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Gründe für Schmerzen bei Kindern Diagnose bei Kindern

Bei akuten Schmerzen ist es im Gespräch mit dem Patienten meist relativ einfach, den Bezug zu einem konkreten Ereignis (z.B. einer Verletzung) herzustellen. Wesentlich komplizierter wird die Ursachenforschung dagegen bei chronischen Schmerzen.

Stand: 12.10.2018

Kinder können zwar Schmerzen äußern, aber was steckt wirklich dahinter? Im Bild: Arzt beim Abhören eines kranken Kindes beim Hausbesuch. | Bild: colourbox.com

Bei chronischen Schmerzen gilt es, sehr gezielte Fragen zu stellen:

  • Seit wann tritt der Schmerz auf?
  • Wo genau sitzt er?
  • Hat sich seine Intensität verändert?
  • Wie fühlt er sich genau an?
  • Wann tritt er auf?
  • Welche Faktoren beeinflussen den Schmerz (positiv und negativ)?

"Die Tageszeit, zu der Schmerzen auftreten, kann Hinweise auf deren Ursache geben. So schmerzt Rheuma eher morgens, Knochentumore dagegen meist nachts."

Prof. Dr. Johannes-Peter Haas, Ärztlicher Leiter der Kinderklinik Garmisch-Partenkirchen

Ausführliche Anamnese

Im Anamnesegespräch soll herausgefunden werden, ob es an der schmerzenden Stelle Gewebeveränderungen gibt, die den Schmerz erklären. Falls nicht, muss nach anderen auslösenden Faktoren gesucht werden. Je länger Schmerz besteht, desto größer wird die Gefahr, dass immer mehr Körperregionen betroffen sind, bis irgendwann alles wehtut (generalisierter Schmerz).

Wichtig: Auch wenn keine Schmerzursache lokalisierbar ist, kann jemand reale Schmerzen empfinden (Beispiel Phantomschmerzen)!

Psyche und Schmerzempfinden

Die Psyche spielt fürs Schmerzempfinden auch eine Rolle. Wer gestresst ist, leidet mehr.

Leidet ein Patient bereits unter chronischen oder dauerhaften, lebensbedrohlichen Schmerzen (etwa aufgrund eines Krebsleidens), werden zusätzlich auftretende akute Schmerzen stärker empfunden. In sehr seltenen Fällen können auch psychische Erkrankungen die Vorstellung von Schmerzen erzeugen. Wie intensiv und unangenehm man Schmerz im Einzelfall empfindet, hängt auch von der jeweiligen psychischen Verfassung ab:

"Jemand, der sich sein Knie stößt und frisch verliebt ist, wird wahrscheinlich weniger Schmerz empfinden als ein frisch Getrennter mit derselben Verletzung."

Prof. Dr. Johannes-Peter Haas

Häufige Schmerzen bei Kindern

Studien zeigen bei Kindern und Jugendlichen - vor allem im chronischen Bereich - drei besonders häufig auftretende Arten von Schmerzen:

  • Kopfschmerzen
  • Schmerzen an Muskeln und Gelenken
  • Bauchschmerzen

Kinder mit chronischen Schmerzen

Wie viele Kinder in Deutschland unter chronischen Schmerzen leiden, ist statistisch nicht exakt erfasst und kann deshalb nur geschätzt werden. Man kann aber wohl von einer fünfstelligen Zahl von Betroffenen ausgehen.

Kopfschmerzen bei Kindern nehmen zu

Immer mehr Kinder und Jugendliche klagen häufiger über Kopfschmerzen. Ein Grund dafür dürfte sein, dass Kinder heute schon früh immer größerem Stress ausgesetzt sind und eine immer größere Flut von Reizen zu bewältigen haben. Ganz allgemein fehlen Kindern heute oft Strategien, um mit Schmerzen umzugehen, da sie häufig weniger draußen sind als früher und deshalb auch weniger harmlose und daher selbst zu bewältigende Schmerzerfahrungen machen.


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