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Leben mit dem Krebspatienten Die Angehörigen von Krebskranken

Die Angehörigen eines Krebspatienten sind häufig in einer besonders schwierigen emotionalen Situation: Einerseits möchten sie ihrem Verwandten oder Freund gerne helfen, andererseits sind sie selbst oft großen Belastungen ausgesetzt und würden ihrerseits von Unterstützung profitieren.

Von: Holger Kiesel

Stand: 03.12.2019

Patientin im Krankenbett wird im Krankenhaus von einem Mann besucht | Bild: colourbox.com

"Es ist auch für die Ärzte wichtig, dass sie die Angehörigen in ihrer Doppelrolle als Helfende und Hilfesuchende wahrnehmen und ihnen Unterstützung anbieten, wenn sie sie brauchen. Manchmal muss man den Angehörigen auch erst den Blick dafür schärfen,dass sie in einer Doppelrolle sind und dass es berechtigt ist, diese als Belastung zu empfinden."

Dr. Pia Heußner

Hilfe ist sehr individuell

Wie man als Angehöriger einen Patienten sinnvoll unterstützen kann, ist individuell sehr unterschiedlich. Entscheidend ist, dass beide Seiten in der jeweiligen Situation ihre gegenseitigen Bedürfnisse erkennen und annehmen. Auch die Frage, wie viel und welche Form der Hilfe gerade die richtige ist, kann nur im Einzelfall geklärt werden.

Tipp: Wichtig ist, dass man sich traut, den anderen zu fragen, was er möchte und was nicht.

Generell gilt: Dem Patienten so viel wie möglich von seiner Selbstständigkeit lassen und ihn nicht übertrieben schonen und pflegen.

Mit der Kraft haushalten

Angehörige gehen bei der Betreuung von Krebspatienten selbst oft an ihre physischen und psychischen Grenzen.

Angehörige setzen häufig ihre ganze Kraft ein, um einen Patienten bei der Bewältigung seiner Krebserkrankung zu unterstützen. Dabei gehen sie oft schon sehr frühzeitig an ihre physischen und psychischen Grenzen und darüber hinaus. In der Folge besteht die Gefahr, dass sie selbst physische oder psychische Probleme bekommen und behandelt werden müssen.

"Angehörige sollten ruhig den Mut haben, auch ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und sich Rückzugsräume für sich selbst verschaffen. Schwierig wird es meist dann, wenn die Person, die eigentlich die Fürsorgefunktion in einer Familie übernimmt, krank wird oder der Versorger ausfällt."

Dr. Pia Heußner

Mit Schuldgefühlen umgehen

Manche Angehörige entwickeln auch Schuldgefühle, weil jemand anderes als sie selbst an Krebs erkrankt ist. In solchen Fällen müssen die Betroffenen besonders intensiv betreut werden. Häufiger treten solche Emotionen bei Eltern auf, deren Kinder (egal in welchem Lebensalter) erkranken. Da kommt oft die Frage auf: 'Warum mein Kind und nicht ich? Ich habe mein Leben doch schon gelebt'.

Offen zu Kindern sein

Wenn Kinder als Angehörige von einer Krebserkrankung betroffen sind, versuchen Erwachsene instinktiv, sie weitestgehend zu schonen. Dabei ist es in der Regel viel schwieriger für Kinder, wenn man ihnen sagt, es sei alles in Ordnung, obwohl sie genau spüren, dass das nicht stimmt. Man sollte auch nie vergessen, dass Kinder mehr wahrnehmen, hören und sehen, als Erwachsene glauben. Und wenn sie sich dann ihre Informationen woanders holen müssen, z.B. in der Schule oder bei den Spielkameraden, wird alles nur noch verworrener und kastastrophaler. Außerdem sollte möglichst verhindert werden, dass Kinder irgendwelche Phantasien darüber entwickeln, was los sein könnte. Diese Phantasien sind häufig viel schlimmer als die Realität.

Tipp: Offen und in altersgemäßer Sprache mit Kindern über die Situation reden. Das gilt für Kinder in jedem Alter.


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