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Kommentar Warum Coronatests für alle keine Lösung sind

Coronatests für alle? Was nach einer guten Idee klingt, hat Tücken. Das sagt BR-Wissenschaftsredakteurin Jeanne Turczynski. Die Tests ersetzen nämlich weder Abstands- noch Hygienemaßnahmen und sie sind nur eine Momentaufnahme.

Von: Jeanne Turczynski

Stand: 30.06.2020

Jeanne Turczynski, Redaktion Bildung und Wissen | Bild: BR

Es klingt gut: Corona-Tests für alle. Um das Infektionsgeschehen zu kennen, muss man viel und regelmäßig testen. Aber ganz so einfach ist es leider doch nicht. Denn die sogenannten PCR-Tests, die das Virus nachweisen, haben auch ihre Tücken.

Das Zeitfenster muss stimmen

Die Tests sind nur in einem bestimmten Zeitfenster zuverlässig, und zwar nur eine knappe Woche lang. In den allerersten Tagen nach einer Infektion schlagen sie nicht an, und bei wem die Infektion abklingt, da bringt dieser Rachenabstrich auch nichts mehr.

Tests ersetzen weder Abstand noch Hygiene

Hinzu kommt: Die Tests müssen sehr sorgfältig gemacht werden. Und nur dann kann man sich auf die Ergebnisse verlassen. Wer fälschlicherweise negativ getestet wird, wähnt sich ansteckungsfrei und in Sicherheit, bewegt sich frei und kann auf diese Weise wieder Menschen infizieren. Und das wäre verheerend. Das Gegenteil der guten Absicht. Wichtig ist also: Die Tests ersetzen weder die Abstandsregeln noch die Hygienemaßnahmen, und sie sind immer nur eine Momentaufnahme, nicht mehr und nicht weniger.

Kapazitäten könnten knapp werden

Wenn die Staatsregierung tatsächlich im großen Stil über das Infektionsgeschehen Bescheid wissen will, dann müsste zuverlässig großflächig und häufig getestet werden. Und das ist dann doch eine Frage des Geldes und der Logistik. Zwar hat Deutschland die Laborkapazitäten hochgefahren, aber in den ersten Hotspots werden schon Testmaterialien und Reagenzien knapp. Man wird schnell an Grenzen kommen, und es wird ein diffuses Testen im Nebel, das Ressourcen bindet, die woanders gebraucht werden - nämlich in den Infektions-Hotspots und Risikoeinrichtungen wie Alten- und Pflegeheimen, Krankenhäusern oder, wie jetzt auch von der Staatsregierung angekündigt, in Schlachtbetrieben.

Lieber regelmäßig Hotspots testen

Dort sollte tatsächlich großflächig getestet werden, und zwar in regelmäßigen Abständen mindestens wöchentlich. Auch Menschen, die in Gruppen arbeiten müssen, Lehrerinnen und Lehrer etwa, müssten regelmäßig zum Test. Genau wie das Personal in Krankenhäusern, bei dem schon jetzt teilweise täglich ein Abstrich gemacht wird. Je riskanter die Arbeitssituation, umso häufiger muss getestet werden. Sich auf die potenziellen Hotspots zu konzentrieren - das ist die bessere Strategie als flächendeckende Tests.


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