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Eva Schreiner von Fridays For Future "Wir müssen unsere Lebensweise hinterfragen"

5 Tage, 5 Aktivist*innen - im Stadtradio Nürnberg stellen wir Nürnberger*innen vor, die sich engagieren. Eine von ihnen: Eva Schreiner von Fridays For Future. Im Interview spricht die 18-Jährige über ihre Motitavion und Wünsche.

Stand: 09.07.2020

Eva Schreiner von Fridays For Future Nürnberg | Bild: Luka Anders

Unsere erste Frage an die Aktivist*innen: Welches Zitat hat dich inspiriert?
Eva Schreiner hat uns dieses Zitat mitgebracht:

"If the solutions within a system are so difficult to find, maybe we should change the system itself."

Greta Thunberg

Also: "Wenn es so schwer ist, Lösungen innerhalb eines Systems zu finden, sollten wir vielleicht das System an sich ändern."

Warum hast du dir dieses Zitat ausgesucht?

Eva Schreiner: Ich habe mir das Zitat ausgesucht, weil es irgendwie auch meinen Weg bei Fridays for Future ein bisschen skizziert. Denn ich bin dazu gekommen mit total viel Mut und total viel Lust, die Welt zu verändern und etwas zu verbessern. Ich habe dann auch sehr schnell gemerkt: Es gibt schon Möglichkeiten. Es gibt die technischen Lösungen. Es gibt erneuerbare Energien. Es gibt neue Modelle fürs Zusammenleben. Aber irgendwie will die Politik sie nicht durchsetzen. Das haben wir schnell gesehen und haben Lösungen gefunden und uns verschiedene Wege ausgedacht. Aber im Grunde ändert sich momentan noch nicht genug und wir laufen immer noch direkt auf die Klimakrise zu.

Deswegen habe ich dann auch auf meinem Weg zum Aktivismus angefangen, darüber nachzudenken, wenn es die Lösungen ja gibt, warum wir sie trotzdem nicht finden und sie nicht umgesetzt werden. Vielleicht müssen wir mehr darüber nachdenken, ob wir das ganze System verändern müssen.

Du hast gerade schon Lösungen angesprochen. Was wünschst du dir als Fridays for Future-Aktivistin?

Eva Schreiner: Ich wünsche mir natürlich, dass das Pariser Klimaabkommen eingehalten wird - also dass wir unter einer Erderwärmung von 1,5-Grad bleiben - weil das den katastrophalsten Folgen vorbeugen würde. Aber ganz konkret zum Beispiel in Nürnberg wünsche ich mir, dass unsere Forderungen umgesetzt werden. Wir haben im Januar ein 30-seitiges Papier veröffentlicht und das wäre natürlich für Nürnberg schon mal ein super Anfang, wenn da alles umgesetzt werden könnte. Und auch deutschlandweit haben wir verschiedene Forderungen, zum Beispiel ganz aktuell den Kohleausstieg bis 2030. Da wurde ja jetzt ein Gesetz für 2038 veröffentlicht, das ist einfach nicht genug.

Und allgemein wünsche ich mir auch, dass wir unser System mehr hinterfragen - unser kapitalistisches Wirtschaftssystem, die Art und Weise, wie gerade politische Entscheidungen getroffen werden. Einfach, dass wir mal da anfangen, darüber nachzudenken, denn das passiert in meinen Augen noch nicht.

Greta Thunberg hat das Zitat vor zwei Jahren gebracht. Hast du seitdem schon Veränderung wahrgenommen in Deutschland?

Eva Schreiner: Ich habe das Gefühl, gesellschaftlich hat sich schon was getan. Es ist irgendwie viel mehr in den Fokus gerückt. Es wird vielmehr darüber gesprochen. Aber politisch sehe ich leider wenig Bewegung. Es wird schon darüber gesprochen und das ist schön. Und es wird nach Lösungen gesucht. Aber es ist eben nicht die nötige Zustimmung da, die es bräuchte. Wir machen mal dies und mal das und es gibt eben das 1,5-Grad-Ziel. Und wenn das nicht eingehalten wird, dann kommt die Klimakrise mit ihrer ganzen Härte. Und das ist eben nicht ein Grad mehr oder weniger. Da sehe ich uns gerade in Deutschland und auch weltweit noch gar nicht. Und die Entscheidungen werden auch nicht anders getroffen. Lobbyismus hat einen großen Einfluss, die Kohlelobby zum Beispiel. Deshalb finde ich, dass wir da noch nicht weitergekommen sind.

Wo sollte man da jetzt ansetzen? Was muss man deiner Meinung nach ändern?

Eva Schreiner: Ich glaube, dass wir an sehr vielen Punkten ansetzen müssen. Politisch dürfen auf jeden Fall Entscheidungen eben nicht nach Profitinteresse getroffen werden, sondern tatsächlich auch mal, um Klimaschutzmaßnahmen ergreifen zu können. Und auch Klimagerechtigkeit ist ganz wichtig - nicht nur hier für uns in Deutschland, dass wir es guthaben, sondern dass auch der globale Süden mitgedacht wird, dass wir auch da niemanden mehr ausbeuten. Dass Entscheidungen von Profitinteressen abgekoppelt werden und Lobbyismus nicht mehr so einen großen Einfluss nehmen kann. Und sonst auch allgemein, dass wir unser gesamtes System hinterfragen. Momentan ist unser Bruttoinlandsprodukt irgendwie so ein Maßstab für Glück. Aber ist es das wirklich? Ist es wirklich erstrebenswert, 40 Stunden die Woche zu arbeiten? Ich denke, man sollte auch mal unsere Lebensweise an sich hinterfragen dürfen.


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