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Hintergrund Kopfschmerzen

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Therapie Behandlungsmöglichkeiten von Kopfschmerzen

In der Werbung werden unzählige Kopfschmerzmittel angepriesen. Für die Betroffenen ist es oft schwer, sich im Dschungel der Präparate zurechtzufinden. Doch die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft kann Betroffenen helfen.

Stand: 09.07.2019

Verschiedene Schmerzmittel in einem Regal einer Apotheke | Bild: picture-alliance/dpa

So hat die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) Leitlinien zur Selbstmedikation herausgegeben. In der Patientenversion wird versucht, anhand wissenschaftlicher Kriterien zusammenzufassen, welche frei verkäuflichen Medikamente für wen am geeignetsten sind.

Tipp: Was soll man nehmen?

Grundsätzlich gilt jedoch: Alle rezeptfreien Mittel sind qualitativ in etwa gleichwertig und bei sachgemäßer Anwendung unbedenklich! Deshalb kommen auch die allermeisten Betroffenen mit ihrer Selbstmedikation gut zurecht. Entgegen anderer Verlautbarung ist auch der Verbrauch der rezeptfreien Schmerzmittel in Deutschland seit Jahren stabil, dieses trifft aber nicht für die verschreibungspflichtigen Opiate zu.

Welche Wirkstoffe finden Verwendung?

In rezeptfreien Kopfschmerzmitteln finden sich zahlreiche ähnlich wirksame Arzneistoffe. Die gängigsten sind:

  • Ibuprofen
  • Paracetamol
  • Acetylsalicylsäure (ASS)
  • Koffein

In zahlreichen Mitteln finden sich auch Kombinationen aus mehreren der genannten Substanzen. Nicht rezeptfrei erhältlich sind Medikamente mit dem Wirkstoff Metamizol, da hier stärkere Nebenwirkungen auftreten können. Viele Patienten kommen mit diesem Medikament aber gut zurecht.

Nicht übertreiben!

Wenn jemand häufiger als an acht bis zehn Tagen im Monat Kopfschmerzmittel einnimmt, ist Vorsicht geboten. In solchen Fällen sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden, da durch die allzu regelmäßige Medikamenteneinnahme eine Chronifizierung des Schmerzes droht. Die konkrete Gefahr einer Medikamentenabhängigkeit besteht bei Kopfschmerzmitteln aber nur für einen sehr kleinen Teil der Patienten.

"Die Erwartungen an eine Therapie gegen Kopfschmerz dürfen nicht zu hoch sein. Ziel sollte es sein, den Kopfschmerz zu reduzieren – am besten um mehr als 50 Prozent. Eine vollständige Heilung gibt es nur in den seltensten Fällen."

Prof. Andreas Straube, Oberarzt an der Neurologischen Klinik in München-Großhadern

Der Patient muss mitmachen

Wie bei jeder Therapie ist es auch bei der Behandlung von Kopfschmerz ganz entscheidend, dass der Patient bereit ist, aktiv mitzuwirken. Das ist aus zwei Gründen nicht selbstverständlich:

  • Erstens erfordert eine Änderung des Lebensstils, die häufig mit der Bekämpfung von Kopfschmerz einhergehen sollte, viel Willenskraft.
  • Zweitens sind es übertriebene Hoffnungen, die viele Betroffene in eine Therapie setzen, was dann zu Enttäuschungen führen kann. Es sind aber in den letzten Monaten neue Medikamente für die Prophylaxe der Migräne eingeführt worden, die ganz neue Optionen eröffnen.

"Manchmal muss man auch die Nebenwirkungen eines Medikaments hinnehmen, um seine Wirkung erleben zu können. Außerdem schwächen sich solche negativen Effekte oft im Laufe der Zeit ab."

Prof. Straube, Oberarzt an der Neurologischen Klinik in München-Großhadern

Wie arbeitet ein Kopfschmerzzentrum?

In einem Kopfschmerzzentrum können betroffene Patienten besonders gezielt behandelt werden. Neben einer ausführlichen Diagnostik und umfangreicher Aufklärung werden hier auch zahlreiche therapeutische Maßnahmen an einem Ort durchgeführt. Dazu gehört die richtige medikamentöse Einstellung ebenso wie geeignete verhaltenstherapeutische Angebote. Angeschlossen an das Oberbayerische Kopfschmerzzentrum am Klinikum München-Großhadern ist eine Tagesklinik, in der Patienten mit überwiegend chronischem Kopfschmerz in Fünf-Tages-Programmen umfassend behandelt werden. Im Rahmen dieser Tagklinik werden den Patienten auch verschiedenen sinnvolle Maßnahmen aus der Sporttherapie und Physiotherapie vorgestellt. Langzeitbeobachtungen zeigen, dass die Teilnahme an solch einem Programm die Kopfschmerzen nach zwölf Monaten um im Mittel etwa knapp 50 Prozent verbessert. Letztlich können in einem solchen Zentrum die Patienten auch beraten werden, ob eine der neuen, zum Teil kostenintensiven Optionen (CGRP-Antikörper-Therapie, nicht-invasive Stimulation des Nervus vagus am Hals) eine sinnvolle Option darstellen.


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