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Kakaobauern in Afrika Fünf Cent mehr pro Tafel Schokolade wären fair

Sie steckt in vielen Adventskalendern – und am Nikolaustag auch wieder in den Stiefeln vor der Tür: Schokolade. Die Süße hat aber auch einen bitteren Beigeschmack. Die meisten Kakaobauern in Afrika bekommen zu wenig für ihren Kakao und leben unterhalb der Armutsgrenze. Schon fünf Cent mehr pro Tafel Schokolade könnten helfen, sagt Friedel Hütz-Adams vom Südwind-Institut für Ökologie und Ökumene, das sich für gerechte Wirtschaftsbeziehungen einsetzt.

Stand: 03.12.2019

Frau beißt von einer Tafel Schokolade ab | Bild: picture-alliance/dpa

Woher kommt die Schokolade, die wir essen? Und unter welchen Bedingungen wird der Kakao für die Schokolade angebaut und geerntet? Diesen Fragen geht Friedel Hütz-Adams nach. Er arbeitet am Südwind-Institut für Ökologie und Ökumene, das sich für gerechte Wirtschaftsbeziehungen einsetzt.

Veronika Lohmöller, radioWelt: Wo kommt denn der Kakao normalerweise her, der bei uns in den Schokoladen und Schokonikoläusen steckt?

Hütz-Adams: Über 90 Prozent von dem Kakao, den wir hier in Deutschland konsumieren, kommen aus Westafrika. Da insbesondere von der Elfenbeinküste und aus Ghana. Spezialitäten-Schokoladen kommen darüber hinaus häufig aus Lateinamerika.

Wie sind die Bedingungen in diesen Anbauländern? Zum Beispiel an der Elfenbeinküste oder in Ghana.

In beiden Ländern haben wir mehrere Millionen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die Kakao anbauen. Der größte Teil von ihnen lebt aber unterhalb der Armutsgrenze, weil ihre Einkommen nicht hoch genug sind.

Was bekommen denn die Landwirte für ein Kilo Kakao?

Der Kakaopreis liegt im Moment bei knapp 1,40 Euro pro Kilogramm. Aus einem Kilogramm Kakao kann man rund 26 Tafeln Schokolade herstellen. Das heißt, bei den Bäuerinnen und Bauern kommen nur wenige Cent pro Tafel an.

Auf welchen Monatslohn kommen sie dann?

Es gibt Erhebungen, dass die Einkommen aus Kakaoanbau der meisten Haushalte bei 2.500 Dollar im Jahr liegen. In Euro sind das ca. 2.250 Euro. Geteilt durch zwölf macht das nicht einmal 190 Euro im Monat.

Und das ist gerechnet für die ganze Familie?

Ja, nicht pro Kopf, sondern 190 Euro im Monat für die ganze Familie.

Da kriegt die süße Schokolade einen bitteren Beigeschmack.

Das ist das Problem. Es geistern ja auch immer wieder Berichte über Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen durch die Medien. Aber die eigentliche Ursache für Kinderarbeit und die niedrigen Einkommen und die Armut der Bäuerinnen und Bauern ist einfach, dass sie zu wenig für ihren Kakao bekommen.

Wie teuer würde Schokolade denn werden, wenn die Bauern einen fairen Preis bekommen sollten.

Es gibt da eine Reihe von Berechnungen. Das Einkommen müsste doppelt so hoch sein, wie es aktuell ist. Dann wäre es existenzsichernd. Das klingt erstmal viel, aber auf eine Tafel Vollmilschschokolade hochgerechnet relativiert sich das: In einer Tafel steckt derzeit Kakao im Wert von vier oder fünf Cent. Diesen Preis müssten wir also verdoppeln, damit es den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zum Leben reicht. Und wenn wir das täten, würde Schokolade in Deutschland nicht unerschwinglich werden. Aber die Landwirte hätten ein existenzsicherndes Einkommen.

Frage an Sie als Privatmensch, nicht als Wissenschaftler: Wie gehen Sie damit um, wenn Sie am Freitag einen Nikolaus aus "ganz normaler" Schokolade geschenkt bekommen statt aus fairer Schokolade?

Nachdem ich schon seit zehn Jahren mit dem Thema Schokolade arbeite, weiß mein Umfeld, dass es sehr vorsichtig damit sein muss, welche Schokolade er mir schenkt. Aber im Zweifelsfall würde ich sie lieber essen als wegzuwerfen.


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