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Ursachen für Legasthenie und Dyskalkulie Woher kommt eine Lese- oder Rechenstörung?

Woher kommt es, dass sich ein Kind schwerer tut als andere, lesen, schreiben oder rechnen zu lernen? Was sind die Ursachen für eine Lese-, Rechtschreib- oder Rechenstörung?

Von: Katharina Hübel

Stand: 04.09.2017

Bunte Zahlenreihen verschwimmen vor dem Auge. | Bild: picture-alliance/dpa

Über die Ursachen einer Lese- oder Rechenstörung kann man nur spekulieren. Allerdings ist bekannt, dass es eine genetische Disposition gibt. Das ist aber nur eine Veranlagung und nicht ein ursächlicher Mechanismus, der tatsächlich noch unbekannt ist. Forscher haben die Vorstellung davon, dass es tatsächlich gewisse Gene gibt, die, wenn sie angeschaltet sind, dafür sorgen, dass in einzelnen Gehirnarealen die neuronalen Netzwerke gut ausgebildet werden.

"Man kann tatsächlich per bildgebendem Verfahren im Magnetresonanztomographen sehen, dass in den Gehirnarealen bei den Betroffenen bestimmte neuronale Netzwerke nicht so ausgebildet wurden, wie es der Norm entspricht, dass Zellen fehlen oder zerstört wurden."

Gerd Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Natürlich hängt das aber nicht nur von der Genetik ab, sondern auch von der Lernerfahrung, vom Trainieren des Gehirns, Umweltfaktoren haben durchaus einen großen Einfluss auf Hirnfunktionen. Das heißt, man nimmt an, dass ein Kind durch Vererbung genetischer Marker ein gewisses Risiko hat. Wenn ein Kind in der Sprachwahrnehmung und –verarbeitung Probleme hat, hat es meist in der Leseverarbeitung später auch Probleme, weil die Laute nicht so repräsentiert sind im Gehirn.

Umweltfaktoren

Es gibt wenige Studien, die zeigen wie der Zusammenhang zwischen Unterrichtsdidaktik und einem Kind ist, das eine genetische Disposition hat. Man vermutet aufgrund von Schulstudien einen hohen Einfluss, in welchem Umfeld und mit welcher Methode das Kind Lesen und Schreiben lernt.

Was sind die Ursachen für eine Rechenstörung?

Über bildgebende Verfahren kann man wie bei der Lese- und Rechtschreibstörung feststellen, dass es Gehirnareale gibt, in der Mengenvorstellung oder Grundrechenfertigkeit mehr oder weniger repräsentiert sind. Das Interessante ist: Während es beim Lesen und Rechtschreiben mehr Gehirnareale in der linken Gehirnhälfte sind, sind es beim Rechnen mehr Gehirnareale der rechten. Mehr heißt, dass aber immer auch Areale der anderen Gehirnhälfte bei den Prozessen beteiligt sind. Bei Menschen mit Lese-, Rechtschreib- und Rechenstörung sind die entsprechenden Areale und die Verbindungen zwischen den Gehirnarealen sichtlich weniger aktiv. Man muss davon ausgehen, dass es entweder weniger neuronale Netzwerke gibt, die aktiviert werden, oder dass es strukturelle Veränderungen in einzelnen Gehirnregionen oder in einzelnen Verbindungsbahnen gibt, sodass weniger Neuronen oder Schädigungen an den Nervenverbindungen vorhanden sind. Für Letzteres gibt es aber bislang nicht viele Hinweise. Die Forschung steht hier noch am Anfang.

Was passiert im Gehirn bei einer Lese- oder Rechtschreibstörung?

"Das kann man nur vermuten, wir können in die Gehirne nicht reinschauen, wir können nur mit Methoden von außen draufschauen und beobachten, während Betroffene lesen. Allerdings kann man in bildgebenden Verfahren erkennen, dass es ein recht kompliziertes Netzwerk im Gehirn gibt von verschiedenen Hirnregionen, die, wenn jemand versucht, ein Wort zu lesen, mehr oder eben auch weniger aktiviert werden." Gerd Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Es gibt Hirnregionen, die eher für die Verarbeitung der optischen Merkmale eines Wortes zuständig sind. Dann gibt es die Hirnareale, die die Verbindung der visuellen Information mit der lautlichen leisten. Es gibt Verbindungsregionen, Bahnen, zwischen den einzelnen Hirnregionen. Auch diese sind manchmal bei den Betroffenen beeinträchtigt. Die Areale werden langsamer oder auch weniger stark aktiviert und sind schlechter miteinander verbunden.


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