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Umweltpsychologie Klimaschutz: Warum wir so viel wissen und so wenig tun

Eigentlich müsste man im Alltag mehr für den Klimaschutz tun, aber dann kommt doch wieder etwas dazwischen – Bequemlichkeit, Vergesslichkeit, Gewohnheit. Warum wir so viel wissen und trotzdem so wenig tun, erklärt die Umweltpsychologin Anke Blöbaum von der Universität Magdeburg.

Stand: 29.11.2018

Mülltonnen, aus denen Plastikmüll quillt | Bild: colourbox.com

Das Billigflug-Schnäppchen gebucht, das Obst in der Plastikverpackung gekauft, den Müll nicht korrekt getrennt – warum unser Verhalten in Sachen Klimaschutz im Alltag oft nicht dem entspricht, was wir eigentlich für richtig erachten, hat verschiedene Gründe, sagt die Umweltpsychologin Anke Blöbaum von der Universität Magdeburg. Da ist zunächst einmal die Gewohnheit, aber auch ein Gefühl der Vergeblichkeit oder Unbestimmtheit.

"Wenn Sie sich heute umweltschonend verhalten, sehen Sie nicht gleich morgen, dass es der Umwelt besser geht. Es fällt uns Menschen leichter zu handeln, wenn wir auch eine direkte Rückmeldung bekommen. Beim Klimaschutz merken wir die Resultate nicht sofort, das ist eine Herausforderung."

Anke Blöbaum, Umweltpsychologin

Die meisten Emissionen stammen aus privaten Haushalten

Als Einzelner nicht viel bewirken zu können, sei jedoch ein Trugschluss, auf den man immer wieder hinweisen sollte, betont Anke Blöbaum. Denn es sei erwiesen, dass ein Großteil der Emissionen in privaten Haushalten verursacht werde. Das Verhalten der vielen Einzelnen könne also sehr wohl einen Unterschied machen. Da sich Menschen oft mit anderen vergleichen, könne es aus psychologischer Hinsicht sinnvoll sein, auf positive Handlungen von Mitmenschen in Sachen Klimaschutz hinzuweisen.

"Wir orientieren uns an den anderen, auch wenn wir das nicht immer zugeben. Es wäre also wichtig, darüber zu informieren, welche positiven Effekte das Verhalten anderer Menschen hat – zum Beispiel mit dem Hinweis, dass immer mehr Menschen den Zug nehmen anstatt zu fliegen."

Anke Blöbaum, Umweltpsychologin

Staat und Bürger müssen für den Klimaschutz zusammenarbeiten

Das Handeln des Einzelnen sei das eine. Aber der gute Wille scheitere häufig an schwierigen Rahmenbedingungen oder mangelnden Alternativen zu Umweltsünden. Staat und Bürger müssten Hand in Hand für den Klimaschutz arbeiten, sagt die Umweltpsychologin. Von politischer Seite sollten Strukturen geschaffen werden, die umweltfreundliches Verhalten erleichtern – zum Beispiel durch ein Verbot von Einwegplastik. Die meisten Bürger würden das unterstützen, so Anke Blöbaum. In einer aktuellen Forsa-Umfrage zum Thema Plastikmüll sprachen sich 89 Prozent der Befragten sogar für ein komplettes Plastikverbot aus.


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