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Familie Klare Regeln zum Essen

Klare Regeln beim Essen sind ratsam. So sollte genau festgelegt werden, wie viel Süßes das Kind am Tag essen darf.

Stand: 10.04.2018

Kinder beim Schokoladeessen | Bild: picture-alliance/dpa

Manche Kinder können sich das dann selbstständig aus einer Box nehmen. Für andere ist eine offene Packung Gummibärchen eine zu große Versuchung. Da sollten dann die Eltern dem Kind die Süßigkeiten für einen Tag geben. Wenn es gelernt hat, sich die Tagesration einzuteilen, kann man die Eigenverantwortung auf zwei Tage oder noch längere Zeitspannen ausdehnen.

Rituale und klare Regeln helfen

Beispielweise die Regel, dass nur nach dem Mittag- oder dem Abendessen genascht werden darf, also nachdem das Kind eine richtige Mahlzeit gegessen hat. Damit registriert das Kind auch, dass Süßigkeiten nicht dazu da sind, sich daran satt zu essen. Auch wenn man merkt, dass der Süßigkeitenbedarf außer Haus gedeckt wird - etwa bei den Großeltern oder am Kiosk - sollte man das Thema zurück an den Familientisch holen: Beispielsweise nachfragen, was das Kind eigentlich möchte und was ihm schmeckt, und dann eine altersgerechte Lösung finden.

Tipp: Nach einem Punktesystem vorgehen

Viele Kinder können mit einem Punktesystem gut umgehen. Ein Beispiel: Für Süßes und Konsorten gibt es Punkte. Will man am nächsten Tag auf ein Volksfest oder einen Kindergeburtstag gehen, kann man für den Super-Genuss-Tag süße Punkte ansparen. Dabei sollte man weniger mit dem aktuellen Verzicht argumentieren, sondern vielmehr mit dem Plus am nächsten Tag. Wichtig ist dabei, den Kindern das Gefühl zu geben, selbst entscheiden zu können, wie und ob sie die Zuckerwatte oder die Riesenbockwurst in ihre Ernährung einbauen. Das Jonglieren mit den süßen Punkten, stärkt die notwendige Eigenverantwortlichkeit der Kinder, denn die Versuchung, etwas zu essen, ist immer da.

Lieblingsspeise regelmäßig auf den Tisch

Kinder sollen auch immer mal wieder ihr Lieblingsessen essen dürfen.

Wichtig ist, dass die Kinder ihre Lieblingsspeisen immer wieder essen dürfen. Man könnte zum Beispiel ausmachen, dass jedes Familienmitglied einmal in der Woche seine Lieblingsspeise bekommt. Damit kann man andere Gerichte - wie etwa einen Gemüseauflauf - versüßen.

Sport für Couchkinder

Übergewichtige Kinder können häufig beim Schulsport die Anforderungen nicht erfüllen. Der damit verbundene Frust demotiviert zusätzlich. Expertin Streber rät schweren Kindern deshalb dazu, mindestens einmal wöchentlich zusätzlich zum Schulangebot eine Sportveranstaltung zu besuchen. Dabei sollten sie eine Sportart wählen, die ihnen wirklich Freude bereitet.

Ein gutes Vorbild sein!

Zentrales Moment ist nach Erfahrung der Familientherapeutin Streber die Tischkultur innerhalb der Familie:

"Die Kinder lernen ihr Essverhalten von den Eltern. Wenn diese nach einem Acht-Stunden-Tag abends auf der Couch Pralinen oder Chips essen, dann sieht die junge Generation, dass bereits die Eltern Stress und Antriebslosigkeit mit Essen kompensieren."

Agnes Streber, Ökotrophologin

Hilfe von außen

Wenn das Essthema zum Stressthema geworden ist, dann ist es Zeit, sich Unterstützung von außen zu holen. Wenn bei jeder Mahlzeit Ermahnungen mit auf den Tisch kommen, dann ist bereits ein Teufelskreis entstanden: Das Kind ist gefrustet, isst deshalb noch mehr, verliert die Lust sich zu bewegen und darunter leidet auch die Kommunikation. Wenn sich diese Spirale schon weit in Richtung Adipositas gedreht hat, dann sollte man sich professionelle Unterstützung (am besten in ambulanten Programmen) holen.

Essen lernen

Die zentralen Bausteine Ernährung, Bewegung und Elternarbeit sollten in den Familien- und Schulalltag langsam integriert werden. Durch ambulante Programme lernt auch manch übergewichtiger Elternteil, sein Gewicht zu reduzieren. Erst bei bereits adipösen, also krankhaft übergewichtigen Kindern sollte eine Kur überlegt werden. Bei der Vermittlung hilft der behandelnde Arzt. Eine Kur muss vor- und nachbereitet werden. Die meistens Kinder verlieren in der Kur fünf bis zehn Kilo.

"Aber: Ohne ambulante Nachbereitung sind drei Monate später sieben Kilo wieder drauf."

Agnes Streber von KinderLeicht München, die sechsmonatige ambulante Abnehmkurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene anbieten


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