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Algorithmus für Bücher Können Computer Bestseller vorhersagen?

Was wird ein Bestseller? Ralf Winkler, Gründer des Start-ups QualiFiction, behauptet, das mithilfe seiner Textanalyse hervorsagen zu können. Sein Programm vergleicht das neue Buch mit tausenden Daten zu Thema, Schreibstil und Verkaufserfolg.

Stand: 21.03.2019

Wie muss man sich den Bestseller-Vorhersage-Algorithmus vorstellen?

Ralf Winkler: "Das funktioniert ganz einfach: Wir zerlegen den Text in seine Einzelbestandteile: Die Themen, der Spannungsbogen des Werks, wie dramatisch es aufgebaut ist, ist es eher düster gehalten oder eher fröhlich? Dann ist der Schreibstil natürlich ganz, ganz wichtig. Ist es eher flapsig locker gehalten oder eher schwer, anspruchsvoll? Diese ganzen Merkmale gehen als Einzelmerkmale in den Algorithmus ein. Am Ende kommt eine Beurteilung raus, wie groß denn die wahrscheinliche Leserschaft dieses Werks sein kann."

Wie können Sie anhand der Einzelteile feststellen, wie gut das Werk ist?

"Man muss der Maschine, die von Natur aus eher dumm ist, beibringen, was erfolgreich war und was nicht. Dafür gibt man ihr mehrere Tausend Werke zum Lernen."

"Wenn mich ein Buch nicht langweilt, dann ist es für mich Literatur."

Thomas Gottschalk

Kann Ihr Algorithmus vorhersagen, was für die Leserinnen und Leser interessant ist und was nicht?

"Das kann er sehr gut, weil er sich wirklich die Leserschaft anschaut und den Erfolg am Anklang bemisst, den das Buch beim Leser gefunden hat. Wir geben kein Statement ab, ob ein Buch wirklich im Sinne des Feuilletons ein gutes Buch ist. Dieser Begriff 'gut' ist ja sehr schwierig und das maßen wir uns nicht an. Wir können tatsächlich nur sagen: Dieses Buch hat - von seinen Merkmalen her gesehen - gute Chancen, eine breite Leserschaft zu finden."

Das heißt aber, es geht eher um den wirtschaftlichen Erfolg als um literarische Qualität?

"Kann man so sehen. Die Tatsache, dass ein Buch gekauft wird, spricht dafür, dass es viele Menschen froh macht und dann doch den Nerv und den Geschmack vieler trifft. Es heißt nicht, dass das den Nobelpreis kriegen muss - das ist eine völlig andere Liga."


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