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Lichtblick Hasenbergl Mehr als eine gewöhnliche Jugendhilfeeinrichtung

Das Hasenbergl – ein, wenn nicht der, soziale Brennpunkt in München. Dort gibt es Probleme – aber auch einen Lichtblick, den "Lichtblick Hasenbergl". Seit 25 Jahren hilft das Projekt Kindern und Familien, die durch alle Maschen des sozialen Netzes gerutscht sind.

Von: Isabelle Hartmann

Stand: 28.11.2018

Ein Viertel im Norden von München mit mehr als 50.000 Einwohnern, die Hälfte davon mit Migrationshintergrund. Die Arbeitslosenquote und Hartz-IV-Dichte ist hier doppelt so hoch wie im Münchner Durchschnitt und fast jeder sechste Erwachsene ist überschuldet. Das ist das Hasenbergl.

Der "Lichtblick Hasenbergl" gibt Hoffnung

Aber das Hasenbergl ist nicht hoffnungslos – unter anderem Dank des Projekts "Lichtblick Hasenbergl". Eigentlich müsste man mittlerweile sagen: der Institution "Lichtblick Hasenbergl".  

Diese Kinderbetreuungseinrichtung hat die diplomierte Sozialpädagogin Johanna Hofmeir 1993 gegründet. Aus ursprünglich einem Dutzend Kinder sind heute etwa 200 geworden, die die Einrichtung betreut – vom Kleinkind- bis ins Erwachsenenalter. Den Lichtblick leitet die Mittfünfzigerin Hofmeir noch immer.

Eine ausgezeichnete Jugendhilfeeinrichtung

Stern des Jahres von der Münchner Abendzeitung 2000, Projektpreis der Landeshauptstadt München 2001, Förderpreis Münchner Lichtblicke 2002, Preis der Bruderhilfe Pax Familienfürsorge 2007, Kinderhilfspreis der Otto Eckart Stiftung 2009, Bundesverdienstorden für Johanna Hofmeir 2013, Bayerischer Verdienstorden 2018.

Die Preise und Ehrungen zeigen: Der Lichtblick funktioniert. Und auch die Erfolge unterstreichen das: Von allen Schulabgängern zwischen 2010 und 2017 ist kein einziger arbeitslos. Der Lichtblick ist eine Organisation, die alles tut, um sozial stark benachteiligte Menschen wieder in die Spur zu bringen. Das funktioniert, weil der Lichtblick eine Grundversorgung anbietet, die auf drei Bausteine setzt:

Die drei Bausteine der Grundversorgung

Erstens: eine sehr intensive Schulförderung. Dafür beschäftigt der Lichtblick doppelt so viele Betreuer wie gewöhnliche Einrichtungen. Und das gilt nicht nur für die Nachmittagsbetreuung, sondern auch für den Kindergarten.

Zweitens: das "soziale Training". Es geht darum die sozialen Kompetenzen der Kinder zu stärken, zum Beispiel: "wie benehme ich mich in der Öffentlichkeit", "wie sage ich höflich Guten Tag", "wie integriere ich mich in einer Gruppe".

Dazu gehörte auch der Besuch im italienischen Restaurant. Dabei geht es natürlich nicht nur ums Essen, sondern ums Benehmen: gerade sitzen, keine Ellenbogen auf dem Tisch.

Pädagogisch, praktisch, sozial

Drittens: ein lebenspraktisches Training. Darin lernen die Kinder den Alltag zu meistern, von "wie pflege ich meine Kleider" bis hin zu "wie haushalte ich mit meinem Geld". Auch gesundes Essen ist ein eigenständiger Bestandteil im Konzept des Lichtblicks. Dinkelpasta mit vegetarischer Bolognese zum Beispiel, die die hauseigene Köchin für die etwa 200 Kinder und 45 Teammitglieder frisch gekocht.

Betreuungs- und Beschäftigungsangebot am Nachmittag

Die Kinder machen im Lichtblick ihre Hausaufgaben. Das geht besser als zu Hause, wo ihre Eltern sich nicht für ihre Hausaufgaben interessieren, nicht motivieren oder helfen können.

Danach stehen den Kindern Gitarren zur Verfügung, eine Kuschelecke mit Büchern und bunten Kissen, ein heißbegehrter Kicker oder ein großer Garten inklusive Fußballtore und Klettergerüst. Auch Ausflüge stehen auf dem Programm, wie etwa zum Italiener.

Mit großer Motivation und Perspektive Richtung Arbeitswelt

Ein anderer wichtiger Punkt ist die Motivation: Sie gehört zur täglichen Arbeit mit den Kindern dazu, damit die Kinder lernen, dass sich Leitung lohnt. Aber auch wenn trotz aller Bemühungen die Noten schlecht sind, motivieren die Pädagogen die Kinder für den nächsten Leistungsnachweis.

Die Einrichtung ist konsequent darauf ausgerichtet, den Kinder eine Perspektive zu geben und ihnen den Weg in die Arbeitswelt zu bahnen. Dazu gehören unter anderem auch Praktika in den Ferien.

Entwickelt an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort

Das ganzheitliche, langfristig angelegte Konzept von "Lichtblick Hasenbergl" hat Johanna Hofmeir peu à peu entwickelt. Sie hat sich dabei immer wieder von den ganz konkreten Bedürfnissen vor Ort leiten lassen. Was brauchen diese Familien wirklich, um es raus aus dem sozialen Abseits zu schaffen?

So unterstützt mittlerweile die Einrichtung nicht nur die Kinder, sondern auch Jugendliche, junge Erwachsene und ihre Eltern. Es gibt Mentorenprogramme für Azubis, Betreuungsgruppen für Quereinsteiger, Mutter-Kind-Angebote, ein Dutzend Aktivitäten für Eltern.

Mehr als eine Million Euro von Stiftungen, Firmen, Spendern

Das erfordert Personal und Geld - viel Geld: rund 2,5 Millionen Euro im Jahr. Etwa 60 Prozent zahlen der Träger der Einrichtung: die Katholische Jugendfürsorge, die Stadt München und der Freistaat Bayern.

40 Prozent des Budgets, also rund eine Million Euro, muss die Leiterin Johanna Hofmeir aus anderen Quellen eintreiben. So sind große Stiftungen mit an Bord, Firmen aber auch eine Vielzahl von kleinen Spendern, die insgesamt sehr viel Geld schenken.

Die Jugendlichen wissen den "Lichtblick Hasenbergl" zu schätzen

Die Mühe und der Aufwand lohnen sich. Auch die Kinder und Jugendlichen erkennen, dass der "Lichtblick Hasenbergl" etwas Besonderes ist. So sagt die Auszubildende Ella: "Wenn Du im Lichtblick bist, Du bist einfach weg von der Straße, von dem ganzen Schmarrn. Du hast Deine Regeln, machst Deine Hausaufgaben, hast einen Sinn fürs Leben."

Marco schildert seine Erfahrung mit dem Lichtblick so: "Die haben mich gerettet. Ich bin jeden Tag hier gewesen, sonst wäre ich jetzt irgendwo hinterm Wald, hätte was andere zu tun… auf der falschen Seite. Am Trinken… Auf jeden Fall nicht arbeiten und Bewerbungen schreiben."

Der Lichtblick ist mehr als eine Jugendhilfeeinrichtung

Mit ihrem Konzept einer ganzheitlichen, langjährigen Begleitung vom Kleinkind- bis ins Erwachsenenalter, ist der "Lichtblick Hasenbergl" mehr als eine gewöhnliche Jugendhilfeeinrichtung, auch mehr als eine Reservefamilie. Er ist eine Zweitfamilie.


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