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Das Bergfilmfestival Trient II Bergfilmer-Legende Kurt Diemberger im Porträt

Er ist ein Urgestein des Höhenbergsteigens und des Alpinismus und als Erstbesteiger zweier Achttausender eine lebende Legende: Kurt Diemberger. Auch als Filmemacher hat der Österreicher Furore gemacht und vor dreißig Jahren beim ältesten Bergfilm-Festival in Trient den Hauptpreis gewonnen: den „Goldenen Enzian“. Seitdem ist er Stammgast in Trient.

Von: Ernst Vogt

Stand: 09.05.2019

Kurt Diemberger | Bild: picture-alliance/dpa

Sitzt man mit Kurt Diemberger in einem Café in Trient, wird er ein ums andere Mal von Freunden und Weggefährten begrüßt. Der 87-Jährige strahlt eine große Vitalität aus und erzählt, dass er dreißig Jahre nach seinem Hauptpreis in Trient von der Internationalen Bergfilm-Vereinigung vor wenigen Monaten in Bilbao für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Begonnen hat sein Renommée mit Filmen aus den Alpen, zum Beispiel vom Peuterey-Grat.

Bei den Dreharbeiten am K2 verstarb Diembergers Partnerin

An seinen vor dreißig Jahren preisgekrönten Film denkt Kurt Diemberger mit gemischten Gefühlen zurück. Einerseits zählt die Preisverleihung zu seinen eindrucksvollsten Stunden, andererseits war es auch eine sehr traurige Stunde, da seine Partnerin Julie Tullies während der Dreharbeiten am K2 gestorben war, ebenso wie ein Dutzend anderer Bergsteiger, die in diesem verhängnisvollen Sommer 1986 am zweithöchsten Gipfel der Erde ums Leben gekommen waren.

Ernst Vogt kennt Kurt Diemberger von vielen Treffen

Kurt Diemberger ist mehrfach als Pionier in die Geschichte des Bergfilms eingegangen. Ihm gelang der erste Synchron-Tonfilm am Mount Everest. Dabei drehte er als Kameramann für die französische Expedition sogar auf dem 8.848 Meter hohen Gipfel. Dabei waren die technischen Voraussetzungen ganz anders als heute: Am Everest 1978 reichte ein Magazin nur für eine Minute und 15 Sekunden – dann musste es gewechselt werden. Zwei Monate Expedition sind kräftezehrend – und so hat Kurt Diemberger mit einer gewissen Bauernschläue am Everest die für ihn passende Verpflegung organisiert. Zwar hatte ihm der Expeditionsleiter strikt verboten, den Yakkäse mit an den Berg zu nehmen, doch da kannte er Kurt Diemberger schlecht. Zum Schluss schmeckte der Yakkäse auch dem Expeditionsleiter.

1987 drehte Kurt Diemberger schon am Mount Everest

Am höchsten Berg der Erde herrschen oft härteste Bedingungen. Einmal musste die Filmkamera bei einem Wettersturz im Hochlager zurückgelassen werden und ist dabei komplett vereist. Der Villacher Extrembergsteiger wusste sich zu helfen, hat nicht lange gefackelt und die Kamera mit der Kocherflamme „enteist“. Die Kamera, die ein Vermögen gekostet hatte, hat das überlebt und Kurt Diemberger ermöglicht, am Tag darauf Sturm- und Schattenszenen zu drehen, die er für die besten seines Lebens hält.

Heutzutage ist der 87-Jährige, der mit seiner Frau in der Nähe von Bologna lebt, vorwiegend in den Hügeln des Apennin unterwegs. Sein Rezept, um im Alter fit zu bleiben, heißt jeden Tag in Bewegung sein und gehen. Wer den einsamen Wanderer sieht, der bei Wind und Wetter, also auch bei Sturm und Schneetreiben zu seinem Hügel hinaufsteigt, kann sich wohl kaum vorstellen, dass dieser energiegeladene Senior sowohl den Mount Everest als auch den K2 bestiegen hat.


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