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Die Krankheit und ihre Folgen Krebs jenseits von OP und Chemo

Krebs bedeutet nicht "nur", einen Tumor im Körper zu haben, Krebs heißt auch, sich einer langwierigen Behandlung mit oft unangenehmen Nebenwirkungen zu stellen. Hinzu kommen Sorgen: Werde ich den Krebs überleben? Kann ich wieder arbeiten? Wird mein Partner mir während der Krankheit beistehen? Welchen Verlauf nimmt die Krankheit? Was kommt da auf mich zu? All das verunsichert und führt zu einem Gefühl der Hilflosigkeit.

Von: Kathrin Hasselbeck

Stand: 31.05.2019

Ambulante Chemotherapie | Bild: picture-alliance/dpa

Um dieser Hilflosigkeit aktiv entgegenzutreten, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ein simples, aber entscheidendes Mittel: Bewegung. Wichtig ist, dass der Patient selbst aktiv wird.

"Immer, wenn Patienten aufgefordert werden, aktiv zu sein, fühlen sie sich weniger hilflos. Ich rate immer: 'Machen Sie Sport, gehen Sie raus.' Ich weiß, wie gut es tut, den Körper als etwas Positives zu erleben in einer Situation, wo man das Gefühl hat, dieser Körper hat mich verraten, der hat in mir was wachsen lassen, was mich umbringen kann."

Dr. Herbert W. Kappauf

Aber das Aktiv-Sein, die Eigeninitiative tut nicht einfach nur gut. Die Bewegung verbessert tatsächlich auch das Blutbild und wirkt dem Erschöpfungssyndrom (Fatigue) entgegen.

Moderne Krebstherapie - Erfolge nicht ohne Schatten

Die heutige tumorspezifische Krebstherapie besteht aus Operation, Bestrahlung und medikamentöser Tumortherapie. Diese umfasst Medikamente der Chemo-, Hormon- und Antihormontherapie, sowie der modernen Immuntherapie und Target-Therapie mit sehr zielgerichteter Wirkung auf Tumorzellen. Das Ziel der Behandlung ist einerseits, Krebserkrankungen langfristig zu heilen und dem Patienten ein wieder normales Leben nach der Krankheit zu ermöglichen. Dieses hohe Therapieziel einer anhaltenden Heilung ist heute bei etwa jedem zweiten Krebspatienten erreichbar. Allerdings gelingt das oft nur durch komplexe, längerfristige, interdisziplinäre (multimodale) Therapien, die vorübergehend beeinträchtigende Nebenwirkungen und Risiken mit sich bringen: eventueller Haarausfall, vorschnelle Müdigkeit (Fatigue), Übelkeit, Geschmacksinnstörungen, vorzeitige Wechseljahrsbeschwerden, Haut- und Schleimhautveränderungen. Dadurch wird über Monate die Leistungsfähigkeit im Alltag, das eigene Selbstbild, Selbstwertgefühl und damit die Lebensqualität beeinträchtigt.
Wenn eine Heilung nicht oder nicht mehr realistisch ist, geht es darum, den Patienten so lange wie möglich gut im Leben zu halten, also um ein möglichst langes Leben mit guter Lebensqualität. Dabei muss die Behandlungsplanung immer berücksichtigen: Die Therapie darf nicht schlimmer sein als die Krankheit.

Der Krebs raubt die Unbeschwertheit

Zu einer modernen Krebstherapie gehört heute aber unabdingbar ein differenziertes Nebenwirkungsmanagement und eine kompetente psychoonkologische Unterstützung der Betroffenen. Denn wenn sich im Leben eines Menschen plötzlich alles nur noch um den Krebs dreht, rückt somit automatisch etwas Negatives in den Fokus. Der Patient gerät in eine Spirale aus Sorgen und Ängsten, ist zudem eventuell noch stark beansprucht, ja, gestresst von der onkologischen Behandlung. Gleichzeitig steht er vor der Herausforderung, die Erkrankung in sein Leben mit den weiterbestehenden Verpflichtungen in der Familie (besonders bei noch nicht erwachsenen Kindern) und im weiteren soziale Umfeld einzubinden. Dies gelingt oft nicht leicht, steht der Patient doch vor der Doppelaufgabe, einerseits mit seiner Krankheit zurechtzukommen und andererseits seinem sozialem Umfeld erklären zu müssen, welcher Umgang unterstützt, welcher zusätzlich belastet. Manche Patienten mit einer Krebserkrankung bezeichnen als größte Belastung, dass ihnen im Bekanntenkreis Klischees übergestülpt würden, wie es einem Krebskranken gehe und was er unbedingt in seinem jetzigen Leben tun oder ändern müsse.

"Patienten müssen dem Onkologen sagen: Darunter leide ich. Sei es die Übelkeit oder sind es psychische Probleme, dass sie nachts aufwachen, weil sie Angst haben. Manche Patienten trauen sich nicht, den Onkologen anzusprechen, weil sie denken, der hat doch dafür keine Zeit. Aber der Onkologe muss physische und psychische Nebenwirkungen mitbehandeln."

Dr. Herbert W. Kappauf


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