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Keine Hormone Auf der Suche nach der passenden natürlichen Verhütung

Hormone jahrzehntelang? Immer mehr Frauen wollen das nicht mehr. Und begeben sich auf die Suche nach einer für sie passenden hormonfreien Verhütung.

Stand: 19.09.2020

Paar diskutiert über Familienplanung | Bild: colourbox.com

50 Jahre Antibabypille

Die Anti-Baby-Pille – einst war sie als sichere Verhütungsmethode der Schlüssel zur weiblichen Emanzipation. Mit der Pille haben die Frauen ein Mittel, sich aktiv zu einem bestimmten Zeitpunkt gegen Kinder zu entscheiden. Dabei müssen sie sich nicht auf ihren Mann verlassen und die Anwendung ist einfach und sicher. Aber immer mehr Frauen hinterfragen die hormonelle Verhütung. Sie berichten in Foren und sozialen Netzwerken von teils massiven Nebenwirkungen: von starken körperlichen Beschwerden bis hin zu massiven psychischen Belastungen wie Panikattacken oder Depressionen.

Die Pille ist out

Diesen klaren Trend zeigen Studien der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung: So ging die Anwendung der Pille seit 2007 stetig zurück. Von 55 auf 47 Prozent der Befragten. Gleichzeitig benutzen Paare immer öfter Kondome. Hier stieg die Zahl im gleichen Zeitraum um immerhin 10 %. Außerdem verhüten immer mehr Paare mit der Kalender- und Temperaturmethoden, bereits 5 % der Befragten, das ist eine Verfünffachung im Untersuchungszeitraum. Die Pille hat einen Pearl-Index unter 1.

Der Pearl-Index 

Der Pearl-Index gibt die Sicherheit eines Verhütungsmittels an. Je niedriger er ist, desto sicherer ist das Verhütungsmittel. Die Zahl unter 1 bedeutet, dass von 100 Frauen, die mit der der Methode ein Jahr lang verhüten, weniger als eine schwanger wurde.

Was sind die Alternativen?

Verhütung soll nicht nur nebenwirkungsfrei sein, sondern vor allem auch sicher und einfach zu handhaben – das wünschen sich viele Frauen. Die Forschung beweist: Auch hormonfreie Verhütung kann ähnlich sicher sein wie die Pille. Zum Beispiel die natürliche Familienplanung.

Natürliche Familienplanung

Als Grundlage für die Natürliche Familienplanung NFP dient der Zyklus der Frau. Es gilt, die "gefährlichen", also fruchtbaren Tagen im Zyklus festzustellen. Durch genaue Zyklusbeobachtung, Aufzeichnung und Auswertung verschiedener Anzeichen kann bestimmt werden, in welcher Phase des Zyklus sich die Frau befindet. Die Bestimmungsmethoden sind:

  • Sorgfältiges Messen der Basaltemperatur jeden Morgen um dieselbe Zeit
  • Beobachtung des Zervixschleims
  • Eintragen der Ergebnisse in die Temperaturkurve oder eine App

Apps haben die Natürliche Familienplanung bekannter gemacht. Doch nicht alle Apps sind gleich sicher, betont Dr. Petra Frank-Hermann, die an der Universitätsfrauenklinik Heidelberg zu NFP geforscht hat. Ihr Fazit: Viele Methoden haben keine wissenschaftliche Überprüfung. Vor allem am Anfang der fruchtbaren Zeit geben diese Apps oft Prognosen nach dem Motto "In den letzten drei Zyklen hat deine fruchtbare Zeit da und da begonnen. Also wird es im nächsten Zyklus auch so sein". Die Gynäkologin Frank-Herrmann hält das für wissenschaftlich unseriös und genauso unsicher wie beispielsweise folgende Prognose: In diesem März hat die Sonne geschienen, also wird im März im nächsten Jahr auch wieder die Sonne scheinen.

"Es gibt durchaus seriöse Studien zu NFP. Dabei zeigt sich: Die Schwangerschaftsraten waren vergleichbar mit der Verhütungssicherheit der Pille, wenn Frauen in der von ihnen festgestellten fruchtbaren Zeit keinen ungeschützten Verkehr hatten."

Dr. Petra Frank-Hermann

Barrieremethode: Diaphragma

Das klassische Kondom ist vielen bekannt. Das Diaphragma, die weibliche Variante, kennen nicht so viele. Dabei ist diese Methode völlig nebenwirkungsfrei und in etwa genauso sicher wie ein Kondom (Pearl-Index 2-20). Beim Diaphragma handelt es sich um einen Verhütungsring, an dem eine Plastikfolie aufgespannt ist. Das Diaphragma wird mit einem spermienhemmenden Gel kombiniert. Richtig in die Vagina vor dem Muttermund eingesetzt, verhindert es, ähnlich wie ein Kondom, dass Samenzellen auf die Eizelle treffen können. Das richtige Einsetzen kann beim Frauenarzt oder bei Beratungsstellen der "pro familia" geübt werden.

"Das Diaphragma muss wirklich stabil aufgespannt sein. Wenn Schwierigkeiten auftreten, empfehle ich immer die Beratungsstellen aufzusuchen und professionellen Blick darauf zu richten, sonst ist es nutzlos. Aber bisher hat sich noch keine Frau, die wir geschult haben, rückgemeldet, dass das für sie nicht praktikabel war. Und es dauert nur Sekunden, bis sie das einsetzen."

Dr. Helga Schwarz, pro familia München

Kupferspirale, Kupferkette, Kupferball

Anders als eine Hormonspirale, gibt die Kupferspirale keine Hormone ab. Stattdessen werden aus dem Kupferdraht geringe Mengen Kupfer in die Gebärmutter freigesetzt. Dadurch verändert sich nicht nur die Gebärmutter-Schleimhaut, sondern auch die Mobilität der Spermien. Von der Sicherheit gelten alle kupferhaltigen Verhütungssysteme als sehr gut: Sie haben einen Pearl- Index unter 1, vergleichbar mit der Pille. Doch die Kupferspirale oder das neuere Modell die Kupferkette können Nebenwirkungen haben wie Schmerzen und starke Blutungen. Dann passt eventuell die Größe nicht. Selten kommt es zu Ausstoßen. Bei manchen Modellen können jedoch unbemerkt Seitenarme abbrechen. Diese Gefahr stellte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte im Januar 2020 fest, und hat daraufhin eine Warnung an Trägerinnen der Kupferspiralen Modelle "Ancora", "Novaplu" und "Gold T" ausgesprochen. Der Kupferball, der in der Gebärmutter frei liegt, ist noch nicht lange auf dem Markt, deswegen könne man laut Helga Schwarz, noch kein Urteil zur Zufriedenheit der Frauen dazu abgeben.


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