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Landwirtschaft kurz erklärt Was ist Massentierhaltung?

Massentierhaltung. Ein gern gebrauchter Begriff. Aber ist dieser überhaupt genau definiert? Oder handelt es sich hierbei womöglich nur um einen rein politischen Kampfbegriff?

Von: Lorenz Storch

Stand: 11.07.2018

Kühe im Stall | Bild: BR/Mox Hofstetter

Wenn Tiere nicht mehr ihr normales Verhalten ausleben können - zum Beispiel Hühner nicht mehr in der Lage sind, einzelne Artgenossen in der Masse zu erkennen - dann spricht Umweltschützer Karl Bär vom Münchner Umweltinstitut von Massentierhaltung.

"Für mich ist ganz klar: Wenn jemand zum Beispiel 300.000 Hühner in einem Stall hält, dann ist das definitiv Massentierhaltung und gehört verboten!"

Karl Bär, Münchner Umweltinstitut

Keine allgemeingültige Definition von "Massentierhaltung"

Eine wissenschaftlich abgesicherte und allgemein akzeptierte Definition von Massentierhaltung existiert nicht. Der Begriff Massentierhaltung ist aus der Diskussion um die Käfighaltung entstanden, die in den 1960er/70er Jahren in Deutschland eingeführt wurde.

Der Tierschützer Bernhard Grzimek nannte damals die Hühner- Legebatterien "Massentierhaltung". Durch ihn wurde der Begriff sozusagen massentauglich.

Die Bevölkerung legt eigene Grenzen für "Massentierhaltung" fest

Achim Spiller, Agrarwissenschaftler von der Universität Göttingen, hat per Umfragen erfasst, wo für die deutsche Bevölkerung heute die Grenze von "Massentierhaltung" liegt. Antwort: 100 Schweine, 100 Kühe, oder 300 Hühner.

"Das sind Tierzahlen, die natürlich deutlich unter den Größenordnungen liegen, die heute in der Landwirtschaft üblich sind. Bei Schweinen haben wir typischerweise ein paar Tausend Tiere in den neuen Betrieben, und bei Hühnern ein paar Zehntausend oder Hunderttausend."

Achim Spiller, Agrarwissenschaftler von der Universität Göttingen

Wirtschaftlicher Druck in der Landwirtschaft wächst

Der wirtschaftliche Druck hat dazu geführt, dass die landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten Jahrzehnten immer mehr Tiere halten, um möglichst rentabel zu haushalten. Die Gesetzeslage erlaubt das.

Generell bleibt ja die Frage: Sind große, oft moderne und luftige Ställe überhaupt schlechter für die Tiere? Oder beginnt "Massentierhaltung" nicht eigentlich schon da, wo auch nur zwei Tiere unter unwürdigen Bedingungen zusammen gehalten werden?

Kleinere Betriebe gleich besseres Tierwohl?

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen kaum einen Zusammenhang zwischen Betriebsgröße und Tierschutz – egal ob bei Rindern, Schweinen oder Hühnern. Das hänge mehr von der Betreuungskapazität und der Kompetenz des Betreuungspersonals ab, sagt Agrarwissenschaftler Spiller.

"Da gibt es große Unterschiede bei der Kompetenz, ob die Mitarbeiter gut mit Tieren umgehen können oder nicht. Man muss allerdings sagen, dass sich einige von den ganz großen Betrieben in Deutschland in der Vergangenheit auch nicht mit Ruhm bekleckert haben. Da kann man dann auch einige Bedenken verstehen."

Achim Spiller, Agrarwissenschaftler von der Universität Göttingen.

Anzahl der Tiere an die Größe des Hofes koppeln

Für Karl Bär vom Münchner Umweltinstitut liegt das Problem bei der Massentierhaltung allerdings nicht nur im Tierschutz. Sondern auch darin, dass im großen Stil Futtermittel importiert werden, und dass die Gülle irgendwo hin muss – ohne das Trinkwasser mit Nitrat zu belasten. Für Karl Bär wäre es deshalb sinnvoll, wenn ein Bauernhof generell nicht mehr Tiere halten darf, als er von seinen eigenen Flächen ernähren kann.

"Wenn wir sagen, wir wollen, dass Tierhaltung flächengebunden ist, dann bedeutet es, dass wir insgesamt weniger Tierhaltung in Deutschland haben. Das finde ich absolut richtig. Weil es nicht sinnvoll ist, mit Soja aus Südamerika in Deutschland Schweine für Russland zu produzieren."

Karl Bär, Münchner Umweltinstitut

Als positives Beispiel geht hier die Ökolandwirtschaft vorran. Hier ist die zulässige Zahl an Tieren pro Hof schon jetzt generell an die Fläche gebunden.


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