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Erste Impfungen Impfungen für Kinder und Jugendliche

Die Impfhistorie eines Menschen beginnt bereits im Alter von wenigen Monaten. Mit Mehrfachimpfungen versucht man, Kleinkinder möglichst umfassend zu schützen.

Von: Holger Kiesel

Stand: 03.04.2019

Ein Säugling erhält mit einer Spritze Impfschutz vor sechs gefährlichen Krankheiten: Diphterie, Tetanus, Keuchhusten, Hepatitis B, Kinderlähmung und Haemophilius influenzae Typ b (Hib). | Bild: picture-alliance/dpa

Die erste Impfung im Leben eines Menschen ist in der Regel die sogenannte 'Sechsfach-Impfung' im Alter von etwa zwei Monaten. Mit dieser Kombinationsimpfung werden sechs Krankheitsbilder gleichzeitig abgedeckt: Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphterie, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hepatitis B (Gelbsucht) und Hämophilus Influenza B (verursacht die lebensbedrohliche Kehldeckelentzündung). Zusätzlich werden die Kinder in diesem Alter noch gegen Pneumokokken geimpft. Sie lösen neben Lungenentzündungen auch Hirnhautentzündungen und schwere Mittelohrentzündungen aus.

Weitere Impfungen im Kleinkindalter

Nach und nach folgen dann Impfungen etwa gegen den Rotavirus (schwerer Magen-Darm-Erreger) oder gegen Meningokokken (Auslöser der Hirnhautentzündung). Mit etwa einem Jahr kommen dann die Impfungen gegen die klassischen Kinderkrankheiten (Masern, Mumps, Röteln, Windpocken) dazu. Mit ca. zwei Jahren ist dann der größte Teil der Impfarbeit abgeschlossen.

Warum Mehrfachimpfungen sinnvoll sind

Manche Eltern sorgen sich, sie könnten ihrem Kind schaden, wenn sie es in einer einzigen Spritze gleich gegen mehrere Erkrankungen impfen lassen. Aber das Verfahren hat ganz entscheidende Vorteile: Erstens bedeutet eine Spritze immer weniger Stress und Aufregung für Eltern und Kind als mehrere. Zweitens wird dadurch auch die Gefahr lokaler Irritationen (Rötung, Schwellung, leichte Entzündung) durch die Injektion verringert. Das Wichtigste aber ist: Studien belegen, dass Mehrfachimpfungen das kindliche Immunsystem NICHT übermäßig belasten, sondern sogar deutlich weniger als der normale Kontakte mit anderen Menschen (etwa in der U-Bahn).

Impfungen bei Schulkindern

Im Kindergartenalter, aber spätestens bei der Einschulungs-Untersuchung werden dann in der Regel die Impfungen nochmal aufgefrischt bzw. fehlende Impfungen entsprechend nachgeholt. Zusätzlich werden noch Impfungen durchgeführt, die vor allem lokal wichtig sind. In Bayern ist das etwa die Frühsommer-Meningoenzephalitis (Hirnhautentzündung durch Zecken). Mit der Volljährigkeit sollte dann der Impfstatus erneut überprüft werden.

Humane Papillomviren (HPV)

Ab etwa neun Jahren können Kinder und Jugendliche auch gegen die humanen Papillomviren geimpft werden. Sie verursachen Gebärmutterhalskrebs, aber auch andere Krebsarten im Anal- und Halsbereich. Seit Juni 2018 empfiehlt die Ständige Impfkommission die Impfung auch für Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren. Gefordert haben Experten das schon lange. Auch bis zum 18.Geburtstag (und teilweise darüber hinaus) wird die Impfung noch als Nachholimpfung übernommen.

"Denn meist sind die Jungen die Überträger dieser Viren. Sie sitzen in der Schleimhaut des Penis und werden dann durch Geschlechtsverkehr übertragen – nicht einmal Kondome bieten hier vollständigen Schutz. Außerdem können sich auch Männer über Analverkehr infizieren."

Prof. Jörg Schelling, ehemaliger Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der LMU München und Mitglied der bayerischen Landesarbeitsgemeinschaft Impfen

Schwere Nebenwirkungen der HPV-Impfung?

"Einzelfallberichte und eine umstrittene Studie zur HPV-Impfung, die in Japan für Aufsehen sorgte aber inzwischen zurückgezogen wurde, stellten mögliche schwere Nebenwirkungen der HPV-Impfung in den Raum. Sicherlich müssen jede Impfung und jedes Medikament und die möglichen Nebenwirkungen auch nach der Zulassung beobachtet werden, und grundsätzlich ist kritische Aufmerksamkeit nicht zu beanstanden. Die genannten Nebenwirkungen und Berichte sind jedoch so nicht nachvollziehbar und stellen die grundsätzliche Sinnhaftigkeit dieser Impfung nicht in Frage."

Prof. Jörg Schelling


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