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Neue Studie Kriminologe Pfeiffer: Mehr Gewalt durch Flüchtlinge

Die Zahl der Gewalttaten, die Flüchtlingen zur Last gelegt werden, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Im BR erklärte Christian Pfeiffer, Verfasser der Studie, dass Asylbewerber ohne Bleibeperspektive eher straffällig werden und spricht sich für Familiennachzug aus.

Von: Vera Cornette

Stand: 03.01.2018

Warum werden Flüchtlinge kriminell und was kann man dagegen tun? Das erforschte eine Gruppe von Experten um den Kriminalwissenschaftler Christian Pfeiffer im Auftrag des Bundesfamilienministeriums exemplarisch am Bundesland Niedersachsen.

Laut Kriminalstatistik stieg die Zahl der polizeilich registrierten Gewalttaten in Niedersachsen zwischen 2014 und 2016 um 10,4 Prozent. Zu 92 Prozent sei diese Zunahme Flüchtlingen zuzurechnen, heißt es in der Studie.

"Wir haben nach sieben Jahren Rückgang um 22 Prozent plötzlich wieder einen Anstieg erlebt, als die Flüchtlingswelle kam - um zehn Prozent aller registrierten Gewalttaten."

Kriminologe Christian Pfeiffer im BR-Interview

Warnung vor Pauschal-Annahme, Flüchtlinge seien krimineller

Fast jede achte Gewalttat rechnet die Polizei Migranten zu, die entweder Asyl beantragt, irgendeine Art von Schutz erhalten haben, als Schutzsuchende abgelehnt wurden oder zur Gruppe mit "unerlaubtem Aufenthalt" zählen.

Flüchtlinge fallen damit deutlich häufiger als Verdächtige einer Gewalttat auf, als es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht. Allerdings weisen die Autoren Vorwürfe einer pauschal höheren Kriminalitätsneigung von Flüchtlingen zurück.

Junge Männer sind öfter straffällig - egal, welcher Herkunft

Der höhere Anteil sei auch damit zu erklären, dass es sich zu einem großen Teil um junge Männer in der Altersspanne handele, in der Menschen verstärkt straffällig würden. Auch die Unterbringung von Flüchtlingen unterschiedlicher Herkunft und Religion in beengten Unterkünften begünstige Gewalt.

Im Interview mit der BR-Radiowelt erklärte Pfeiffer, dass "die Anzeigebereitschaft der Opfer deutlich erhöht ist, wenn man durch einen Fremden angegriffen worden ist."

Zudem verweisen Pfeiffer und die Co-Autoren der Studie noch auf andere Faktoren, die Gewaltkriminalität fördern: "Männlichkeitsnormen", die Gewalt legitimieren, außerdem die fehlende "zivilisierende Wirkung", die von Frauen ausgehe. Pfeiffer spricht sich deshalb für den Familiennachzug aus.

Nordafrikaner häufiger tatverdächtig

Die Unterschiede zwischen den Herkunftsländern sind laut Studie sehr groß. So fielen Syrer, Iraker und Afghanen deutlich seltener auf. Menschen aus Marokko, Algerien und Tunesien hingegen besonders oft. Letztere stellten 2016 nur 0,9 Prozent der in Niedersachsen registrierten Flüchtlinge, aber 17,1 Prozent der Tatverdächtigen.

Im BR erläuterte Pfeiffer das Beispiel der Raubdelikte: "Von 100 tatverdächtigen Flüchtlingen in Niedersachsen kamen nur 16, die wegen eines Raubes ein Strafverfahren haben, aus Kriegsgebieten, obwohl sie mehr als die Hälfte der Flüchtlinge stellen."

Während die aus Nordafrika stammenden Flüchtlinge 31 Prozent der wegen Raubes Tatverdächtigen stellten, obwohl sie nur 0,9 Prozent unserer Flüchtlinge in Niedersachsen sind, so Pfeiffer. Sie sind um das 35-fache überrepräsentiert.

"Sind die also die bösen Menschen und die anderen die braven? Nein! Die einen vermeiden alles, was ihnen Ärger mit den Behörden einbringt, weil sie hier bleiben können und bleiben wollen. Die anderen dagegen haben sofort nach der Ankunft die rote Karte gesehen, nämlich die Mitteilung: Ihr könnt hier nicht bleiben, ihr müsst alle wieder zurück."

Pfeiffer im BR

Die Kriminologen sehen einen der Gründe für die höhere Gewaltbereitschaft in der Perspektivlosigkeit in dieser Gruppe, die überwiegend aus Männern zwischen 14 und 30 Jahren bestehe.

Pfeiffer spricht sich deshalb für ein freiwilliges Rückkehrprogramm, eine bessere Sicherung der europäischen Grenzen und mehr Integrationsanstrengungen aus.


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