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MakerSpace Die Werkstatt des 21. Jahrhunderts

Früher gehörte zu jedem Haus eine Werkstatt. Dann sah es so aus, als hätte das Internet die Werkstätten abgeschafft. Doch es sind neue Werkstätten entstanden. Sie heißen nun MakerSpaces. Ein Besuch in einem MakerSpace in Erlangen.

Von: Matthias Rüd

Stand: 07.06.2019 | Archiv

Thomas hat ein besonderes Hobby. Sein Elektrotechnik-Technik-Studium kann seine Technik-Begeisterung anscheinend nicht vollends befriedigen und so sitzt der 22-Jährige nun, nach den Vorlesungen, hochkonzentriert an einem großen Mikroskop - im FabLab, dem MakerSpace der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen.

"Ich bin gerade dabei Platinen zu fertigen. Platinen, die dafür gedacht sind, dass sie Feuchtigkeit im Boden messen können."

Thomas, Student

Dank des Spezial-Mikroskops kann er winzig kleine Metallteile auf eine längliche dunkelgrüne Platine löten. Ohne die Ausrüstung des FabLabs wäre das kaum mehr möglich.

Hammer, Sägen, Schraubenzieher – und 3D-Drucker und Lasercutter

Die Gemeinschaftswerkstatt auf dem Erlanger Unigelände sieht aus, als hätten sich die Gründer anfangs nicht entscheiden können: High-Tech-Labor oder Werkstatt. An der einen Wand stehen klassische Werkbänke mit mehreren Reihen an Werkzeugen darüber: Hammer, Sägen, Schraubenzieher. Daneben hochmoderne Fräsen, aber auch Säurebäder für Platinen. Um die Ecke rattern einige 3D-Drucker.

Student Niko entwirft am Computer das Teil, das gleich am Drucker entstehen soll. Er braucht Ersatzteile für sein Fahrrad und ist das erste Mal in einem MakerSpace. Werkstätten kennt Niko sonst nur aus seiner Kindheit.

"Ich habe bei meinem Opa mal ein bisschen auf Holz herumgeklopft. Nun war ich auf der Suche nach 3D-Druckern. Und versuche mich nun damit."

Niko, Student

In unzähligen Durchgängen saust der Druckkopf des 3D-Druckers über eine Glasplatte und lässt langsam die Skulptur aus Plastik entstehen, die Niko am PC entworfen hat.

"Das ist cool, vor allem, dass man einfach vorbeikommen kann und es ausprobieren kann. Auch so ein komisches Lenkrad und das für vergleichsweise wenige Kosten."

Niko, Student

Zwei kleine Räume, viele Möglichkeiten

Das Erlanger FabLab bietet in nur zwei kleinen Räumen viele Möglichkeiten. Zwischen den teuren High-Tech-Maschinen und den klassischen Werkbänken sind bis unter die Decke Boxen gestapelt – mit Schrauben, Kabeln, Holz, Plastik und vielem anderen Zubehör.

"MakerSpace ist ein Raum, in dem Maschinen und Gewerkschaften zur Verfügung stehen, die man sich als normaler Mensch sonst nicht leisten kann und die man hier eben gemeinsam finanziert nutzen kann. Und natürlich auch untereinander austauschen kann, das sind die Eigenschaften eines MakerSpace."

Markus Walter, Betreuer im MakerSpace

Betreuer helfen Neulingen - ehrenamtlich

Markus Walter kümmert sich mit 30 weiteren erfahrenen Kollegen darum, dass hier selbst unerfahrene Besucher an den Maschinen zurechtkommen. Alle Betreuer arbeiten ehrenamtlich. Gerade in der heutigen Konsum- und Wegwerfgesellschaft erfüllen Orte wie dieser und die Maker-Szene für Markus Walter eine wichtige Funktion.

"Einer der Hauptgedanken ist, Sachen zu reparieren. Ich muss das Handy nicht wegschmeißen, sondern ich kann die Batterie selber tauschen und dann geht es nochmal zwei Jahre."

Markus Walter, Betreuer im MakerSpace

Die MakerSpaces sind untereinander gut vernetzt, im Internet lassen sich leicht die Standorte googeln. Mittlerweile geht die Szene aber auch einen anderen Weg, sie lotst nicht mehr nur Interessierte zu den Werkstätten, sondern bringt die Werkstätten auch direkt zur Kundschaft – mit sogenannten Pop-Up-Spaces.

Pop-Up-MakerSpace – eine digitale Experimentierwerkstatt

Anne Reimann, die Leiterin des städtischen Kulturamts, steht in der Erlanger Altstadt vor einem leeren Laden. Hier soll bald für wenige Wochen der Pop-Up-MakerSpace „ExTeppich“ eröffnen. "Komm auf einen Kaffee, bleib für ein Projekt" steht im Flyer von Ex-Teppich.

"Ex-Teppich bezeichnet einen Ort, in dem ein Teppichladen drin war. Jetzt ist noch das Figurentheater drin, aber wenn die raus sind, dann gehen wir rein mit einer digitalen Experimentierwerkstatt. Der Benefit: Die Stadt wird wiederbelebt. Grundsätzlich gibt es die Werkzeuge, die man kennt, die 3D-Drucker und Lasercutter und so weiter – das ist digitale Bildung. Aber wir werden auch Methoden und Architekturspiele haben, zum Beispiel zum Thema wie stellt ihr euch eure Stadt vor. Wir werden auch E-Roller ausleihen, aber es gibt auch ganz analoge Dinge, etwa wie extrahiere ich meine eigene DNA, das wird dort mit den Händen gemacht."

Anne Reimann, Leiterin des Erlanger Kulturamts 

Zurück im Erlanger MakerSpace. Ein Besucher hat ein ganz schlichtes Problem: Sein Fahrradlenker wackelt. Student Thomas legt seine Platinen für einen Moment zur Seite und hilft. Mit ein paar Handgriffen und dem richtigen Schraubenzieher ist der Lenker seines Fahrrads wieder fest.

Klassisches Handwerk, selbst gemacht

MakerSpaces wie der in Erlangen verbinden klassisches Handwerken mit DIY – der weltweit agierenden Do it Yourself-Bewegung: Altes erhalten und Neues erschaffen. Die Möglichkeiten sind dabei immens – was der eine MakerSpace nicht hat, hat vielleicht der nächste, so Betreuer Rene Zahn.

"Grenzen gibt’s bei uns eigentlich nur drei: Das eine sind Sicherheitsvorschriften, dann der Platz und die Grenzen der Physik. Was man machen will, können wir bestimmt möglich machen – sozusagen vom Vogelhäuschen bauen bis hin zum selbstfahrenden Roboter."

Rene Zahn, Betreuer im MakerSpace Erlangen


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