Bayern 2


28

Das Finanzamt - Dein Freund und Forderer Geschichten von Steuern und Steuersündern

Lange war ausgerechnet der Wonnemonat Mai überschattet von der Aussicht, einkommensmäßig die Hosen herunterzulassen zu müssen. Zwar wurde die fiskalische Galgenfrist zwischenzeitlich ein wenig verlängert, aber sie droht noch immer. Eine akustische Steuererklärung entlang der Fährte, die der bayerische Fiskus im Lauf der Jahrhunderte hinterlassen hat.

Von: Thomas Kernert

Stand: 16.05.2020 | Archiv

"Man soll seine Steuern dem Staat zahlen, wie man seiner Geliebten einen Blumenstrauß schenkt."

(Novalis)

Was genau will uns Novalis, romantischer Dichter und Einser-Jurist, damit sagen? Dass man allmonatlich wie ein verliebter Dackel sein Finanzamt aufsuchen und der zuständigen Sachbearbeiterin voll Zärtlichkeit seine auf der Gehaltsabrechnung dokumentierten Steuerabzüge überreichen sollte?

Oder dass es genügt, wenn man seinem Gelegenheitsgeliebten, dem Staat, ab und an ein wenig Buntes unter die Nase hält und so tut, als sei man ein spendabler Kavalier, wohingegen man unter der Hand für ganz andere Geliebte auf den Bahamas oder den Caymans ganz andere Präsente in petto hält?

Oder dass man ein Dummerjan sein sollte, der sich von den Reizen eines, nun ja … nicht gerade wählerischen Flittchens, blauäugig in den Ruin manövrieren lässt?

Steuern für fast alles

Der Dichter Novails (1772-1801)

Unbestritten ist, dass sich der Staat, unser Geliebter, unsere Geliebte, erstens, von jedem beschenken und zweitens, mit ein paar Stängeln nicht abspeisen lässt, sondern stets auf mehr aus ist. Neben den Rosen der Einkommenssteuer, den Veilchen des Solidaritätszuschlages und den Osterglocken der Kirchensteuer müssen selbstverständlich auch folgende Steuern floral bzw. pekuniär bedient werden:

  • Die Hundesteuer
  • Die Gewerbesteuer
  • Die Vergnügungssteuer
  • Die Kapitalertragssteuer
  • Die Schaumweinsteuer
  • Die Körperschaftssteuer
  • Die Süßstoffsteuer
  • Die KFZ-Steuer

Das Finanzamt: nicht Gottes- sondern Menschenwerk

Einkommenssteuererklärungsformular

Bayerische Menschen lieben Finanzämter, denn bayerische Finanzämter sorgen dafür, dass die Welt funktioniert, dass Straßen, Schulen und Krankenhäuser gebaut werden können und die Polizei ausreichend Mittel zur Verfügung hat, um für Recht und Ordnung zu sorgen.

Die Steuererklärungsformulare in Bayern sind übersichtlich gestaltet, im Ton warmherzig und persönlich und stets dem Rechtsempfinden des Steuerpflichtigen verpflichtet. Werbungskosten und Sonderausgaben werden großzügig anerkannt.

Treten dennoch Unstimmigkeiten oder Missverständnisse  auf, so steht das Bemühen, diese im Rahmen eines gemütlichen Beisammenseins einvernehmlich zu lösen, stets an vorderster Stelle. Bayerns Finanzämter wissen, dass sie nicht von Gott, sondern von mündigen Bürgern erschaffen wurden ...

Wäre das Leben ohne Finanzämter eintönig und langweilig?

Steuersünder-CD

Wenn dem so wäre, gäbe es keine Steueroasen, keine Steuer-CDs und keine unbescholtenen Bürger, die sich der Hinterziehung von Steuern bezichtigen lassen müssten.

Niemand fühlte sich schikaniert, niemand bekäme beim Ausfüllen von Anlage XYZ einen Schreikrampf, niemand würde genötigt, Lug und Trug in sich zu bekämpfen, niemand würde das dumpfe Gefühl kennen, von Wegelagerern bedroht zu werden.

Kurzum, das Leben wäre eintönig und langweilig. Danken wir also unseren Finanzämtern, dass wir sie haben und das sie alles tun, um unseren Adrenalinhaushalt am Leben zu erhalten. Amen!


28