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Erscheinungsformen Die verschiedenen Arten von Kopfschmerzen

Es gibt rund 320 Arten von Kopfschmerzen. Außerdem werden primäre und sekundäre Formen unterschieden. Beim sogenannten primären Kopfschmerz – der mehr als zehnmal häufiger vorkommt – ist der Kopfschmerz die eigentliche Erkrankung.

Stand: 09.07.2019

Leiden immer häufiger unter Kopfschmerzen: Jugendliche (hier vor ihren Laptops) | Bild: colourbox.com

Bei den deutlich selteneren sekundären Formen sind die Beschwerden die Folge einer anderen Erkrankung, die häufig ebenfalls den Kopf betrifft, z.B. eine Hirnhautentzündung oder eine Hirnblutung.

Verschiedene Formen primärer Kopfschmerzen

Die Grafik zeigt verschiedene Arten von Kopfschmerzen: Migräne (Kopf links), Spannungskopfschmerzen (mitte) und Cluster-Kopfschmerz (rechts).

Zu den primären Kopfschmerzarten gehören im Wesentlichen folgende:

Spannungskopfschmerz: Besonders häufig (ca. 50-60 Prozent der Bevölkerung hatten im vergangenen Jahr irgendwann einen solchen Kopfschmerz), jedoch meist völlig unproblematisch. Schmerzen treten mit maximal mittlerer Intensität im gesamten Kopfbereich auf und führen zu keiner schweren Beeinträchtigung im Alltag.

Cluster-Kopfschmerz: Besonders intensive Schmerzen, die einseitig und in Attacken von bis zu drei Stunden Dauer im Bereich von Schläfe und Auge auftreten. Sehr selten (unter einem Prozent der Bevölkerung). Häufig verbunden mit weiteren Symptomen wie Augenrötung, laufender Nase oder Schwitzen auf der betroffenen Seite. Einer der wenigen Kopfschmerzformen, die Männer häufiger haben.

Migräne: Betrifft etwa zehn Prozent der Bevölkerung. Schmerzen treten periodisch, pulsierend und halbseitig auf, häufig zusammen mit Übelkeit, Erbrechen sowie Licht-, Geräusch- und Geruchsempfindlichkeit.

Sekundäre Formen

Auch verschiedenste andere Erkrankungen können Kopfschmerzen verursachen. Dazu gehören unter anderen:

  • Hirnhautentzündung (Meningitis)
  • Hirnblutung
  • Hirntumoren
  • Schädelfrakturen
  • Stark erhöhter Blutdruck
  • Entzündungen der Nasennebenhöhlen
  • Rheumatische Erkrankungen im Bereich der Halswirbelsäule
  • Gefäßentzündungen
  • Verschiedene Infekte (Grippe etc.)
  • Schlaf-Apnoe-Syndrom
  • z.B. Nitro-Spray, Viagra, usw.

Chronischer Kopfschmerz

Von chronischen Kopfschmerzen spricht man immer, sobald sie an mehr als fünfzehn Tagen im Monat auftreten und länger als drei Monate anhalten. Der Begriff 'chronisch' darf jedoch nicht gleichgesetzt werden mit 'unheilbar'. Auch chronischer Kopfschmerz kann durchaus erfolgreich behandelt werden.

Der Kopfschmerz kommt immer früher

"Die Gesamtzahl der Menschen, die öfter unter Kopfschmerz leiden, hat seit Mitte der 90er-Jahre nur leicht zugenommen. Auffällig ist jedoch, dass immer häufiger bereits Kinder und Jugendliche über derartige Beschwerden klagen. Es wird vermutet, dass diese Entwicklung auch mit veränderten Lebensgewohnheiten zu erklären ist."

Prof. Andreas Straube, Oberarzt an der Neurologischen Klinik in München-Großhadern

Sehr intensiv: Cluster-Kopfschmerz

"Der Cluster-Kopfschmerz heißt so, weil die Attacken gehäuft auftreten; das heißt immer wieder mal gibt es einige Wochen (Episoden), wo diese Kopfschmerz-Attacken auftreten, und dann sind Patienten wieder über Monate, manchmal sogar Jahre komplett beschwerdefrei."

Dr. Stefanie Förderreuther, Oberärztin am Neurologischen Konsildienst der Ludwig Maximilians Universität München

Wenn Dr. Förderreuther einen Patienten fragt, wie stark auf einer Skala von 0 und 10 der Schmerz sei, kriegt sie in der Regel die Antwort: 12.

Cluster-Kopfschmerz erforschen: Projekt CLUE

Weil Cluster-Kopfschmerz-Patienten oft Diverses ausprobieren müssen - denn es gibt nicht DIE Therapie und DEN Auslöser dafür - hat sich im Juni 2017 das Projekt CLUE gegründet. Das ist die Abkürzung für Clusterkopfschmerz Erforschen. Getragen wird das Projekt von Medizinern der Uniklinik Rostock, der Kopfschmerzklinik Königstein und Informatikern aus Hof. Zusammen entwickeln sie einen Fragenkatalog für Cluster-Kopfschmerz-Patienten. Was löst die Attacke aus? Wie läuft sie ab? Hat Föhn etwas damit zu tun? Alle Infos werden per App oder im Netz gesammelt.

Fragebögen an Kopfschmerzpatienten

Grundlage für das Forschungsprojekt sind Fragebögen, die an Patienten ausgeteilt werden. Alle Daten aus den Fragenkatalogen sammeln und werten die Wissenschaftler anonymisiert aus. Datenschutz wird großgeschrieben. Kosten entstehen den Teilnehmern nicht. Dass ein bürgerwissenschaftliches Projekt auch zu einer Erkrankung Erfolg haben kann, hat dieselbe Gruppe bereits mit dem Migräne-Radar gezeigt. Daran haben sich 6.000 Patienten beteiligt. Gerade werten die Wissenschaftler die Daten aus.


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