Bayern 2


5

Impfungen für Erwachsene Weniger Impfungen nötig als für Kinder

Im Erwachsenenalter nimmt die Zahl der nötigen Impfungen deutlich ab. Auf jeden Fall sichergestellt sein sollte aber, dass der Schutz gegen die klassischen Kinderkrankheiten (Masern, Mumps, Röteln, Windpocken) gegeben ist, entweder durch zwei dokumentierte Impfungen oder dadurch, dass die Erkrankung als Kind durchgemacht wurde.

Von: Holger Kiesel

Stand: 02.06.2020

Ein Arzt übergibt einer Patientin den internationalen Impfpass. | Bild: picture-alliance/dpa

Ist dies nicht der Fall, sollte zumindest der Schutz gegen Masern nachgeholt werden. Junge Frauen sollten zudem auch unbedingt gegen Röteln und Windpocken geschützt sein, da eine Infektion in der Schwangerschaft katastrophale Folgen für Mutter und Kind haben kann. Neu seit 2020 ist die Impfung gegen Keuchhusten in der Schwangerschaft.

Impfungen regelmäßig auffrischen

Auch die Impfungen gegen Tetanus, Diphterie und Keuchhusten sollten bei Erwachsenen regelmäßig (alle zehn Jahre) aufgefrischt werden. Ebenso die Impfungen gegen Kinderlähmung, falls sie noch nicht vollständig durchgeführt wurden. Hinzukommen können Impfungen aufgrund beruflicher Risiken (z.B. Hepatitis) und Reiseimpfungen.

Warum soll in der Schwangerschaft gegen Grippe und Keuchhusten geimpft werden?

Durch eine Impfung während der Schwangerschaft kommt es zur Bildung von Antikörpern, die sowohl die werdende Mutter als auch das Neugeborene vor dieser Krankheit schützen. Säuglinge sind besonders gefährdet. Bei ihnen kann eine Infektion zu Apnoen (Atemstillstand), Pneumonien (Lungenentzündungen), Otitiden (Ohrenentzündungen), Enzephalopathien (Funktionsstörungen des Gehirns) und auch zu Lungenhochdruck führen. Eine Impfung bei Säuglingen ist erst ab dem Alter von zwei Monaten möglich und erst nach zwei bis drei Impfstoffdosen wird ein ausreichender Schutz aufgebaut. Ein Nestschutz für den Säugling in den ersten Lebensmonaten durch eine Übertragung von mütterlichen Antikörpern vor der Geburt ist sehr unwahrscheinlich. Eine Impfung während der Schwangerschaft führt dagegen zu hohen Antikörperkonzentrationen bei der werdenden Mutter und dem Neugeborenen. Um ihr neugeborenes Kind in den ersten Lebensmonaten zuverlässig zu schützen, sollen schwangere Frauen sich möglichst früh im dritten Trimenon gegen Keuchhusten impfen lassen.

Impfungen ab 60

Ab etwa dem sechzigsten Lebensjahr wird dann auch die Impfung gegen Pneumokokken (Erreger der Lungenentzündung) wieder als Standardimpfung relevant. Hinzukommen sollte dann auch noch die regelmäßige Grippeimpfung und die Impfung gegen Herpes Zoster (Gürtelrose).

Die Grippeimpfung

In Bayern ist die Grippeimpfung eine sogenannte 'Satzungsimpfung', d.h. jeder kann sich in jedem Lebensalter kostenlos impfen lassen. Und jeder, der regelmäßig in Kontakt mit vielen Menschen – gerade mit Risikogruppen - kommt und andere anstecken könnte (etwa Ärzte oder Pflegepersonal), sollte dies unbedingt tun. Auf jeden Fall gegen Grippe geimpft sein sollten auch ältere Menschen etwa ab 60 und chronisch Kranke (Diabetes, chronische Bronchitis, Herzerkrankungen), da sich ihre Grunderkrankung sonst rapide verschlechtern könnte.

Impfung gegen Gürtelrose

Gürtelrose (medizinisch Herpes Zoster) ist eine Erkrankung der Haut, die sich in der Regel durch eine Rötung äußert, innerhalb der sich Bläschen bilden. Auslöser für Herpes Zoster ist das Varizella-Zoster-Virus, das auch die Windpocken hervorruft. Die Gürtelrose kann nur ausbrechen, wenn man als Kind an den Windpocken erkrankt ist oder eine Windpocken-Impfung erhalten hat. Dann ist das Risiko allerdings um ein Vielfaches geringer.

Die Impfung wird als Standardimpfung ab dem 60. Lebensjahr (wie Influenza und Pneumokokken) empfohlen. Sie kann auch mit der Influenzaimpfung parallel verabreicht werden. Bei bestimmten Grunderkrankungen (z.B. Immunschwäche oder Diabetes) kann sie bereits ab dem 50. Lebensjahr verwendet werden. Die Krankenkassen erstatten in beiden Fällen.

Der Impfstoff gegen die Gürtelrose, der jetzt vorliegt, ist ein sog. Totimpfstoff. Das bedeutet, dass die Impfreaktionen, wie z.B. Abgeschlagenheit oder sogar Fieber weitaus seltener auftreten, als das beim Lebensimpfstoff, der bislang verwendet wurde, der Fall war.
Auch bei den Inhaltsstoffen gibt es eine Neuerung. Um die Wirkung des eigentlichen Impfstoffes zu verstärken werden sog. Adjuvantien verwendet, wie z.B. Aluminium (Quecksilber kommt nicht mehr vor). Das Adjuvans im Gürtelroseimpfstoff setzt sich aus einem Bestandteil der Zellwände eines Salmonellenbakteriums und aus der Rinde des südamerikanischen Seifenrindenbaumes zusammen. Somit werden keine möglicherweise schädlichen Metalle verwendet.

Die Zeckenschutzimpfung (FSME)

Auch die Zeckenschutzimpfung ist in Bayern eine Satzungsimpfung. Aktive Menschen, die viel unterwegs sind, reisen und in die Natur gehen, sollten diese Impfung in jedem Fall haben. Denn auch wer außerhalb der Risikogebiete lebt (etwa um München herum), kann ja dennoch jederzeit in eines fahren.

Reiseimpfungen

Wer eine Fernreise macht, sollte sich vorher gut informieren und ausführlich beraten lassen, welche Impfungen er braucht. Das hängt nämlich nicht nur vom Zielland ab, sondern auch z.B. von Vorerkrankungen, die man hat oder von Medikamenten, die man einnehmen muss. Für die meisten Länder sind Impfungen gegen Hepatitis A und B Standard, für viele Gebiete braucht man auch eine Gelbfieberimpfung (muss von speziellen Impfstellen gemacht werden). Auch die Standardimpfungen sollten vor einer längeren Reise aufgefrischt werden. All das kann vom Hausarzt gemacht werden, sofern dieser eine reisemedizinische Zusatzausbildung hat.

Exotische Ziele

Wer unter sehr einfachen Bedingungen (Rucksacktourismus) reist, sollte sich auch gegen Cholera, Typhus und gegebenenfalls Tollwut (speziell Südostasien und Indien) schützen. Für längere Reisen nach Südostasien ist eine Impfung gegen die Japanische Enzephalitis (Hirnhautentzündung) zu empfehlen.


5