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König der Krimis Filmlegende Helmut Ringelmann

Helmut Ringelmann gilt als der erfolgreichste Krimi-Produzent Europas. Er erfand Serien wie 'Derrick' und 'Der Alte' und landete mit ihnen Welterfolge. Dabei hat er als Produzent nicht nur für die Finanzierung seiner Serien gesorgt, er war immer auch maßgeblich an deren Entwicklung und konkreten Umsetzung beteiligt.

Von: Silke Wolfrum

Stand: 11.12.2021 | Archiv

"Seine Filme waren Straßenfeger, über alles wurde gesprochen, und die Serien, die er geschaffen hat, waren Meilensteile. Er war immer unheimlich stolz, wenn am Tag nach der Sendung die Quoten kamen. Die Quoten, die waren auch immer hervorragend gut. Da hat er natürlich sofort angerufen und gesagt, das lohnt sich. Wir machen weiter weiter weiter!"

(Gero Erhardt, Kameramann und Regisseur)

Über 30 Krimis pro Jahr

Helmut Ringelmann mit zwei seiner Kommissare: Horst Tappert "Derrick" (l.) und Rolf Schimpf "Der Alte" (r.)

„Wenn man im Jahr über dreißig Krimis produziert, ist der Verschleiß an guten Mördern ungeheuerlich“, sagte Helmut Ringelmann 1989. Er musste es wissen, denn dank ihm kamen ab den 60er Jahren zahllose Mörder in die bundesdeutschen Wohnzimmer. In 'Der Kommissar', 'Derrick', 'Der Alte', 'Polizeiinspektion 1' und 'Siska' wurde erstochen, erwürgt, vergiftet und erschossen, was das Zeug hielt. Und es ermittelten ruhige, biedere und sehr korrekte einsame Wölfe so lange, bis die Welt wieder in Ordnung war.

"Der Derrick wurde als zweitbeliebteste Serie der Welt gewählt nach ‚Die Straßen von San Francisco‘ und sogar im Jahr 1979 war er am ersten Platz in der Welt, also ein absoluter Erfolgsschlager, konkurrenzlos. Helmut wollte eigentlich gar keine Krimis machen. Er wollte Klassiker verfilmen und moderne Literatur, was er auch gemacht hat, aber nicht in dem Umfang. Aber seine Serien waren ein solcher Erfolg und eine solche Lawine, die immer weiter gerollt ist."

(Evelyn Opela-Ringelmann, Ehefrau)

Beim Fernsehen wurde er zum "Zar"

Filmproduzent Helmut Ringelmann mit Ehefrau Evelyn Opela-Ringelmann beim Bayerischen Fernsehpreis 2008.

Schon mit 17 fasste Helmut Ringelmann den Entschluss, Filmproduzent zu werden und wurde dann - zumindest laut Dominik Graf - der "vielleicht bislang größte Produzent des deutschen Fernsehens". Den Weg dorthin verfolgte er äußerst zielstrebig. Über einen kleinen, aber einflussreichen Umweg in der Theaterwelt kam er bald zur großen internationalen Filmszene, er assistierte geschickt Stanley Kubrick und anderen großen Regisseuren und machte dann den Sprung zum Fernsehen. Dort wurde er zum "Zar", zur "grauen Eminenz des westdeutschen Fernsehens" oder auch zum "Theaterfilmproduzentintendanten".

Helmut Ringelmann mischte sich in alle Produktionen stark ein, war Perfektionist mit künstlerischem Anspruch und Finanzexperte in einem. War das schon das Geheimnis seines Erfolges? Oder kamen seine Krimis einfach auch genau zur richtigen Zeit und versprachen einer gebeutelten Gesellschaft Ruhe und Ordnung?

Eine Art ritueller Tanz am Rande des Schrecklichen

Ringelmann selbst sah seine Krimis stets als Kunstwerke, die der moralischen Erbauung dienen sollten. Oder mit seinen Worten ausgedrückt: "Das Spiel um den Mord ist eine fast flehentliche Beschwörung, den Mord herauszunehmen aus seiner brutalen Realität. Es ist eine Art ritueller Tanz am Rande des Schrecklichen – mit Befriedigungen, die Erleichterung schaffen."

Helmut Ringelmann war mehr als nur der Krimi-König

Er hat Uschi Glas und Elmar Wepper in der Serie 'Die schönsten Jahre' aufs wirklich Schönste verbandelt. Hat Literaturverfilmungen und Dokudramen verantwortet und schon 1987, vor fast 40 Jahren, interaktiv gedacht.

In dem dreiteiligen Fernsehkrimi 'Wer erschoss Boro' sollte das Publikum zum Kommissar werden und mit Hilfe einer im Handel erhältlichen Handakte des Kommissars den Täter ermitteln. Als Hauptpreis wurde eine Summe von 100.000 DM ausgesetzt.

Ob Ringelmann die zahlreichen SOKOS & Co. im Fernsehen von heute wohl gefallen würden?


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