Bayern 2


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Was ein Bauer wirklich leistet Landwirtschaftliche Buchführung mal anders

Die Betriebsbilanz eines Bauernhofs bildet nicht die Wirklichkeit ab, sondern nur das, was man auf die Schnelle in Euro und Cent ausdrücken kann, die kurzfristige finanzielle Performance. Komplexere wirtschaftliche Zusammenhänge, insbesondere solche, die erst mittel- oder langfristig greifen, blendet sie aus. Genau wie die Kosten, die andere treffen. Mit "Richtig rechnen" wollen die sogenannten Agronauten nun ermitteln, was in eine Betriebsbilanz gehört, um auszuweisen, was ein Bauer wirklich leistet.

Von: Ursula Klement, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 29.11.2018

Christian Hiß ist gelernter Gärtner, Landwirt, studierter Wirtschaftswissenschaftler und Mitglied der Agronauten. Seiner Meinung nach weist die klassische landwirtschaftliche Buchführung "Rechenfehler" auf, und zwar an etlichen Stellen. Zu viele Posten bleiben unberücksichtigt, bemängelt der Biogärtner. Beispiel: Die unzähligen Arbeitsstunden, die er etwa aufgewendet hat, um selbst Saatgut zu erzeugen. Sie tauchen nur im Posten "Allgemeiner Aufwand" auf. Aber: Finanziell stehen sie in keinem Verhältnis zu dem bisschen Geld, das er eingespart hat, weil er kein Saatgut kaufen musste.

Was sollte in die landwirtschaftliche Betriebsbilanz gehören?

"Agronaut" Christian Hiß

Unter der Überschrift "Richtig rechnen" will Christian Hiß die Buchführung in der Landwirtschaft deshalb an die Wirklichkeit anpassen und dennoch die gesetzlich gültige Form der Finanzbuchhaltung beibehalten.

Was wiederum in die Betriebsbilanz gehören sollte, um den wahren Wert eines Bauernhofes darzustellen, das will Christian Hiß zusammen mit den "Agronauten", einem Zusammenschluss freier Agrarwissenschaftler, herausfinden. Es geht dabei nicht um den "Wert" des Rotkehlchens oder der Feldlerche, betont Hiß.

"Wir erfassen die Leistung eines Betriebes, dass die Feldlerche leben kann. Das ist unser Ansatz. Und dann kann sein, dass ein Betrieb eben Lerchenfenster macht und nachweist, dass er von 20 Hektar zwei Ar kein Ertrag hat, dann fließt das sozusagen als Leistung in die Buchhaltung ein. Das ist unser Zugang zu dem Thema."

Christian Hiß

Momentan hat das "Richtig rechnen"-Forschungsprojekt 80 Indikatoren aus dem sozialen, ökologischen und regionalwirtschaftlichen Bereich im Visier. Zum Beispiel ist die Anzahl der Kunden und Lieferanten ein Aspekt, die Entfernung der Kunden und der Lieferanten, aber auch der Einsatz für die Artenvielfalt.

Kontakt

Die Agronauten
Forschungsgesellschaft für nachhaltige, regionale Agrar- und Ernährungskultur
Geyer-zu-Lauf Str. 5
79312 Emmendingen
e-Mail: info@agronauten.net
Internet: www.agronauten.net

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