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Brüder der Legehennen Kükentöten - Ist jetzt ein Ende in Sicht?

Millionenfach werden männliche Küken getötet, weil sie die unnützen Brüder der Legehennen sind. Jetzt scheint eine praktikable Möglichkeit gefunden, das Geschlecht schon im Ei zu bestimmen. Doch auch das wirft Fragen auf, etwa was aus den aussortierten, aber schon befruchteten Eiern wird. In der Eiernudel will schließlich kein Verbraucher verarbeitete Kükenembryos vorfinden. Und was viele nicht wissen, es gibt sogar einen großen Bedarf an den getöteten Küken.

Von: Jutta Schilcher, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 08.11.2018

Zwei niedliche Küken der Sorte "Lohmann Brown". Rechts die kleine Henne, zu erkennen am bräunlichen Gefieder. Links ist ihr Bruder, zu erkennen am gelben Gefieder. Das Geschlecht der Küken ist in einer Brüterei die alles entscheidende Frage. Schon bald werden sich die Wege von weiblichen und männlichen Tieren trennen. Die braunen - also die künftigen Legehennen - werden nach dem Schlupf geimpft und noch am selben Tag zu speziellen Aufzuchtbetrieben oder gleich zu Bauern gebracht.

Das Schicksal der jungen Hähne

Mehr Aufmerksamkeit in den Medien erweckt das Schicksal der gelben Küken, also der jungen Hähne. Für die meisten ist schon in der Brüterei Schluss. Unter dem Stichwort "Kükenschreddern" ist das Problem bekannt geworden. Allerdings wird hierzulande nicht geschreddert, sondern die Küken werden mit Kohlendioxid in Sekundenschnelle getötet.

"Es werden in Deutschland keine Küken geschreddert. Schon weil es sich nicht lohnt, weil es viel zu teuer wäre und eine Riesensauerei ist."

Werner Hockenberger, Chef einer Brüterei in Baden-Württemberg

In-ovo-Verfahren - damit erst gar keine Hähne schlüpfen

In Deutschland werden jedes Jahr über 45 Millionen männliche Küken getötet. Die Gesellschaft wünscht, dass das aufhört, weshalb es auch auf der politischen Agenda steht. Gleichwohl verschob jeder Bundeslandwirtschaftsminister bisher eine Frist, weil eine praktikable Lösung fehlt. Jetzt heißt es plötzlich in einer Pressemitteilung des Bundeslandwirtschaftsministerin, es gebe einen "Durchbruch auf dem Weg zum Beenden des Kükentötens".

Geschlechtsbestimmung am befruchteten Ei

Dritte Methode: Eier im MRT. Dabei testet die TU München ein Verfahren, bei dem die Eierschale nicht angestochen werden muss.

Geforscht wird seit vielen Jahren an zwei Verfahren für Geschlechtserkennung im Ei. Tierschützer bevorzugen meist das spektroskopische Verfahren, weil es schon ab dem dritten, vierten Tag funktioniert - dann spürt der Embryo noch keinen Schmerz. Beim endokrinologischen Verfahren wird ebenfalls die Schale per Laser geöffnet und dann die Hormone des Embryos bestimmt - am neunten bis elften Tag. Dieses Verfahren hat offenbar die Nase vorn, was die Umsetzung in die Praxis angeht. In einer Pressemitteilung schreibt das Bundeslandwirtschaftsministerium: Eier, die das Verfahren durchlaufen haben, seien ab November in Berliner REWE- und PENNY-Märkten erhältlich.

Statt Küken würden künftig Hühnerembryos getötet

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (Archivbild): Gelingt ihr nun, was ihren Vorgängern misslang?

Ein bisschen irreführend ist das schon, denn die Eier, die das Verfahren durchlaufen haben, landen nicht auf dem Frühstückstisch. Sie gehen weiterhin an Brütereien, wenn ein weiblicher Embryo, also eine künftige Legehenne, drin steckt. Die Eier mit männlichen Embryos werden aber vernichtet, höchstens wird Tierfutter daraus. In den Supermärkten gibt es also bestenfalls die Eier der Legehennen, deren Brüder nicht ausgebrütet werden mussten. Das aktuelle Problem ist also: Alle wissenschaftlichen Verfahren setzen derzeit bei befruchteten Eiern an, das heißt es wächst bereits ein Embryo. Statt Küken würden künftig Embryos getötet.

Was geschieht bisher mit den getöteten männlichen Küken?

Was viele nicht wissen: Es gibt einen großen Markt für die getöteten Küken. Nach dem Töten gehen die Eintagsküken etwa an Tierparks oder Greifvogelstationen und auch an Zoohandlungen. Die Nachfrage ist groß, manch Brüter könnte mehr tote Küken verkaufen, als in seiner Brüterei anfallen. Mitunter wird schon spekuliert, was passieren wird, wenn das Verbot des Kükentötens, das die Politik nun schon seit vielen Jahren ankündigt, tatsächlich eines Tages kommen wird. Müssen dann extra Ratten oder Küken getötet werden, um genügend Futter für Fleischfresser wie die Greifvögel zu haben?

Linktipps

Geschlechtererkennung im Ei per MRT
Prof. Dr. Axel Haase, Technische Universität München
Munich School of BioEngineering, Zentralinstitut für Medizintechnik
Pressemitteilung der TU München (tum.de)

Klöckner: "Durchbruch auf dem Weg zum Beenden des Kükentötens"
Pressemitteilung des Bundeslandwirtschaftsministeriums (bmel.de)


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