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Zum 60. Todestag Erfolge und Krisen - Das Komische und das Tragische im Leben der Liesl Karlstadt

Man kennt sie heute vor allem als Bühnenpartnerin von Karl Valentin. Dabei feierte sie auch ohne ihn große Erfolge, womöglich sogar ihre größten. Mit ihm hingegen erlebte sie ihre schlimmsten Krisen. Über die Komik und Tragik im Leben der Liesl Karlstadt. Eine Hommage zum 60. Todestag.

Von: Joana Ortmann

Stand: 25.07.2020 | Archiv

"Die richtige Liesl Karlstadt bist Du nur an meiner Seite", schrieb Karl Valentin 1939 an seine langjährige Bühnenpartnerin. Ein übergriffiger, von Verlust-Ängsten dominierter Satz. Denn zu der Zeit hatte sich "seine Lisi", mit der ihn eine symbiotische Beziehung verband, nach einer massiven Krise bereits auf eigene Wege begeben und feierte große Erfolge an der Münchner Komödie und mit bayerischen Gastspielen.

Der Beginn einer Entwicklung, die Valentin nicht mehr aufhalten konnte. Es folgten weitere Krisen, der Krieg ... und 1948 schließlich Valentins Tod.

"Wer am Ende ist, kann von vorn anfangen, denn das Ende ist der Anfang von einer anderen Seite."

(Karl Valentin)

Wenn Karl Valentin das geahnt hätte ...

Liesl Karlstadt und Karl Valentin

Dass diese so absurde wie scharfsinnige Analyse ausgerechnet auf die Frau zutreffen würde, die ihm zeitlebens am nächsten war. Und dass das "Ende", das er hier als Wendepunkt, als Beginn einer neuen Dimension definiert, sein eigenes Ende, sein Tod sein würde ... dann hätte er das vielleicht nicht so leichtfertig dahingesagt.

Aber genau so war's – das bestätigt auch Sabine Rinberger, die Chefin im Valentin-Karlstadt-Musäum München.

"Der Tod war die finale Trennung zwischen Liesl Karlstadt und Karl Valentin."

(Sabine Rinberger, Valentin-Karlstadt-Musäum München)

Liesl Karlstadt emanzipierte sich als Schauspielerin

Liesl Karlstadt und Theo Lingen in dem Film "Um eine Nasenlänge" von 1949

Valentins Tod war ein Schock für Liesl Karlstadt.

Sie stürzte sich danach in die Arbeit, die zum ersten Mal eine selbstbestimmte war: Theater, Film und vor allem Radio-Reihen wie die "Brumml-G'schichten" oder "Familie Brandl” machten sie in den nächsten Jahren zur beliebtesten Volksschauspielerin Bayerns.

Allein als "Meisterhausfrau Brandl" erreichte sie 40 Millionen Hörer. Dazu kamen Live-Auftritte, Lesereisen, Werbung, weitere Theaterarbeiten.

"I bin do kei so Mondäne ..."

Liesl Karlstadt

In einem Gastbeitrag der Abendzeitung schrieb Liesl Karlstadt 1957 dazu:

"Mei, i bin do kei so Mondäne, so a Monroe oder Genalolo Brigida, was ihr alleweil mecht's.
Für die meisten bin i halt die Mutter Brandl."


Das mag schlicht klingen, trifft aber den Punkt. Denn die Karlstadt ohne Valentin, diese eigensinnige, sensible und sehr weibliche Schauspielerin, die sich nach Jahrzehnten der Hosenrollen erst einmal an Röcke auf der Bühne gewöhnen musste, ist eine echte Wiederentdeckung!

Und das aus gegebenem Anlass: Der 27. Juli 2020 ist ihr 60. Todestag.

DVD-Tipp:

Karl Valentin & Liesl Karlstadt - Die beliebtesten Kurzfilme (erschienen in der Edition "Film 101")

Darsteller: Karl Valentin, Liesl Karlstadt
Regisseur(e): Hans H. Zerlett
Format: PAL, Dolby, HiFi-Sound
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono)
Bildseitenformat: 4:3 - 1.33:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Studio Hamburg Enterprises
Erscheinungstermin: 24. September 2009
Produktionsjahr: 2006
Spieldauer: 106 Minuten
ASIN: B002L5WABY

Buch-Tipp:

Liesl Karlstadt - Schwere Jahre: 1935-1945
Herausgegeben von Sabine Rinberger und Andreas Koll

  • Gebundene Ausgabe: 150 Seiten
  • Verlag: Kunstmann, A (25. September 2019)
  • ISBN-10: 3956143256
  • ISBN-13: 978-3956143250

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