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Madonna auf Reisen Wie die Freisinger Ikone nach Venedig kam

Das Freisinger Diözesanmuseum stellte Ende 2018 die Ikone der betenden Madonna in der Markusbiblitothek von Venedig aus. Sie kam einst im Gepäck eines byzantinischen Herrschers nach Europa - die Reisen haben Mensch und Bild bewegt.

Von: Carola Zinner

Stand: 19.04.2019

Der Kaiser kam beladen mit Geschenken. Er wollte ja schließlich auch etwas bekommen von seinen Gastgebern. Als Manuel II., Herrscher des oströmischen Reiches, im Jahr 1400 nach Venedig reiste, suchte er nach Bundesgenossen. Denn Byzanz war im Not. Es steckte in einem verzweifelten – und letztlich vergeblichen – Kampf gegen die Türken. Manuel brachte nun als Gastgeschenk unter anderem eine kostbare Ikone mit der betenden Madonna mit, getreu dem Porträt, das der Heilige Lukas persönlich von ihr angefertigt hatte, wie es in der Legende hieß ...

Die Ankunft von Manuel II. in Venedig war ein pompöses Ereignis

Münzbildnis des Kaisers Manuel II. von Byzanz (1391–-1425)

"Dieser Kaiser pflegt stets in langen Gewändern, einheitlich in ihrer weißen Farbe, mit seinen Leuten umherzuschreiten. Weder ihre Häupter noch die Bärte hat je ein Rasiermesser berührt."

Man konnte ihn und sein Gefolge einfach nicht übersehen. Die Ankunft von Manuel II. in Venedig im Frühling des Jahres 1400 muss ein gigantisches Ereignis gewesen sein. Der Doge persönlich fuhr dem Herrscher von Byzanz in der Lagune auf dem Bucentaur entgegen, der prächtigen Staatsgaleere. Die Stadt empfing den Kaiser des oströmischen Reiches mit allem Pomp und ehrte ihn, der in einem der schönsten Palazzi am Canal Grande logierte, mit einem Fest für die stattliche Summe von rund 200 Golddukaten.

Die "Hoffnung der Hoffnungslosen"

Später gelangte das Porträt der Madonna auf verschlungenen Wegen nach Freising, wo die "Hoffnung der Hoffnungslosen", wie sein Beiname lautet, heute zu den wertvollsten Schätzen des Diözesanmuseums gehört.

"He elpis ton apelpismenon heißt es hier, die 'Hoffnung der Hoffnungslosen'. Und das hängt wahrscheinlich mit diesem Kaiser zusammen, der die Ikone aus Byzanz mitgebracht hat als letzte Hoffnung im Kampf gegen die Osmanen. Also es war sozusagen seine Hoffnung der Hoffnungslosen."

(Dr. Carmen Roll, Diözesanmuseum Freising)

Kaiser Manuels Reise war nicht von Erfolg gekrönt

Bayezid I., Sultan des Osmansischen Reiches (1389–-1402)

Trotz aller Geschenke war kein europäischer Fürst dazu bereit, Manuel ernsthaft bei der Verteidigung von Konstantinopel zu helfen.

Es ist mehr oder weniger einem Zufall zu verdanken, dass die Stadt erst ein halbes Jahrhundert später den Osmanen in die Hände fiel: Noch während Manuels Reise geriet der türkische Sultan Bayezid I., der auch gegen seine mongolischen Nachbarn im Osten kämpfte, in Gefangenschaft und starb wenig später.

So konnte der byzantinische Kaiser unbehelligt in sein Reich zurückkehren, das noch bis 1453 existierte.

Nach dem Fall von Konstantinopel, dem letzten christlichen Bollwerk gegen das türkische Großreich, hatten die europäischen Fürsten dann einiges zu tun, um ein weiteres Vordringen der Osmanen bis in ihre Gebiete abzuwehren.

Ausstellung in der altehrwürdigen Marcusbibliothek von Venedig

Reinhard Marx, der Erzbischof von München und Freising

Im Herbst 2018 ging das Freisinger Lukasbild auf Reisen. In der altehrwürdigen Markusbiblitothek von Venedig, der Biblioteca Marciana, wurde ihm eine eigene Ausstellung gewidmet, in der auch weitere Kostbarkeiten aus Manuels Umfeld präsentiert wurden.

Bei der Eröffnung anwesend waren nicht nur Reinhard Marx, der Erzbischof von München und Freising, sondern auch zahlreiche Förderer und Freunde des Diözesanmuseums, das eigens für sie eine Gruppenreise nach Venedig organisiert hatte.

Carola Zinner hat daran teilgenommen und stellte fest: Egal, ob ein Mensch eine Reise tut oder ein Bild - zu erzählen gibt es immer was.

Die Autorin Carola Zinner

Geboren in tröstlicher Nähe zur "Historischen Wurstkuchl" in Regensburg, aufgewachsen mit Watzmann-Blick in Berchtesgaden.

Weil das Taschengeld klein war und die Reiselust groß, begann sie früh mit dem Geld-Verdienen: Als Souvenir-Verkäuferin in St. Bartholomä und auf dem Kehlsteinhaus, als Nachhilfelehrerin für Grundschulkinder, als Bedienung im Loiplstüberl und im Schwabinger Podium und als Autorin bei der SZ.

Seit 1992 beim BR, betreut Carola Zinner seit 2018 die Reihe "Land und Leute".


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