Bayern 2


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Heinrich und Klaus Mann Die Geschichte einer besonderen Beziehung

Heinrich Mann und Klaus Mann, Thomas Manns ältester Sohn, standen sich politisch sehr nahe: Der Onkel war für den Neffen ein wichtiges Vorbild, zeitweise sogar ein Vaterersatz. Ein besonderes Kapitel aus der Geschichte der berühmtesten deutschen Schriftsteller-Familie des 20. Jahrhunderts.

Von: Uwe Naumann

Stand: 27.03.2021 | Archiv

Heinrich und Klaus Mann | Bild: picture alliance/Keystone // picture alliance/AP Images

Es ist schon viel geschrieben worden über die komplizierte Vater-Sohn-Beziehung zwischen Thomas Mann und seinem ältesten Sohn Klaus, viel auch über die ungleichen Brüder Heinrich und Thomas Mann. Weitgehend unbeachtet blieb dagegen bisher das Verhältnis von Heinrich Mann und seinem Neffen Klaus – obwohl sich diese beiden politisch sehr nahe standen.

Der Onkel war, wie der zum größten Teil unveröffentlichte Briefwechsel zeigt, für den Neffen zeitlebens ein wichtiges Vorbild. Ein Roman wie Klaus Manns "Mephisto" ist ohne Heinrich Manns "Untertan" gar nicht zu denken. Onkel Heinrich war für Klaus eine Art geistiger Vater, zeitweilig sogar ein Vaterersatz.

Klaus Mann mit seiner Schwester Erika (1931)

"Ich habe Heinrich Manns Bücher schwärmerisch geliebt, ehe ich ihn persönlich kannte. (...) Später, als ich ihn die ersten Male sah, war ich schon durch Verehrung eingeschüchtert. Verehrung kompliziert menschliche Beziehungen, und schließlich fällt es fast schwer, in der Person, die das bewunderte Werk produziert hat, etwas anderes zu sehen als eben ein Werkzeug, das kein Eigenleben hat. Hinzu kommt Heinrich Manns besondere Art. (...) Seine Haltung ist von einer merkwürdig sanften und strengen Distanziertheit."

(Klaus Mann im 'Berliner Tageblatt' zum 60. Geburtstag seines Onkels im März 1931)

"Als wir unsere Heimat verließen, war es höchste Zeit"

Ein näherer Kontakt zwischen Neffe und Onkel entstand in der Tat erst in den späten Jahren der Weimarer Republik. Im europäischen und amerikanischen Exil, das für beide im Februar/März 1933 begann, rückten sie als politische Autoren und als Repräsentanten des „Anderen Deutschland“ eng zusammen.

Die Zeitschrift "Die Sammlung", in Amsterdam herausgegeben von Klaus Mann, eröffnete im September 1933 mit einem Artikel von Heinrich Mann:

Der Schriftsteller Heinrich Mann (1931)

"Als wir ausgewanderten Intellektuellen unsere Heimat verließen, war es höchste Zeit. Tags darauf drohte uns die Verhaftung und was noch sonst. (...)

Man hielt es nicht aus vor Ungeduld, wir möchten endlich dafür gezüchtigt werden, dass wir so lange und so sichtlich die geistig Überlegenen gewesen waren."

(Heinrich Mann in 'Die Sammlung')

"You can’t go home again"

Das Exil war lebenslänglich. "You can’t go home again" lautete Klaus Manns Resümee 1947, nach einer Reise durch Deutschland. 1949 nahm er sich in Cannes das Leben. Sein alter Onkel starb 1950 vereinsamt in Los Angeles. In dessen Nachlass fand sich ein Text "Klaus Mann zum Gedächtnis".

Am 27. März 2021 wäre Heinrich Mann 150 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass wiederholen wir ein Bayerisches Feuilleton von 2011, in dem Uwe Naumann die Geschichte von Klaus und Heinrich Mann anhand von Briefen, Tagebuchnotizen und Texten, die Neffe und Onkel übereinander geschrieben haben, erzählt.

Buchtipp:

Lieber und verehrter Onkel Heinrich

  • Autor: Klaus Mann
  • Herausgeber: Inge Jens und Uwe Naumann
  • Gebundene Ausgabe 304 Seiten
  • Verlag: Rowohlt; Auflage: 1 (16. September 2011)
  • ISBN-10: 3498032372
  • ISBN-13: 978-3498032371

Hörbuch-Tipp:

(Relaunch) Hörbuch Box-Set | Bild: Der Hörverlag (Edel) zum Artikel Die Kinder der Manns Hörbuch Box-Set mit 6 CDs

"Die Kinder der Manns" dokumentiert eine außergewöhnliche Familiengeschichte und präsentiert zugleich ein Panorama des 20. Jahrhunderts: sechs spannende und informative Features mit vielen Originaltönen der Familie Mann sowie den Stimmen von Rufus Beck, Gert Heidenreich, Sophie von Kessel, Ilse Neubauer u. v. a. [mehr]


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