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Ohren schlafen nie Lärm - wie man sich schützen kann

Schallwellen sind quasi wie Boten, die Nachrichten über die Ohren ins Gehirn bringen zur emotionalen Bewertung. Auch im Schlaf. Von Lärm sprechen Experten dann, wenn Menschen sich durch ein Geräusch gestört fühlen. Etwa durch den lauten Nachbarn oder wenn wir nachts aufwachen, weil ein Flugzeug oder eine Bahn vorbeifährt. All das nennen wir Lärm. Mit anderen Worten: Lärm ist eine Art akustischer Abfall von Verkehr, Industrie, Gewerbe oder unsensiblen Mitbürgern.

Von: Chris Köhler, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 10.01.2018

Laut einer repräsentativen Umfrage des Umweltbundesamtes von 2014 fühlen sich 54 Prozent der Befragten durch Straßenverkehr belästigt. An zweiter Stelle steht Nachbarschaftslärm, gefolgt von Lärm durch den Flug- und Schienenverkehr. Die Deutsche Gesellschaft für Akustik e.V. rechnet für  Europa mit 40 Milliarden Euro pro Jahr an finanziellen Schäden, die dem Gesundheitswesen durch Lärm aus Straßen- und Fluglärm entstehen.

Lärm - ab welchem Geräuschpegel wird es kritisch?

Lärm selbst ist nicht messbar, weil er subjektiv ist. Gemessen werden kann dagegen - vereinfacht gesagt - der Schall, also die Intensität eines Geräusches, und zwar in Dezibel, kurz dB. Schon 30 Dezibel reichen aus, um sich von einem Geräusch belästigt zu fühlen. Bei Pegeln um 80 dB kann das Gehör dauerhaften Schaden nehmen. Die Schmerzgrenze fürs Ohr liegt bei rund 120 Dezibel.

  • Blätter im Wald fallen mit zehn Dezibel
  • Mit Flüstern bringt man es immerhin schon auf rund 30 dB
  • An einer stark befahrenen Straße steigt der Geräuschpegel bis zu 80 Dezibel
  • Hebt ein Flugzeug ab, dröhnt es mit bis zu 130 dB;  das ist ungefähr so laut wie ein Rockkonzert, in der Disko oder wenn es donnert
  • Ein Gewehrschuss bringt es sogar auf 160 dB

Lärm - wann kann man sich wehren?

Im Bundesimmissionsschutz-Gesetz wird Lärm als schädliche Umwelteinwirkung durch Geräusche definiert. Das umfasst erhebliche Belästigung durch Geräusche. Das heißt andererseits: Lärm, der nicht erheblich belästigt, wird nicht als Lärm gesehen. Die Folge dieser Definition ist, dass gegen Geräusche unterhalb bestimmter gesetzlicher Grenzwerte rechtlich nichts unternommen werden kann, selbst wenn man sich persönlich durchaus erheblich gestört fühlt kann.

  • Gewerbelärm: Gewerbelärm fällt in Deutschland unter die Verwaltungsvorschrift gegen Lärm und ist geregelt in der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm, kurz TA Lärm. In der TA Lärm sind Emissionsrichtwerte festgelegt in Abhängigkeit der Schutzwürdigkeit der Nachbarschaft.
  • Verkehrslärm: Hier greift die Verkehrslärmschutzverordnung. Sie regelt, wie laut neue Straßen und Schienenwege sein dürfen.
  • Sportanlagenlärm: Dafür ist die Sportanlagenlärmschutzverordung zuständig.
  • Verhaltensbezogener Lärm: Das kann von Kommune zu Kommune unterschiedlich sein. In München zum Beispiel gibt es die sogenannte Hausarbeit- und Musiklärmverordnung. Dort ist etwa geregelt, zu welchen Zeiten Rasenmäher und Laubbläser Getöse machen dürfen.

Lärm - wie man sich schützen sollte

Blaues Gebotsschild: Gehörschutz tragen!

An Lärm kann man sich nicht gewöhnen. Und egal, ob es kurzfristig sehr laut ist oder es ein dauerhaftes leiseres Geräusch ist: Lärm macht krank, etwa weil das Gehör geschädigt wird. So kennt die Berufskrankheitenverordnung ausdrücklich eine Berufskrankheit "Lärmschwerhörigkeit"; sie ist als anerkannte Berufskrankheit die Nummer Eins. Zum Kreis der von Lärmschwerhörigkeit Betroffenen zählen zum Beispiel Landwirte. Bei der Waldarbeit kommt lautes Gerät zum Einsatz. Aber auch im Stall kann es laut werden, aufgeregtes Gequieke der Schweine dann durchaus 100 Dezibel und mehr erzeugen. Wer auf adäquaten Gehörschutz verzichtet, fügt seinen Ohren dauerhaften Schaden zu. Das gilt auch für Industriearbeitsplätze, zum Beispiel Schlosser, Schreiner oder Kfz-Mechaniker. Hingegen fallen Lehrer und Erzieher im Kindergarten in aller Regel nicht unter die Vorsorgeschwelle von 80 Dezibel.
Mehr zum Thema Gehörschutz in BR.de: Sicherheit am Arbeitsplatz, die wichtigsten Maßnahmen

Lärm - zu Risiken und Nebenwirkungen …

Ab 80 Dezibel wird's kritisch

Lärm schädigt aber nicht nur das Gehör, der Schall wirkt sich auf den ganzen Organismus aus. Bereits niedrige nichtgehörschädigende Pegel wie Verkehrslärm reichen aus, dass unser Körper mit Stress reagiert. Stress ist eigentlich eine Schutzfunktion, die uns auf eine physische Auseinandersetzung vorbereiten soll. Doch die findet nicht statt. So läuft - bildlich gesprochen - unser Motor ständig hochtourig im Leerlauf. Untersuchungen in den 1990er Jahren haben belegt: chronischer Lärm erhöht das Risiko für Herzinfarkt, für Herzinsuffizienz und Schlaganfall, zudem kann Lärm Depressionen beeinflussen. Als typische 'Lärmkrankheiten' gelten mittlerweile Bluthochdruck und Schlafstörungen, die zum Beispiel Diabetes nach sich ziehen können. Kurzfristige Geräusche belasten darüber hinaus die Konzentration und das Kurzzeitgedächtnis. Und: Lärm macht Menschen offenbar auch reizbarer. Die Deutsche Gesellschaft für Akustik e.V. rechnet für  Europa mit 40 Milliarden Euro pro Jahr an finanziellen Schäden, die dem Gesundheitswesen durch Lärm aus Straßen- und Fluglärm entstehen.

Lärm - wie kann er vermindert werden?

Wer sich konzentrieren muss, braucht Ruhe

Das technische Repertoire dafür ist begrenzt. Dazu gehören beispielsweise Schallschutzfenster, begrünte Lärmschutzwände oder lärmarme Straßenbeläge wie der sogenannte Flüsterasphalt. Die Städteplaner sind gefragt, wenn es um kurze Wege geht, damit nicht mehr so viele Pkw gebraucht werden, sondern mehr zu Fuß oder mit dem Rad erledigt werden kann. In Sachen Fluglärm können lärmbezogene Landeentgelte Verbesserung bringen, so wie zum Beispiel am Flughafen Stuttgart. Dort zahlen leise Flugzeuge, die in der sogenannten Bonusliste des Bundesverkehrsministeriums gelistet sind, seit langem geringere Start- und Landeentgelte als Krachmacher. Das hat dazu geführt, dass in Stuttgart vor allem Flieger verkehren, die zu den lärmärmsten Typen ihrer Gewichtsklassen zählen.

Linktipps zu den Themen Lärm und Lärmschutz

Gesetz zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen, Geräusche, Erschütterungen und ähnliche Vorgänge
zum Gesetzestext

Bundesumweltministerium: Lärmschutz
zur Homepage

Landeshauptstadt München: Gesetzliche Regelungen und Merkblätter zum Lärm
zur Homepage

Aktionseite zum Tag gegen Lärm
zur Homepage

BR-Filmtipp "Zeit für Stille
Zum Audio in BR.de


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