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Dreckschleuder Auto Kampf um den Kat in den 80er Jahren

Reichen Software-Updates oder muss an der Hardware nachgebessert werden? Die Diskussion um die Nachrüstung bei Dieselautos ist in vollem Gang. Das Ganze erinnert stark an die Einführung des Katalysators in den 80er Jahren. Damals zogen die Autobauer erstmals alle Register, um das zu verhindern. Henrike Busch blickt zurück und findet erstaunliche Parallelen zur heutigen Debatte.

Von: Henrike Busch

Stand: 08.03.2018

Autoabgase | Bild: picture-alliance/dpa

Es ist der 19. September 1984. Die Bundesregierung in Bonn beschließt die Einführung des Katalysators für alle Benziner:

"Der Katalysator ist eine Jahrhundertentscheidung, eine Großtat. Es gibt nur zwei Länder in der Welt, die ähnliches versucht haben. Das eine ist ein Kontinent, Amerika, die sind noch nicht fertig damit. Und Japan, eine Insel. Die sind fertig damit, haben aber vor zehn Jahren begonnen. Das hätten unsere früheren Regierungen auch tun sollen. Schneller wie wir es gemacht haben, ging es nicht."

Friedrich Zimmermann, damaliger Bundesinnenminister

Grüne kristisierten langsame Umsetzung

Friedrich Zimmermann. Bundesinnenminister, damals auch für die Umwelt zuständig, für die es noch kein eigenes Ministerium gab. Vom ersten Januar 1989 an, so der Beschluss, muss der Abgaskatalysator in jedem neuen Auto eingebaut sein. Mit ihm können die Emissionen der Fahrzeuge um über 90 Prozent gesenkt werden. Notwendige Voraussetzung: bleifreies Benzin, das es damals noch kaum zu tanken gab. Kritik am Zeitplan kommt von Umweltschützern und aus der Opposition. Denn die große Sorge der Zeit ist der saure Regen und das Waldsterben.

"Wir stehen in einem Wettlauf mit der Zeit. Der Wald wartet nicht, bis alle Autos mit Katalysatoren ausgestattet sind. Er stirbt heute und morgen und nicht erst ab 1989. Deshalb muss man sagen, dass die Maßnahmen der Bundesregierung viel zu spät greifen und dem Wald nicht helfen werden."

Wolfgang Ehmke, damaliger Bundestagsabgeordnete der Grünen und späterer Anti-Atomkraft-Aktivist

Gegenwind aus der Autoindustrie

Ursprünglich soll der Kat eigentlich schon drei Jahre früher, also 1986, Pflicht für Neuwagen werden. Doch auf Druck der Autobranche ändert die Regierung Kohl ihren Kurs. Achim Diekmann, damaliger Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie, rechnet ihr vor: Autos würden 5000 Mark teurer, der Kat müsse außerdem alle fünf Jahre ausgewechselt werden und der Verbrauch würde steigen. In der Konsequenz verkaufe man weniger Autos und gefährde dadurch Arbeitsplätze.

Dasselbe Muster wie damals

Dass der Kat funktioniert, ist damals allen klar. Er wird bereits maßgeblich in Deutschland entwickelt und in Japan und Kalifornien fahren schon seit Jahren entsprechend umgerüstete Neuwagen, selbst in den Export-Autos deutscher Hersteller ist der Kat eingebaut. Axel Friedrich, der den heutigen VW-Diesel-Skandal ins Rollen brachte, erkennt in der jetzigen Debatte das Muster von damals:

"Das heißt, wie jetzt auch argumentiert wird. Die Grenzwerte sind viel zu scharf, wir brauchen es gar nicht. Der zweite Punkt ist dann: es geht technisch nicht, was für die Nachrüstung jetzt gerade behauptet wird und der dritte Punkt ist: Wenn man es bezahlen muss ist es zu teuer."

Axel Friedrich

Was Friedrich meint, ist unter anderem die SCR-Technik. Dessen Wirksamkeit in Studien nachgewiesen ist. Die Kosten für den Einbau eines Nachrüst-SCR-Katalysators beziffert der ADAC mit 1400 bis 3300 Euro. Der Kampf um den Kat in den 80er Jahren ist auch ein internationaler. Die europäischen Nachbarn nehmen die deutschen Ängste über das Waldsterben und den sauren Regen nicht ganz so ernst und fordern flexiblere Vorschriften und längere Übergangsfristen. Den deutschen Autobauern kommt das zu pass. Die Verantwortung dafür, dass Deutschland sich in Brüssel nicht durchsetzen kann, haftet Innenminister Zimmermann an.

"Das Ergebnis von Brüssel, meine Damen und Herren, ist genau betrachtet, die größte umweltpolitische Niederlage einer Bundesregierung bisher. Herr Zimmermann, sie sind der umweltpolitische Umfaller der 80er Jahre."

Harald B. Schäfer SPD

Katalysator-Pflicht seit 1993

Die Einführung läuft stufenweise. Kaufanreize werden über die KfZ-Steuer gegeben. Wer schon bis 1986 ein Auto mit Kat kauft, wird mit einer hundertprozentigen Befreiung von der KfZ-Steuer belohnt. Je später der Umstieg, desto kleiner das staatliche Geschenk. Letztendlich geht die Rechnung auf: Ab 1993 sind auch die Nachbarländer an Bord, es gilt eu-weit der Kat-Zwang.


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