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Künstliches Kniegelenk Die Knie-Endoprothese

Das künstliche Kniegelenk sollte erst dann zum Einsatz kommen, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Es wird nötig bei fortgeschrittenem Verschleiß, wenn der Gelenkknorpel weitgehend abgenutzt ist. Es gibt verschiedene Arten.

Stand: 27.05.2018

Künstliches Kniegelenk (Gelenkprothese - Modell aus dem Jahr 2006) | Bild: picture-alliance/dpa

Es gibt Indikationen, die den Ersatz des Kniegelenkes durch ein künstliches Gelenk – Knie-Endoprothese genannt - notwendig machen. Bei modernen Knie-Endoprothesen kommen ausschließlich körperverträgliche Cobalt-, Chrom-, Nickel und Molybdän oder Titan-Legierungen zum Einsatz. Die Gleitkomponenten bestehen aus speziellen Kunststoffen, wie hochvernetztes Polyethylen.

Aufgabe einer Knieprothese

Eine Knieprothese versucht Form und Funktion eines normalen Kniegelenks nachzuahmen. Während des Einbaus sollte

  • so wenig eigenes Knochenmaterial wie möglich entfernt,
  • gesunde patienteneigenen Kniebandstrukturen erhalten und
  • nur die abgenutzten Knorpeloberflächen durch einen künstlichen Oberflächenersatz bzw. die zerstörten Kniegelenkteile durch Neuteile ersetzt werden.

Knieprothesen-Typen

Je nach Ausprägung und Krankheitsgrad der Zerstörung des Kniegelenks gibt es drei verschiedene Knieprothesen-Typen:

  • Die sogenannten Mono- oder Hemischlitten, ein einseitiger Oberflächenersatz
  • Der komplette Oberflächenersatz wird oft Doppelschlitten genannt.
  • Der vollständige Oberflächenersatz mit einer achsgeführten, gestielten Knieprothese.

"Individualprothesen werden bei Patienten angewendet, die Tumore haben oder öfter schon Prothesenwechsel hatten, bei denen also große Knochenteile fehlen."

Prof. Joachim Grifka

Operation: Einbau der Endoprothesen

Einbau eines künstlichen Kniegelenks.

Eine Knieprothese ersetzt die abgenutzte Knorpelgelenkfläche des Kniegelenks durch eine neue Oberfläche. Die betroffenen Knorpel- und Knochenschichten werden im Rahmen einer Operation entfernt und durch zwei künstliche Teile ersetzt. Um zu vermeiden, dass diese beiden Metall-Gelenkflächen aneinander reiben, wird zwischen die beiden Komponenten eine Kunststoffgleitfläche eingesetzt.

Konventionelle Operationsmethode oder minimal-invasiver Eingriff?

Die minimal-invasive Operationsmethode ist gewebeschonender, aber sie eignet sich nicht für jeden Patienten und Knieprothesentyp.

Wichtig: Bei kräftigeren Patienten mit ausgeprägter Unterhautfettschicht ist die minimal-invasive Operationsmethode nicht anwendbar.

Präzision durch Navigation

Die Navigation ist eine computertechnische Operationsmethode. Damit ist es möglich, die Beinachse exakt zu rekonstruieren, während der Implantatplanung die Beweglichkeiten zu messen und die Implantatplatzierung exakt auszuwählen. Außerdem ist es möglich, die Bandspannung exakt einzustellen. Das ist sonst so nicht möglich. Die Navigation führt zu einer besseren Belastungssituation und Langlebigkeit des Implantates.

Beanspruchung einer Prothese

Bei jüngeren Patienten ist die Lebensdauer der Prothesen kürzer als bei älteren. Denn junge Menschen sind meist aktiver als ältere, d.h. bei ihnen wird ein künstliches Gelenk wesentlich mehr beansprucht als bei alten Menschen. Die Schwachstelle ist der Knochen, an dem die Prothese befestigt ist. Der Grund: Der Knochen ist einem ständigen Prozess des Umbaus unterworfen. Vermehrte Belastungen wie Stoßbelastung durch Sprünge, ständiges Anlaufen und Stoppen oder Drehbewegungen, können im Grenzbereich zwischen Prothese und Knochen zum Abbau des Knochens und damit zu einer Lockerung der Prothese führen.

Komplikationen

Der häufigste Grund für die Gefährdung einer Implantation ist eine Infektion, die im Körper entsteht. Quellen für solche Infektionen können z.B. Zahnvereiterungen, entzündete Hämorrhoiden oder Nasennebenhöhlen, eine Darmentzündung oder auch nur eingewachsene Nägel sein. Deren Keime streuen im Körper bis ins Gelenk. Die Prothese selbst ist ein Stück Metall und hat keine Abwehrkraft. Wenn sich Keime an ihr festsetzen, kommt es zu einer Vereiterung. Um dem vorzubeugen, werden vor einer Knieoperation die Laborwerte des Patienten kritischer analysiert als bei anderen Operationen.

Kosten

Die Krankenkassen bezahlen alle Kosten der Behandlung, die ärztlich verordnet ist und im Krankenhaus stattfindet, unabhängig davon ob es sich um eine Prothese oder eine Knorpeltransplantation handelt.

Persönliche Empfehlung von Prof. Grifka

Bevor Sie sich für eine Operation entscheiden, sollten Sie selbst alle Möglichkeiten nutzen – zum Beispiel mit gezielten Übungen und Verhaltensmaßnahmen des Patientenratgebers "Die große Knieschule".

Falls Sie eine Operation benötigen, stellen Sie Ihrem Operateur gezielte Fragen, z.B. wie viele solche Operationen er pro Jahr selbst durchführt. Bei Knieprothesenoperationen hat der Gesetzgeber extra das Recht zur Einholung einer Zweitmeinung festgelegt.


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