Bayern 2


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Geld ist nicht alles Land verpachten nach Werten

Auf dem Pachtmarkt herrscht Vertragsfreiheit. Ein Verpächter darf in den Pachtvertrag alles hineinschreiben, was nicht illegal ist. Findet er keinen Pächter, kann er das Feld auch brachliegen lassen. Die meisten Verpächter versuchen, so viel Geld wie möglich, aus ihrem Grund und Boden zu holen. Wem aber mehr an Umwelt und Natur gelegen ist, der kann Sonderwünsche in den Pachtvertrag schreiben, auch wenn er dann vermutlich auf einen Teil des Pachtzinses verzichten muss.

Von: Ursula Klement, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 22.02.2018

Als Verpächter kann man im Grund genommen selbst ein bisschen Agrarpolitik machen. Etwa zugunsten von Bienen, Vögeln und anderen Tieren. Aber bei der Verpachtung von Äckern und Wiesen geht es sowieso um viel. Denn wenn Bauern schlecht wirtschaften, können sie so gut wie alles kaputt machen: den Boden samt den Bodenlebewesen, das Grundwasser verschmutzen sowie das Artensterben und den Klimawandel beschleunigen.

"Ich glaube, man hat Verantwortung für Flächen, die man bekommt. Egal wie. Ob man die kauft oder ob man vererbt bekommt oder wie auch immer. Man sollte nach den Dingen, die man hat, schauen. Und von dem her: Ja, ist es für mich einfach wichtig, was passiert mit den Flächen und wer geht wie mit den Flächen um?"

Johannes Wunderle, Grundeigentümer und Verpächter

Die Verantwortung übernehmen

"Der Pächter hat die landwirtschaftlichen Grundstücke ordnungsgemäß zu bewirtschaften." Sätze wie diesen finden sich in der Regel in Pachtverträgen. Schon aus eigenem Interesse sollte ein Verpächter darauf schauen, dass der Pächter die Fruchtbarkeit des Bodens erhält. Mit der Ertragsfähigkeit des Bodens steht und fällt der Wert des Feldes. Wenn ein Verpächter aber noch weiter geht, könnte er sich auch Gedanken machen über das, was da so kreucht und fleucht auf und über seinen Böden. Auf dem Pachtmarkt herrscht Vertragsfreiheit. Ein Verpächter darf in den Pachtvertrag alles reinschreiben, was nicht illegal ist. Findet er aufgrund seiner Extrawünsche keinen Pächter, dann kann er das Feld auch brachliegen lassen.

Was Umweltexperten in einen Pachtvertrag schreiben würden

Prof. Peter Berthold, ehemaliger Leiter der Vogelwarte in Radolfzell, würde Hecken vorschreiben.

"Ich würde einen Acker nur verpachten an jemanden, der ökologische Landwirtschaft betreibt. Und auf keinen Fall etwa solche Pflanzen, die den Boden vollständig auslaugen wie Mais. Ich würde vorschreiben, dass an jedem Ackerrand eine Hecke angelegt wird. Und alle Hecken natürlich fünfreihig, so dass Fuchs und Katzen und so weiter da drin nicht ihr Unwesen treiben können. Dann hätten wir im wahrsten Sinne des Wortes wieder blühendes Leben mit Heckenrosen, Schneeball, vielen anderen Pflanzen und dort eine Unmenge von interessanten nützlichen Insekten und Vögel und Kleinsäuger und so weiter."

Prof. Peter Berthold

Prof. Albert Göttle, ehemals Präsident des Landesamtes für Umwelt und jetzt Präsident des Landesfischereiverbandes, würde Klärschlamm verbieten.

"… würde ich zum Beispiel die Ausbringung von Klärschlamm verbieten im Pachtvertrag. Der Klärschlamm bringt Schwermetalle oder persistente organische Verbindungen [ein], die im Boden dann angelagert werden und von den Pflanzen letztendlich auch wieder aufgenommen werden. Und wenn sie nicht aufgenommen werden, unter Umständen die Bodenfruchtbarkeit auf Dauer verringern."

Prof.  Albert Göttle

Rainer Horn, Professor für Bodenkunde an der Universität in Kiel, will Bodenverdichtung verhindern.

"Die Diskussion über die nachhaltige Bodenbewirtschaftung erfordert, dass wir in den Pachtvertrag auf jeden Fall Kenngrößen einsetzen müssen, die auch den Wert des Bodens berücksichtigen. Körnung, pH-Wert, Humusgehalt und Kationen-Austauschkapazität müssen erst einmal bekannt sein. Dann eine Liste mit Parametern, wie beispielsweise Wasserleitfähigkeit, Luftleitfähigkeit und damit auch die gesamte mechanische Stabilität des Bodens. Dieses sind Kenngrößen, die für die langfristige Nutzung und den Erhalt des Bodenwertes von Bedeutung sind. Die größten Gefahren, die sehr schnell zu sehen sind, sind mit Sicherheit die Bodenverdichtung. Und in der Folge daraus, das auf den Feldern stehende Wasser, das nicht versickern kann."

Prof. Rainer Horn

Landwirtschaft für Fortgeschrittene

Maishäcksler

Die Kriterien, die Bodenkunde-Professor Rainer Horn nennt, kann man beim Pachtbeginn und am Ende der Pachtzeit von einem landwirtschaftlichen Analyselabor untersuchen lassen und dann vergleichen. Für den Landwirt ist das schon eine große Herausforderung. Denn um diese Vorgaben einhalten zu können, muss er den Boden ständig im Blick haben. Da kann er nicht Mais häckseln oder Zuckerrüben ernten, wenn der Boden weich ist, oder, ein anderes Beispiel, zu viel Biogasgülle ausbringen. Das ist auf jeden Fall Landwirtschaft für Fortgeschrittene, aber das sollten alle Bauern ohnehin sein, denn sie sind es, die in Generationen denken.


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