Bayern 2


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Kropf, heiße und kalte Knoten Jodmangel und seine Folgen

Wird dem Körper nicht genug Jod zugeführt, kann die Schilddrüse nicht entsprechend Hormone produzieren. Die Folge ist eine mangelnde Versorgung des Körpers mit diesen lebensnotwendigen Wirkstoffen.

Von: Sabine März-Lerch

Stand: 26.01.2021

Junge Frau bei der Schilddrüsen-Szintigraphie | Bild: picture-alliance/dpa

So versucht der Körper, dies zunächst auszugleichen - ebenfalls über den Regelkreis zwischen Hypophyse, Hypothalamus und Schilddrüse. Zuerst einmal werden die Zellen der Schilddrüse vom Gehirn trotzdem stimuliert, Hormone zu bilden (auch wenn dies aufgrund des Jodmangels nicht möglich ist).

Die Vergrößerung der Schilddrüse – Struma (Kropf)

"Der Körper versucht, den Jodmangel zunächst einmal so zu steuern, dass die Schilddrüse größer wird. Die Schilddrüse kann sehr groß und sichtbar werden. Diese Schilddrüsenvergrößerung nennt man eine Struma (landläufig auch als Kropf bezeichnet). Die Kropfbildung wiederum kann in eine Knotenbildung ausarten. Diese Knotenbildung ist in aller Regel nicht bösartig."

Prof. Klemens Scheidhauer

Heiße und kalte Knoten

Knoten in der Schilddrüse sind Areale, die sich entweder nicht mehr oder zu stark an der Hormonproduktion beteiligen. Die einen - untätigen - Areale werden "kalte Knoten", die anderen werden "heiße Knoten" genannt.

"Die Knotenbildung als solches hat mit der Funktion der Schilddrüse zunächst erst mal wenig zu tun. Knoten entstehen, weil sich durch den Wachstumsanreiz die Zellen nicht gleich-, sondern unregelmäßig bilden. Aber darüber kann eben dann auch der Mechanismus einer normalen Schilddrüsenhormonproduktion gestört werden; und zwar in der Form, dass die Schilddrüsenknoten sich verselbständigen - wir sagen dazu, dass die Knoten autonom werden. Autonom heißt, dass diese Knoten automatisch Jod aufnehmen und nicht, weil es das TSH über den Regelkreis so vorgibt. Wenn also ein sogenannter autonomer Knoten über die Nahrung, über Medikamente oder über Kontrastmittel (zum Beispiel beim Röntgen) zu viel Jod angeboten bekommt, dann produziert dieser Schilddrüsen-Anteil zu viel Hormon. Und es kommt zur Überfunktion des Organs, die auch extrem sein und sogar mit gefährlich hohem Fieber einhergehen kann."

Prof. Klemens Scheidhauer

Szintigraphie

Mit einer Szintigraphie werden heiße und kalte Knoten diagnostiziert. Bei dieser Untersuchung spritzt man dem Patienten schwach radioaktive Substanzen. Über das bildgebende Verfahren zeigt die Aufnahme - das Szintigramm - blaue oder rote Areale. Blau sind dabei die kalten und rot die heißen Knoten der Schilddrüse, je nachdem, wie wenig oder wie stark die radioaktive Substanz in den Knoten angereichert wurde. Eine Struma ohne autonome Knoten, also eine reine Schilddrüsenvergrößerung, kann sich zurückbilden, wenn wieder genügend Jod vorhanden ist, z.B. durch Jodtabletten.

"Knoten stellen ihre Funktion oft im Laufe der Zeit ein und degenerieren, aber auch das ist nicht bösartig. Trotzdem sollte man Knoten beobachten, ob sie weiterwachsen, denn auch dieses Wachstum kann sich verselbständigen. Normalerweise bleiben Knoten dann stabil, wenn genügend Hormon bzw. Jod wieder vorhanden ist. Dass Knoten auch bösartig werden können, muss man natürlich berücksichtigen, das ist aber sehr, sehr selten. Deswegen empfiehlt man bei vorhandenen Knoten einmal im Jahr eine Ultraschallkontrolle."

Prof. Klemens Scheidhauer

Knoten können eine Operation erfordern, bei der die Knoten entfernt werden oder manchmal auch die komplette Schilddrüse. Dann muss mit Tabletten das fehlende Hormon ausgeglichen werden. Heiße Knoten können häufig über eine Radiojodtherapie ausgeschaltet. Damit kann unter Umständen eine Operation vermieden werden. Dabei wird dem Körper eine winzige Menge an radioaktivem Jod zugeführt, das seinen Weg quasi "automatisch" findet, denn es wird im Körper nur von den Schilddrüsenzellen aufgenommen, die zu viel arbeiten. Hierbei verursacht die Radioaktivität Schäden, die zum programmierten Zelltod führen, aber eben nur an diesen unerwünschten Zellen.

"Und wenn dann noch genügend gesunde Zellen da sind, kann sich die Schilddrüsenfunktion wieder sogar ganz normalisieren."

Prof. Klemens Scheidhauer


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