei den Frauen einer Arganöl-Kooperative

Reporterbesuch bei der Argan-Kooperative Marjana

Ein Mittel dazu sind die Arganöl-Kooperativen. Sie sollen nicht nur das Bewusstsein um den Schatz der Arganbäume stärken, sondern den Menschen der Region helfen, Geld zu verdienen. Das gilt besonders für die Frauen.

Jmiaa sitzt auf dem Boden der Arganöl-Kooperative Marjana in der Nähe von Essaouira. Sie hält einen geschliffenen Stein in der Hand, mit dem sie die Argannüsse aufspaltet. In der Nuss befinden sich die Mandeln, aus denen die Frauen hier später Arganöl gewinnen.

"Es ist eine leichte Arbeit, vorher gab es hier ja nichts. Die Menschen waren zu Hause, sie haben sich um ihr Vieh gekümmert. Heute mit den Kooperativen ist es besser. Die Menschen können ein bisschen Geld verdienen. Zum Beispiel, um ihren Kindern zu helfen, wenn die es nötig haben."

Jmiaa, Arganöl-Kooperative Marjana

Ganz so leicht ist die Arbeit allerdings nicht – vor allem nicht für die Frauen, die mit einer Drehmühle aus Stein das Öl aus den Mandeln pressen. Immerhin 150 bis 200 Euro können die Frauen hier pro Monat verdienen. In dieser Gegend ist das nicht wenig.

Unterschiedliche hygienische Standards

Für Ulysses Müller ist das Treiben in den Kooperativen allerdings vor allem ein Schauspiel für Touristen.

"Wenn man die Frauen sieht, die das Öl aus einem Stein pressen – das ist in vielerlei Hinsicht problematisch. Wenn man es mit Speiseöl zu tun hat, kann es leicht ein hygienisches Problem sein. Aber auch bei Kosmetik: Da wird vielfach Wasser dazugegeben. Aber dieses Öl hat dann niemals eine anständige Haltbarkeit."

Ulysses Müller

Amina Bouna von der Kooperative Marjana beschwört, dass ihre Frauen kein Wasser beimischen – und alles nach besten hygienischen Standards geschieht.

Großes Sortiment: Arganöl aus Marokko.

Wahr ist aber auch: Die großen Kosmetikkonzerne legen Wert auf Zertifikate und Industrienormen. Ulysses Müller kann sie garantieren, dank der teuren Ölpressen und Filtersysteme aus Stahl, die in seinem Labor stehen. Seine Arganölfabrik wirkt wie ein klinisch reines High-Tech-Labor.

Die Kooperative dagegen erinnert eher an eine mittelalterliche Hufschmiede. Aber wer will schon Maschinen aus Stahl, Reagenzgläser und weiße Kittel auf seinen Urlaubsfotos aus Marokko?

 


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