Bayern 2


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Lost Places Die schönsten verlassenen Orte Bayerns

Ein komplett verlassenes Dorf, ein leeres Schwimmbad oder eine längst geschlossene Porzellanfabrik, in der noch alles so ist wie früher: alles eindrucksvolle Orte in Bayern, die heutzutage komplett vergessen und verlassen sind. Wir haben sie besucht.

Von: Thomas Becht, Jasmin Körber, Lukas Graw, Bianca Taube & Daniel Wiesheu

Stand: 21.08.2018

Volksbad Nürnberg

Kurzinfo: Stillgelegtes Schwimmbad mitten in Nürnberg, drei Becken, 70 Wannen, und sogar ein eigener Bereich für Haustiere.

Verlassen seit: 1994

Verlassen, weil ... sich die Stadt Nürnberg den Betrieb nicht mehr leisten konnte. Wegen dringend nötiger Reparaturen wurden immer mehr Bereiche des Schwimmbads geschlossen, der Rest nur notdürftig instand gehalten. Seit der Schließung können Fotografen das Gebäude für Shootings mieten. 

Eindrücke:
Das Bad ist ein sehr sehr schöner Jugendstilbau mitten im Zentrum von Nürnberg-Gostenhof. Innen steht es fast komplett leer, vereinzelt stehen Stühle rum, vermutlich von Fotografen und ihren Models aufgestellt. Die Schwimmhallen sind wunderschön, riesige Räume, bunt gekachelt, mit Bronzestatuen – teilweise aber defekt, die Duschen und Armaturen sind mittlerweile abgetreten worden. Besonderes Highlight: Der Hall. Jeder Schritt, jedes Wort führt zu einem faszinierenden Echo.

Porzellanfabrik Arzberg

Kurzinfo: Die Porzellanfabrik Arzberg in Oberfranken verlieh der Ortschaft den Titel "zweitgrößte Porzellanstadt Deutschlands". Früher hatte dort so gut wie jeder Einwohner mal einen Ferienjob.

Verlassen seit: 2000

Verlassen, weil ... hochwertiges Porzellan ab den 80er Jahren nicht mehr so gefragt war. Wer neues Geschirr brauchte, holte es sich kostengünstiger im Einrichtungshaus. Nach mehreren Eigentümerwechseln folgte dann letztlich die Insolvenz.


Eindrücke:
Die Porzellanfabrik in Arzberg liegt etwas oberhalb der Stadt an der Jakobsburg. 250 Meter lang zieht sich das graue Gebäude und besteht aus zwei Stockwerken. Noch sind darin alle Maschinen von damals zu finden, Regale sind gefüllt mit weißem Porzellan: Tassen, Kannen, Teller. Arbeitsplätze wirken wie gerade eben erst verlassen, es gibt viel zu entdecken.

Wachsenberg - Verlassenes Dorf

Kurzinfo: Ehemaliges Dorf in der Oberpfalz in der Nähe von Wörth an der Donau. Wachsenberg hatte eine Fläche von 27 Quadratkilometern und zu Höchstzeiten bis zu einigen hundert Einwohner.

Verlassen seit: 1906

Verlassen, weil ... die Bewohnerinnen und Bewohner des Dorfs sich nicht verstanden und ständig im Streit lebten. Der Streit hat das Dorf so sehr gespalten, dass es teilweise in Totschlag ausartete. Deswegen gingen sie schließlich getrennte Wege.

Eindrücke: Wachsenberg lag und liegt extrem abgeschieden. Verlässt man die Landstraße, geht es über einen holprigen Schotterweg mehrere Kilometer durch dichten Wald, bis man zu einer Lichtung gelangt (Öde). Dort befand sich das Dorf. Es ist ein Ort mit einer seltsamen Stille. Ein wenig ist zu spüren, dass sich hier einmal dörfliches Leben abgespielt hat. Daran erinnert ein vom letzten Bewohner aufgestelltes Kreuz mit einer Inschrift und ein düsterer, gemauerter Kellereingang im Wald ein Stück abseits. Generell ist es dort wahnsinnig ruhig und auch ein wenig mystisch.

Altes Kalkwerk in Weidensees

Kurzinfo: Kalkbrennen gehörte früher zu Weidensees wie das Kloß in die Soß, denn der Weidenseeser Kalk ist besonders fein. Zu den Glanzzeiten liefen in Weidensees vier Kalkwerke gleichzeitig. Mittlerweile sind alle geschlossen.

Verlassen seit: 2011

Verlassen, weil ... sich das Kalkbrennen für die Weidenseeser irgendwann finanziell einfach nicht mehr rentiert hat. 

Eindrücke: Rund um das Gebäude liegen noch nicht gebrannte Kalksteine und angerosteter Schrott herum. Am markantesten sticht von außen der alte Hochofen heraus. Hier wurden früher oben die Kalksteine reingeworfen. Während die Steine nach unten rutschten, wurde bei 1200 Grad Celsius aus den Steinen Kalk. Der wurde weiter hinten in der Halle dann in einer Mühle fein gemahlen – und danach nach halb Europa verschifft. Innen riecht es immer noch nach dem Schweröl, das die Kalkbrenner damals zum Heizen verwendeten. Über allem liegt eine dicke Staub- bzw. Kalkschicht. Über eine Treppe am Ende der Halle kommt man hoch zur Spitze des alten Hochofens – von dort hat man einen tollen Blick über die fränkische Schweiz.

Schuierer Mühle in Schwandorf

Kurzinfo: Die alte Mühle - ein dreistöckiges Gebäude mit dicken Steinmauern liegt in der Schwandorfer Wöhrvorstadt, direkt am Ufer der Naab. Früher lief hier die Mühle der Familie Schuierer, die in der Schwandorfer Innenstadt eine Bäckerei betrieb.

Verlassen seit: 1982

Verlassen, weil ... der letzte Müller Jakob Schuierer 1982 in den Ruhestand ging und sich kein Nachfolger fand.

Eindrücke: Die Schuierer-Mühle liegt ungemein idyllisch. Wenn man die Autobahnausfahrt Schwandorf-Nord nimmt und über Fronberg nach Schwandorf fährt, taucht nach einer Weile die Naab zur rechten Seite auf. Auf der anderen Seite des Ufers: Die Schuierer-Mühle. In der Mühle ist fast alles genauso wie 1982, als die Mühle verlassen wurde. Wuchtige Maschinen stehen in den drei Stockwerken, der Antrieb für das riesige Mühlrad aus massivem Stahl, straffe und dicke Riemen, die sich durch das Gebälk schlängeln. Im Büro hängen sogar noch die Jacke und die Mütze des letzten Müllers, der Kalender zeigt den Juli 1982. Auch wenn alles unter einer dicken Staubschicht liegt, die Schuierer Mühle ist ein wunderschöner Ort.


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