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"Durchblick" Küchenmythen und was wirklich stimmt

Soll man Nudeln mit kaltem Wasser abschrecken? Muss man das Grüne bei Tomaten wegschneiden. Und hilft ein Schnäpschen nach dem Essen bei der Verdauung? Stimmt das oder sind das alles nur Küchenmythen? Ernährungsberaterin Daniela Krehl vom Notizbuch-"Durchblick" klärt auf.

Stand: 10.10.2019

Nudeln abschrecken

Ob Nudeln mit kaltem Wasser abgeschreckt werden sollen oder nicht, darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Schreckt man Nudeln ab, wird auch der Stärkefilm auf der Nudeloberfläche abgespült, der eigentlich dafür sorgt, dass Soßen gut daran haften bleiben. Außerdem kühlen die Nudeln aus.

  • Abschrecken ja, wenn Sie zum Beispiel ohnehin gleich einen kalten Nudelsalat daraus machen wollen.
  • Eher nicht abschrecken sollten Sie, wenn die Nudeln gleich auf den Tisch kommen. Tipp! Heben Sie außerdem etwas heißes Nudelwasser auf. Die zweite Portion Nudeln klebt nicht selten schon aneinander, übergossen mit dem noch warmen Kochwasser lösen sie sich wieder.

Spinat darf nicht wieder aufgewärmt werden

So kategorisch stimmt das nicht. Allerdings sollten Sie ein paar Dinge beachten. Spinatreste müssen nach dem Essen schnell abgekühlt werden. Tipp! In einem kühlen Wasserbad abkühlen. Den Spinat anschließend in einer verschließbaren Dose im Kühlschrank lagern. Unter sieben Grad vermehren sich mögliche Bakterien nur noch ganz langsam, so dass die Kälte deren Nitritbildung hemmt.

Länger als zwei Tage sollten Sie aber nicht warten, bis der Spinat aufgewärmt wird. Und achten Sie darauf, dass der Spinat für mindestens zwei Minuten über 70 Grad erhitzt wird.

Diese Regeln gelten übrigens für alle nitratreichen Gemüsesorten, zum Beispiel Mangold oder Rote Rüben. Und auch für Pilzgerichte.

Bei Tomaten das Grüne wegschneiden

Eine reife und deshalb meist rote Tomate hat pro 100 Gramm etwa ein Milligramm Solanin. Solanin ist ein giftiger Bitterstoff, den die Pflanze bildet, um sich zu schützen. In den grünen, also unreifen Stellen der Tomaten (oder Kartoffeln) ist noch besonders viel Solanin enthalten.

Ab etwa 25 Milligramm kann Solanin toxisch wirken und Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen und Krämpfe verursachen. Ab einer Dosis von 400 Milligramm kann das Solanin tödlich wirken.

"Allein die Dosis macht's, dass ein Ding kein Gift sei", sagte aber schon Paracelsus. Heißt: Man müsste schon ganz schön viel Strünke essen, um so eine toxisch wirksame Solanin-Dosis zu erreichen.

Anders verhält sich aber bei komplett unreifen Tomaten. Hier reichen schon ein bis zwei mittelgroße Exemplare, da diese bis zu 30 Milligramm Solanin pro 100 Gramm Tomaten enthalten.

Gut zu wissen: Durch Kochen wird Solanin nicht zerstört, es ist hitzebeständig!

Ein Schnäpschen in Ehren kurbelt die Verdauung an

Stimmt nicht. Da ist eher der Wunsch der Vater des Gedanken. Der berühmte Verdauungsschnaps ist ein Mythos. Alkohol erweitert zwar die Blutgefäße und entspannt die Muskelzellen, weshalb einige Menschen nach dem "Verdauungsschnaps" ein entspanntes Gefühl nach einem deftigen Essen bekommen. Tatsächlich aber verzögert Alkohol sogar die Verdauung im Magen.

Brauchen Sie etwas Verdauungsförderndes nach einem üppigen Essen trinken Sie besser eine Tasse Tee oder Kaffee. Auch die ätherischen Öle vieler Kräuter wirken verdauungsfördernd; ideal sind zum Beispiel Salbei-, Fenchel- oder Pfefferminztee. Und auch ein Verdauungsspaziergang an der frischen Luft entspannt den Bauch und regt den Kreislauf an.

Erhöhen Eier den Cholesterinspiegel?

Dass Eier den Cholesterinspiegel erhöhen, dürfen wir - zumindest derzeit - ins Reich der Küchenmythen schicken. Bei gesunden Menschen beeinflusst der Verzehr von Eiern nach derzeitigem Wissensstand kaum den Cholesterinspiegel im Blut. Für die Höhe des Cholesterinspiegels ist vielmehr die verzehrte Menge an Gesamtfett entscheidend. Wer sich ausgewogen ernährt, darf wöchentlich schon mal drei Eier essen - so der Orientierungswert der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Linktipps und Quellen

DGE-Ernährungskreis: Beispiel für eine vollwertige Lebensmittelauswahl
https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/ernaehrungskreis/

Richtige Ernährung: 10 Ernährungsmythen aufgedeckt!
https://utopia.de/ratgeber/richtige-ernaehrung-ernaehrungsmythen/

Kompass Ernährung - Ausgabe 2, 2019
https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Service/KompassErnaehrung/Ausgabe-2-2019.html

Soll man Nudeln abschrecken?
https://www.verbraucherzentrale-bayern.de/wissen/haetten-sies-gewusst/soll-man-nudeln-abschrecken-40449

Keine Angst vor grünen Tomaten
https://www.dlr-rheinpfalz.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/b81d6f06b181d7e7c1256e920051ac19/0c45374e0aec3081c12570290047d091?OpenDocument

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Daniela Krehl ist Diplom-Oecotrophologin, also Ernährungswissenschaftlerin. Bei der Verbraucherzentale Bayern ist sie zuständig für alle Fragen rund um das Thema Ernährung.

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