Bayern 2


10

Wassersuppe und Brot Das Kriegsgefangenenlager Mietraching

Es war das größte Kriegsgefangenenlager in Süddeutschland: An die 750.000 Wehrmachtsangehörige wurden zwischen 1945 und 1946 in Mietraching bei Bad Aibling interniert. Tom Fleckenstein sprach mit Zeitzeugen und wertete zahlreiche Briefe und Dokumente aus.

Von: Tom Fleckenstein

Stand: 20.05.2018 | Archiv

"In ganz Deutschland trafen immer mehr deutsche Kriegsgefangene ein. Die Heimkehrer kamen in Durchgangslager, ehe sie zu ihren Wohnorten und ihren Familien weitergeleitet wurden."

(Alfred Breisl, Hobbyhistoriker aus Bad Aibling)

Auch Promis fanden sich im Lager wieder

Unter den Gefangenen des Lagers in Mietraching waren einfache Landser ebenso wie Generäle. Und auch spätere Prominente wie Joseph Ratzinger und Günther Grass befanden sich unter ihnen.

Die Genfer Konvention kam nicht zur Anwendung

Ausweiskarte des katholischen Lagergeistlichen Walter Riener (1946)

Die gefangenen Soldaten wurden nicht als Kriegsgefangene nach der Genfer Konvention behandelt, nach der sie einen Anspruch auf Registrierung, bessere Verpflegung sowie Meldung der Gefangennahme an das Rote Kreuz gehabt hätten. Stattdessen galten nur wenige Regeln.

Das betraf, wie der Historiker Gottfried Mayr aus Bad Aibling recherchiert hat, am Ende des Krieges rund 1,7 Millionen deutsche Soldaten.

Endloser Marsch ins Kriegsgefangenenlager

Deutsche Kriegsgefangene auf ihrem Marsch in ein Lager (1944)

Die Kriegsgefangenen lebten unter schrecklichen Bedingungen: Zu essen gab es anfangs nur Wassersuppe und einen Kanten Brot. Geschlafen wurde auf dem Boden in Erdlöchern. Wer Glück hatte, konnte sich gegen den Regen mit einer Plane schützen. Der damalige Stadtpfarrer Jakob Albrecht schreibt in der Chronik des Dekanats:

"Am 6. Mai 1945 begann der Einmarsch der kriegsgefangenen deutschen Soldaten in das Gefangenenlager, in welches der hiesige Flugplatz umgewandelt worden war. Der Marsch der Kriegsgefangenen durch die Stadt dauerte über 2 Stunden und bot ein unsäglich trauriges Bild. Müde und hungrig, ganz erschöpft zogen sie ihres Weges."

Für manche war Mietraching noch nicht die Endstation. Sie wurden nach Frankreich ausgeliefert und mussten in Minen und Bergwerken schuften.

Der Wehrmachtssoldat Hans Lang hatte Glück

Im August 1945 bekam Hans Lang seine Entlassungspapiere. Die Amerikaner hätten ihn stets fair behandelt, erinnert sich der heute 92jährige. Sie fuhren ihn nach seiner Entlassung sogar mit dem Militärlaster bis vor seine Haustür nach Altötting.

Hans Lang

"Bei meiner Entlassung bin ich erstmal mit DDT vollgestaubt worden, dann ist einer gekommen, mit dem Lastwagen, da bin ich aufgestiegen, dann sind wir nach Altötting gefahren. Bin am Kapellenplatz um 2 Uhr Nachmittag ausgestiegen und war dahoam.

Nach fünf Jahren endlich dahoam. Endlich wieder mal Vater und Mutter sehen! Ich glaub dass ich zwanzig Pfund leichter worn bin."

(Hans Lang, ehem. Wehrmachtssoldat)


10