Bayern 2


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Königs Pudel, Ottos Mops Hunderassen - Menschenklassen

Henrike Leonhardt erzählt von bayerischen "Hundsliebhabern" und -liebhaberinnen, von Schoßhunden, Schlosshunden, Haushunden, Hofhunden, "Funktionshunden", von Hundeglück und Hundeelend. Versuch einer kleinen bayerischen Hunde-Soziologie.

Von: Henrike Leonhardt

Stand: 03.04.2021 | Archiv

Auf seiner großen Europareise besuchte der fränkische Reiseschriftsteller Johann Georg Keyßler 1729 auch die bayerische Kurfürstin Amalie in ihren Schlössern. Was er dort sah, hielt er als Merkwürdigkeit in seiner Reisebeschreibung fest:

Verwöhnt und ungezogen: Hunde bei Hofe

"Die Hunde finden eine große Liebhaberin an ihr, welches man vornehmlich zu Nymphenburg an den übel zugerichteten damastenen Tapeten und Betten abmerken kann. Die kleinen englischen Windhunde gelten jetzt das meiste. Bei der Tafel stehen eine gute Menge derselben um die Kurfürstin und auf jeder Seite sitzt einer, die alles wegnehmen, was sie erwischen können. Nahe an der Kurfürstin Bette zu Schleißheim hat ein Hund ein golddamastseidenes kleines Gezelt mit einem Kissen."

(Johann Georg Keyßler, Reiseschriftsteller, 1729)

Nicht nur die Fürsten, auch das Volk war 'auf den Hund gekommen'

Wer nun denkt, derart auf den Windhund kommen kann nur eine jagd- und hundebegeisterte Kurfürstin – das Volk aber habe seinen mageren Bastard an die kurze Kette vors Haus gelegt, der liest mit Verwunderung eine Notiz im Kurfürstlichen Pfalzbayerischenen Regierungs- und Intelligenzblatt von 1796:

Bettelnde Hunde bei Tisch

"Es ist hier in München sehr gewöhnlich, daß viele Einwohner, vorzüglich der ärmeren Klasse, eine Anzahl von 4, 6 und 10 Hunden (...) unterhalten (...) Sieht man sich im Zimmer umher: so findet man alles unrein, Sessel, Canapee, Tische, Vorzüge, die Betten (denn die tollen Hundsliebhaber haben ihre fetten Mopperln beständig bey sich im Bette) und wenn man sich jählings einem Bette nähert, worin ein Hundsliebhaber liegt, so schießen sogleich 5 bis 6 wie wüthend unter der Decke hervor!"

. (Kurfürstliches, Pfalzbayerisches Regierungs- und Intelligenzblatt, 1796)

Ganz wie bei Kurfürstens? Nicht ganz: "Man denke sich dabey noch die gewöhnlich sehr engen Wohnungen dieser Leute!"

Und heute?

Fütterungstrend "B.A.R.F" - Fressen wie ein Wolf

Irgendwann wurde der Holznapf durch einen Blechnapf ersetzt, dann der verbeulte Blechnapf durch einen Plastiknapf. Der wurde gegen einen aus Edelstahl ausgetauscht, neuerdings muss es Edelholz sein.

Andere Hundemoden kommen weniger gediegen daher. Zum Beispiel beim Futter. Da ist "B.A.R.F." der Trend der letzten Jahre: - "Bones And Raw Foods", Knochen und rohes Futter. Eingedeutscht: Biologisches Artgerechtes Rohes Futter. Fressen wie die Wölfe!

Na ja ... Im Umgangsenglisch heißt "to barf" soviel wie - sich erbrechen!

Funktionshunde sind heute gefragt, was auch immer man damit meint – jedenfalls Hunde, die funktionieren: Die Landschaft wird zum Freizeitgelände, der Hund zum Fitnessgerät, der Sporthund hat die Wahl:

  • Agility: Eine dem Springreiten nachempfundene Sportart.
  • Canicross: der Hundeführer rennt hinter dem Hund her, der mit ihm durch eine am Bauchgurt befestigte elastische Leine verbunden ist.
  • Obedience: Bei Obedience muss der Hund mit seinem Menschen verschiedene Übungen meistern. Es geht ausschließlich um Gehorsam!

Und dann gibt es noch Dog Dancing, Dog Frisbee, Flyball, Mobyclass, Mobility, Mondioring und gefühlt hundert weitere Hundesportarten. Die Möglichkeiten sind anscheinend unbegrenzt.


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